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Freiwilligenprogramm

Auf den Spuren der Julie von Effinger: Kuren im Farnbühlbad

Seit 2024 transkribieren und erforschen Freiwillige von Bibliothek und Archiv Aargau und Museum Aargau gemeinsam den Briefwechsel von Julie von Effinger (1837–1912), der letzten Bewohnerin von Schloss Wildegg. In redaktionellen Beiträgen teilen sie ihre persönlichen Gedanken und Recherchen zu den Inhalten und Themen der Briefe. Autor Bruno Benz folgt in diesem Beitrag den Spuren der Julie von Effinger und begibt sich auf eine Exkursion ins Farnbühlbad.

Unsere Transkriptionsgruppe entziffert Handschriften und lernt dabei viel über das bewegte Leben früherer Generationen. Folgen Sie mit mir den Spuren der Julie von Effinger.

Das Kurhotel Farnbühlbad 1869

Das Zimmermädchen Nanny begleitet Adelheid Sophia Julia Effinger-May, die Mutter von Julie, zur Kur im Farnbühlbad. Es ist das Jahr 1869. Nanny schreibt an Julie aus dem Kurhotel Farnbühlbad nach Schloss Wildegg und macht eine Berichterstattung zum Zustand der Mutter:

Brief Nanny an Julie von Effinger, 18.07.1869. StAG 32.121

Farnbühl den 18 Juli 69. Liebe Fraulein von Effinger! Endlich erhalten Sie auch ein Paar Worte von mir, da Frau von Effinger seit meinem Hiersein an Sie schrieb, so fand Sie es unnöthig, dass ich auch schreibe. So wollte Sie auch heute an Junker Hauptmann [Julies Vater Rudolf] schreiben, damit er vor seiner Abreise noch einen Brief von ihr bekäme, leider ist Sie nun nicht wohl genug dazu, und überlässt es mir. Wir waren heute um halb 10 im Damenzimmer beim Gottesdienst von Herrn Dappolet naher [nachher] war Frau von Effinger unwohl, und ging zu Bette was ja für Sie immer das beste ist, ich holte ihr ein warmer Krugs und Brühe, Herr Baron kam, und gab Mittel und nun ists wieder besser. […] Ich für meinen Theil hab mich nicht zu beklagen, Alle sind freundlich und zuvorkommend auch die Köchin ist immer freundlich, ich mag so oft kommen etwas zu holen als ich will. Frau von Effinger hat meistens am Tisch gegessen, hinunter geht sie zimmlich gut, und hinauf tragen wir sie die Therese hilft mir gewöhnlich, die Leute sagen ihr immer es gehe ihr besser sie sehe besser aus, sie glaubt es aber nicht, auch mir scheint es immer das gleiche zu sein ein Tag oder eine Nacht besser die andere wieder weniger, auch der Herr Baron sagt wenig, Erleichterung wird alles sein was wir für unsre liebe Kranke hoffen dürfen. Sonst ist sie ruhig ist oft mit Fräulein Quene und Fraulein Seggisser, (und Fräulein Hagnauer ist nun unsre Nachbarinn geworden.) Nun so leben Sie wohl liebe Fräulein von Effinger empfangen Sie und Herr Junker Hauptmann der Frau von Effinger und meine Grüsse. Nanny Ich hoffe das nächste Maal gute Nachrichten schreiben zu können. Bitte noch unsere Grüsse an alle Dienstboten Vreni und Mareili

Nanny Zimmermädchen
Broschüre zum Bad- und klimatischen Kurort Farnbühlbad, 1866. © Staatsarchiv Luzern. Magazin K 353.

Das Farnbühlbad damals: Das Kurhotel liegt bei Schachen im Luzernischen auf etwa 700 Meter überm Meer. am Übergang zur Bramegg ins Entlebuch. Die Gäste konnten in der Kutsche des Wirts in Luzern abgeholt werden. Man kurte hier einerseits wegen der guten Luft und der klimatisch günstigen Höhenlage, andererseits wegen einer eisenhaltigen Natronquelle. Man konnte Bade- und Trinkkuren machen. Das Hotel hatte 65 Zimmer mit 70 Betten und im Nebenhaus 12 Badekabinen. Verbesserungen sollten für Nerven und Gemüt, die inneren Organe und Rheuma erzielt werden. Auf der Trinklaube mit Aussicht zum Pilatus und Rigi tranken die Gäste die Wässer und die Molke. Die Rigi war ein Sehnsuchtsberg der Julie von Effinger. Die Rigibahn von Vitznau aus wurde allerdings erst am 21. Mai 1871 eröffnet.

So sah das Farnbühlbad im Jahre 1869 aus. © Sammlung ZHB Luzern. https://zentralgut.ch/image/9913391420105505/

In der Kapelle – auf dem ersten Bild im Hintergrund links – wurde am Sonntag Gottesdienst gehalten. Aus der Broschüre besonders zu erwähnen: auch eine Pflanzenliste für das damals modische Botanisieren wurde den Leserinnen und Leser zur Verfügung gestellt. Die Lebensdauer des Bads war kurz: 1900 ging es Konkurs, 1906 brannte das Kurhotel Farnbühlbad bis auf die Grundmauern nieder.

Exkursion ins Farnbühlbad heute

So sieht das Farnbühlbad heute aus. © Bruno Benz

Mein Besuch mit dem Velo beginnt in Wolhusen. Es geht am Kloster Werthenstein vorbei und bei Schachen stetig aufwärts. Ich befrage einen Einheimischen nach dem Bad. Er hat selbst eine eigene Quelle, die aber keine Mineralquelle ist. Weiter oben am Hang stehen rechts eine Kapelle und ein Bauernhofensemble. Am Stall steht gross: Farnbühlbad. Die Kapelle ist das einzige Relikt des Bads. Die Bauersfamilie weiss: die Quelle ist verschwunden, es gibt keine Fassung. Auf dem Badgelände steht das zweite Bauernhaus, das erste Bauernhaus ist 2006 abgebrannt.

Zurück nach Wolhusen radle ich am Höhenweg, am Weg steht eine Gedenkstätte. Zur Kurhauszeit stand dort eine Kapelle. Auch diese ist jedoch abgebrannt. Der russig-schwarze Bischof Ulrich schaut auf seine Schafe, dann radelt es sich genial abwärts nach Wolhusen.