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Schul- und Bildungsangebot

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Aus dem ukrainischen Kriegsgebiet geflüchtete Kinder, die sich im Aargau aufhalten, werden in die obligatorische Volksschule eingeschult. Geflüchtete Jugendliche können abhängig von der Vorbildung Bildungsangebote der nachobligatorischen Schule besuchen.

Bis Ende Juni 2022 sind fast 60'000 Personen aus der Ukraine in die Schweiz geflüchtet, weitere werden folgen. Gemäss Verteilschlüssel werden dem Kanton Aargau mehrere tausend Personen zur Unterbringung zugewiesen, darunter eine grosse Zahl Kinder und Jugendliche.

Wichtig ist, dass die betroffenen Kinder die Schulpflicht wahrnehmen können und Jugendlichen rasch eine Tagesstruktur angeboten wird.

Kinder von 4 bis 15 Jahren

Alle Kinder, die neu in eine Gemeinde ziehen, haben unabhängig vom Aufenthaltsstatus das Recht und die Pflicht, die Schule zu besuchen. Dies gilt auch für geflüchtete Kinder und Jugendliche aus dem ukrainischen Kriegsgebiet. Sie besuchen die obligatorische Volksschule, wenn absehbar ist, dass sie im Kanton bleiben - unabhängig davon, ob die Unterbringung via Kanton erfolgt oder bei Privaten organisiert ist. Für die Organisation vor Ort (Personal, Schulraum) sind die Schulen zuständig.

Beschulungsformen

Nicht alle neu aufgenommenen Kinder werden per sofort in die bestehenden Schulstrukturen vor Ort integriert werden können. Massgebend sind die Möglichkeiten und personellen Ressourcen, die vor Ort zur Verfügung stehen. Den Gemeinden und Schulen soll genügend Zeit eingeräumt werden, um die nötigen Abklärungen und eine sorgfältige Planung unter Einbezug der involvierten Akteure zu tätigen.

  • Einzelne Schülerinnen und Schüler sollen wenn immer möglich in den bestehenden Abteilungen beschult werden.
  • Für Gruppen von 8 bis 12 ukrainischen Kindern und Jugendlichen kann die Beschulung auch in einem separaten Lernangebot erfolgen, sofern dies aus Sicht der Schule vor Ort sinnvoll und organisatorisch realisierbar ist.

Jugendliche von 16 bis 20 Jahren

Hinweis

Beim Entscheid, ein Bildungsangebot der Sekundarstufe II in Anspruch zu nehmen, ist zu berücksichtigen, dass der dafür benötigte Schutzstatus S rückkehrorientiert ist. Er ist höchstens auf ein Jahr befristet und verlängerbar. Da der Schutzstatus S irgendwann wieder aufgehoben wird, müssen alle betroffenen Personen bei Ablauf des Schutzstatus ausreisen oder ein ordentliches Asylverfahren durchlaufen.

Jugendliche Geflüchtete, die im Alter von 16-20 Jahren in den Aargau kommen, können Bildungsangebote auf Sekundarstufe II (nachobligatorische Schule: Brückenangebot, Gymnasium) besuchen, sofern sie über den Schutzstatus S und eine ausreichende Vorbildung verfügen. Die jugendlichen Geflüchteten werden nach ihrer Registrierung für den Schutzstatus S systematisch vom Case Management Integration des kantonalen Amts für Migration und Integration kontaktiert und zu einem Erstgespräch eingeladen. In diesem Rahmen werden auch die Sprachkenntnisse (Deutsch) der Jugendlichen erhoben. Unter Berücksichtigung des Sprachstands wird der weitere Bildungsverlauf vereinbart.

Jugendliche, die im Schuljahr 21/22 in die Volksschule eingetreten sind und jetzt vor dem Volksschulabschluss stehen, können ebenfalls Bildungsangebote auf Sekundarstufe II besuchen. Die Anmeldung erfolgt über die Schule vor Ort.

Deutschkurse – Brückenangebote / Berufsvorbereitung

Jugendliche mit Deutschniveau unter A1

Jugendliche mit Deutschniveau unter A1

Deutschkurse

Jugendliche mit Deutschniveau unter A1 besuchen bis Ende des jeweils laufenden Semesters Deutschkurse.

Das Amt für Migration und Integration leistet entsprechende Kostengutsprachen, welche die Kosten der Sprachkurse vollumfänglich abdecken.

Integrationskurs Grundkompetenzen

Die Jugendlichen treten auf Beginn des nächstfolgenden Semesters in den Integrationskurs Grundkompetenzen (IKG1) der Kantonalen Schule für Berufsbildung (ksb) ein.

Der IKG 1 dauert sechs Monate und wird an der ksb (Aarau, Baden) durchgeführt. Er hat zum Ziel, die Jugendlichen auf das Brückenangebot Integration vorzubereiten. Nebst dem intensiven Spracherwerb fokussiert sich der Unterricht auf die Vermittlung individueller Bildungsinhalte.

Das Angebot startet zweimal jährlich, jeweils zu Beginn des Semesters.

Jugendliche mit Deutschniveau über A1

Jugendliche mit Deutschniveau über A1

Brückenangebot Integration

Jugendliche, die bereits über ein Deutschniveau A1 oder höher verfügen, werden direkt in das Brückenangebot Integration (BAI) der ksb aufgenommen.

Das Brückenangebot Integration hat den Übertritt in eine weiterführende Schule oder Ausbildung zum Ziel. Das Angebot vermittelt mit den Schwerpunkten Deutsch, Mathematik, Allgemeinbildung, Berufsfindung und Schlüsselkompetenzen individuelle Bildungsinhalte und kann unter Umständen mit einem Praktikum (ein bis zwei Tage pro Woche) kombiniert werden.

Anspruchsvollere Angebote

Je nach individuellem Sprachstand und Vorbildung kann die ksb die Jugendlichen auch in anspruchsvollere Angebote (bspw. schulisches Brückenangebot an der ksb) einteilen oder sie für eine Mittelschule empfehlen.

Wartefristen sind nicht zu verhindern

Der Kanton bemüht sich darum, schutzbedürftigen Personen mit Status S zielgruppengerechte Unterstützungsmassnahmen zu ermöglichen, wie sie auch für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene vorgesehen sind. Die hier beschriebenen Verfahren dauern bei regulärer Lage zwischen Registrierung und Abklärungsgespräch zwei Monate. Trotz zwischenzeitlich erhöhter Ressourcen lassen sich aktuell Wartefristen nicht verhindern. Realistischerweise kann auch nicht allen Personen ein sofortiger Einstieg in ein passendes Angebot gewährleistet werden, da die Kurs- und Angebotskapazitäten entsprechend dem Bedarf weiter auf- und ausgebaut werden müssen.

Universitärer Hochschulzugang

Flüchtende aus der Ukraine können sich für ein reguläres Bachelorstudium an einer schweizerischen universitären Hochschule bewerben. Im Einzelfall gelten dabei immer die Zulassungsbestimmungen der jeweiligen Hochschule. So ist es beispielsweise an der ETH Zürich und der EFP Lausanne möglich, sich über eine Aufnahmeprüfung für das Studium zu qualifizieren und ein privates Bildungsangebot zu nutzen, welches auf diese Aufnahmeprüfung vorbereitet.

Grundsätzlich setzt die Zulassung entweder einen schweizerisch anerkannten gymnasialen Maturitätsausweis voraus oder das ukrainische Reifezeugnis inklusive bereits erbrachter Studienleistungen im Umfang von 120 ECTS-Punkten. Hinzu kommen die jeweils für das Studium erforderlichen Sprachkenntnisse.

Für Personen OHNE ukrainisches Reifezeugnis

Flüchtlinge aus der Ukraine haben die Möglichkeit, die schweizerische gymnasiale Maturität zu erwerben. Im Kanton Aargau beginnt der entsprechende Bildungsweg an der Kantonalen Schule für Berufsbildung, welche auch Integrations- und Brückenangebote unterhält, die zur Aufnahme an einem Gymnasium führen können.

Um die schweizerische gymnasiale Maturität erwerben zu können, müssen sodann mindestens die letzten beiden Schuljahre des Gymnasiums erfolgreich absolviert werden. Da hierfür unter anderem sehr gute Sprachkenntnisse in Deutsch, Englisch und einer zweiten Landessprache (Französisch oder Italienisch) erforderlich sind, ist davon auszugehen, dass das Absolvieren dieser beiden letzten Schuljahre mindestens 3 Jahre in Anspruch nehmen und insgesamt eine beachtliche Hürde darstellen wird. Wir empfehlen daher, wann immer möglich die allgemeinbildende Oberschule in der Ukraine abzuschliessen und sich damit das ukrainische Reifezeugnis zu verdienen.

Für Personen MIT ukrainischem Reifezeugnis

Da die Ukraine zu den Signatarstaaten der Lissaboner Konvention gehört, könnte das ukrainische Reifezeugnis in der Schweiz voll anerkannt werden, wenn die Ausbildung in Bezug auf Fächer, Anzahl Stunden und Schuldauer im Wesentlichen einer schweizerischen gymnasialen Maturität entsprechen würde. Da die gesamte Schuldauer bis zum ukrainischen Reifezeugnis jedoch aktuell nur 11 Jahre beträgt (in der Schweiz mindestens 12 und in der Regel 13 Jahre) und die Sekundarstufe II nur 2 Jahre umfasst (in der Schweiz mindestens 3 Jahre und in der Regel 4 Jahre), kann das ukrainische Reifezeugnis lediglich teilanerkannt werden. Als Kompensation dieser Teilanerkennung sehen die Lissaboner Konvention und, ihr folgend, auch die meisten schweizerischen universitären Hochschulen bereits erbrachte Studienleistungen im Umfang von 120 ECTS-Punkten für jene Personen vor, welche sich für ein reguläres Bachelorstudium bewerben wollen.

Falls diese 120 ECTS-Punkte noch nicht erworben wurden, bietet sich hierfür das folgende Vorgehen an:

  1. Zunächst erfolgt eine Immatrikulation an einer staatlich anerkannten universitären Hochschule in der Ukraine (die Aufnahmeprüfungen für viele Studienrichtungen können in der Schweiz abgelegt werden) und der Erwerb von 60-90 ECTS-Punkten im Rahmen eines Fernstudiums.
  2. Gleichzeitig zum Fernstudium werden die für das Studium in der gewählten schweizerischen Hochschule benötigten Sprachkenntnisse aufgebaut.
  3. Die restlichen 30-60 ECTS-Punkte werden im Rahmen eines Gaststudiums an einer Hochschule in der Schweiz (wird fast an allen Hochschulen angeboten) erworben.

Theoretisch könnten auch die ganzen 120 ECTS-Punkte im Rahmen eines Gaststudiums erworben werden. Das Gaststudium ist jedoch in der Regel zeitlich begrenzt (zum Teil auf nur 1-2 Semester), weshalb es sogar bei sehr guten vorhandenen Sprachkenntnissen in der Regel nicht möglich sein wird, alle geforderten Punkte rechtzeitig zu erwerben.

Ausbildungsbeiträge

Personen mit Schutzstatus S sind berechtigt, Gesuche um Ausbildungsbeiträge einzureichen. Ein Ausbildungsbeitrag kann für anerkannte Ausbildungen der Kantonalen Schule für Berufsbildung (KSB), der Sekundarstufe II und der Tertiärstufe bewilligt werden, sofern die weiteren Anspruchsvoraussetzungen (z.B. ausgewiesener Unterstützungsbedarfs, Einkommens- und Vermögensnachweise) erfüllt sind.

Gesuche für das Ausbildungsjahr 2022/23 sind fristgerecht über das Stipendienportal des Kantons Aargau einzureichen.

Schulisches Personal

Für die separaten Lernangebote an der Volksschule braucht es zusätzliche Lehrpersonen, zudem können Assistenzpersonen eingesetzt werden. Auch werden Übersetzer/-innen mit Ukrainisch- oder Russisch-Kenntnissen gesucht. Konkrete Anforderungen folgen.

Geeignete Personen, die einen Beitrag leisten möchten, sind gebeten, sich direkt bei einer Schule in der Nähe ihres Aufenthaltsorts zu melden oder über unten stehendes Formular beim Departement BKS. Ihre Kontaktdaten werden den Schulen/Gemeinden im Kanton Aargau über einen geschützten Bereich zugänglich gemacht und dienen somit der Weitervermittlung.

Meldeformular schulisches Personal

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Das bringe ich mit.....
insbesondere Lehrpersonen-Diplome
Angaben zu Pensum, Wochentage etc.
Assistenzpersonen unterstehen nicht dem allgemeinen Berufsauftrag und erfüllen Aufgaben, die sich von denjenigen der Lehrpersonen deutlich unterscheiden. Ihre Hauptaufgaben liegen in den Tätigkeitsfeldern Begleitung und Beaufsichtigung. Assistenzpersonen helfen mit, Situationen zu entspannen, die überfordernd auf die Lernenden oder die Klasse wirken, und tragen dadurch zu einem guten Klassenklima und zur Entlastung der Lehrpersonen bei. Ihre Tätigkeiten sind auf Alltagshandlungen im Unterricht ausgerichtet. Sie übernehmen keine Unterrichts- und Klassenverantwortung.
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