INV-LEN938 Atelier und Wohnhaus Hächler, 1964 (Dossier (Bauinventar))

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Ansichtsbild:
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Identifikation

Signatur:INV-LEN938
Signatur Archivplan:LEN938
Titel:Atelier und Wohnhaus Hächler
Bezirk:Lenzburg
Gemeinde:Lenzburg
Ortsteil / Weiler / Flurname:Ziegelacker
Adresse:Blumenrain 7
Versicherungs-Nr.:1885, 1923
Parzellen-Nr.:3015
Koordinate E:2655951
Koordinate N:1248506

Chronologie

Entstehungszeitraum:1964
Grundlage Datierung:Literatur

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Einzelobjekt
Nutzung (Stufe 1):Profane Wohnbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Wohnhaus
Epoche / Baustil (Stufe 3):Nachkriegsmoderne

Dokumentation

Autorschaft:Pierre Zoelly (1923-2003), Architekt, Zürich
Würdigung:Vom Architekten Pierre Zoelly für den Lenzburger Bildhauer Peter Hächler und seine Frau Eva (geb. Günzler) errichtetes Atelierwohnhaus, das als Ensemble aus zwei unabhängigen, streng kubischen Baukörpern konzipiert ist. Das nördlich gelegene Wohnhaus beruht konzeptionell auf einem vom Architekten als „Betonbaum“ verstandenen, inneren Skelett, das von einer nichttragenden, diagonal verschalten Holzfassade umhüllt wird. Das auf der Südseite eines Gartenhofs angeordnete Atelier ist als Massivbau aus sichtbar belassenen Industriebacksteinen mit auffällig hervorquellenden Mörtelfugen gefertigt. Eine ähnliche, kunstvoll gestaltete Rohbauästhetik prägt auch die von Sichtbeton und Holz bestimmten Wohnräume. Die weitgehend im Originalzustand erhaltene Anlage aus zwei gegensätzlich aufeinander bezogenen Baukörpern ist ein architektonisch herausragendes und künstlerisch avanciertes Werk. Von einem bedeutenden Vertreter der Nachkriegsmoderne für einen bekannten Lenzburger Künstler geschaffen und als Atelier bis heute intakt erhalten, kommt den Gebäuden ein ausgesprochen hoher kunst- und architekturgeschichtlicher Zeugenwert zu.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Das Wohnhaus mit separatem Atelier wurde 1964 durch den Architekten Pierre Zoelly (1923-2003) für das befreundete Bildhauerehepaar Peter (1922-1999) und Eva Hächler-Günzler errichtet [1]. Der aus Lenzburg stammende Peter Hächler war 1958 mit seiner Frau aus Paris in seine Heimatstadt zurückgekehrt; er erlangte durch seine zunehmend abstrakten, ab 1969 rein geometrischen Plastiken überregionale Bekanntheit [2]. Zoelly, der zu den bedeutenden Architekten der Nachkriegsmoderne in der Schweiz gehört, war in der Westschweiz wie auch in Zürich verwurzelt und dort tätig [3]. Er kannte Hächler von einigen in Lenzburg verbrachten Schuljahren und erhielt den Auftrag, als er soeben von einer längeren Tätigkeit aus den USA zurückgekehrt war. Realisiert wurde schliesslich sein in enger Abstimmung mit den Bauherren erarbeiteter dritter Entwurf.
Vor einigen Jahren erfuhr das Wohnhaus eine Fassadenrenovation mit möglichster Bewahrung des ursprünglichen Zustand. Der Atelierraum präsentiert sich seit dem Tod Peter Hächlers im Jahr 1999 weitgehend unverändert.
Beschreibung:Atelier und Wohnhaus gliedern sich in zwei separate Gebäude, welche sich an den beiden Enden des langgestreckten Grundstücks am Blumenrain als zwei streng kubische Baukörper von gleicher Breite und Höhe gegenüberstehen und so einen dazwischenliegenden Gartenraum definieren. Während das südlich situierte – vom Garten her mit dem gewünschten Nordlicht versorgte – Atelier auf quadratischem Grundriss 8 x 8 x 6 Meter misst, ist das Wohnhaus um die Hälfte länger [4]. In der Wahl von Konstruktionsform und Material sind die beiden für unterschiedliche Funktionen bestimmten Baukörper hingegen deutlich differenziert.
Die konstruktive Grundkonzeption des Wohnhauses beruht auf einem innenliegenden, tragenden Betonskelett und einer holzverschalten, nichttragenden Fassade, deren Gegensatz der Architekt nach eigener Aussage hier möglichst konsequent ausdrücken wollte: „Aus einem Kellerbunker wächst ein Betonbaum, der die Nasszellen umschliesst und mit Tafeln und Armen Holzboden und Holzdach trägt. Die Fassade ist bloss umgehängter Regenmantel. Es sollte erprobt werden, wie weit die Differenzierung zwischen Tragendem und Getragenem getrieben werden kann.“ [5] Die Fassade wird von einer diagonalen Holzverschalung gebildet, die ursprünglich roh belassen war und heute mit einem braunen Anstrich versehen ist. Sie wird in beiden Geschossen von unterschiedlich grossen Fensteröffnungen durchbrochen, die aus bandartig gereihten, hochrechteckigen Flügeln bestehen und mit ihrer unregelmässigen, teilweise über Eck gezogenen Anordnung die nichttragende Funktion der Hülle unterstreichen. Mit seinem durchaus intendierten abstrakten Erscheinungsbild erhielt das Gebäude im Volksmund Bezeichnung „Übersee-Versand-Kiste“, die vom Architekten wiederum positiv aufgegriffen wurde [6].
Im Inneren ist das zweigeschossige Gebäude als horizontal wie vertikal stark geöffnete Raumfolge um den tragenden Betonkern organisiert; das Zentrum bildet ein zum zweigeschossigen Bereich hin geöffneter Kamin. Die Materialisierung wird vom Sichtbeton und den ebenfalls diagonal verlegten Holzverschalungen sowie rautenförmigen Holzgittern bestimmt (Inneres nicht gesehen).
Das Atelier ist in einer noch deutlicher betonten Rohbauästhetik als Massivbau aus sichtbar belassenen, gewöhnlichen Industriebacksteinen gefertigt, deren Fugen vom Architekten absichtlich betont wurden: „Damit das Gewichtige, Handgemachte spürbar wird, habe ich die Mörtelfugen herausquellen lassen.“ [7] Einzig die Nordfassade ist mit Fenstern, deren Gestaltung jenen am Wohnhaus entspricht, grossflächig geöffnet. Das Innere des Ateliers ist im Unterschied zum zweigeschossigen Wohnhaus und entsprechend seiner Funktion über die gesamte Höhe als ein zusammenhängender, offener Raum eingerichtet. Ein Kran diente zum Bewegen der teilweise schweren Plastiken (Inneres nicht gesehen).
Der Zwischenbereich zwischen den beiden Baukörpern ist als ein von der Bauherrschaft so gewollter „liebevoller Unkrautgarten“ angelegt, der seine Gestalt erst sukzessive erhielt [8]. Zum Strassenraum hin wird der Garten von einem mannshohen Bretterzaun abgeschlossen, der in seiner rohen Materialästhetik ebenfalls an die Gestaltung der Bauten anschliesst.
Erwähnung in anderen Inventaren:- Stadt Lenzburg. Inventar der kommunal schutzwürdigen Gebäude, 1997 (BNO 1997, Anhang 1, Inventarliste), Nr. 17.
- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
Anmerkungen:[1] Baugeschichte nach Steinbach 2013, S. 26-46.
[2] Zu Peter Hächler vgl. SIKART. Lexikon zur Kunst in der Schweiz: http://www.sikart.ch, Art. ‚Peter Hächler‘, 1998, rev. 2016 (Zugriff 15.9.2017); Peter Killer, Peter Hächler. Retrospektive, Ausst.Kat. Aarau, Zürich, 1994.
[3] Zu Pierre Zoelly vgl. Ausst.Kat. 1978; Isabelle Rucki / Dorothee Huber (Hrsg.), Architektenlexikon der Schweiz, 19./20. Jahrhundert, Basel 1998, S. 582; Zoelly 1998; werk, bauen + wohnen, 2004, Nr. 3, S. 56f. (Nekrolog); Steinbach 2013; Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Art. ‚Pierre Zoelly‘ (2014): http://www.hls-dhs-dss.ch. – Zoelly projektierte in Lenzburg auch die Einfamilienhäuser Lütisbuchweg 2 (Wohnhaus Peter Mieg, 1948/49) und Bölli 3 (1968/69, Bauinventarobjekt LEN938).
[4] Vgl. auch die ausführliche Beschreibung und Würdigung bei Steinbach 2013, S. 26-46; gemäss dortigen Angaben insbes. die Beschreibung des Inneren.
[5] Ausst.Kat. 1978, S. 52.
[6] Steinbach 2013, S. 34.
[7] Zoelly 1998, S. 115. Inneres nicht gesehen; Beschreibung gemäss Steinbach 2013, S.
[8] Steinbach 2013, S. 30.
Literatur:- Annabelle Steinbach, Pierre Zoelly – zwischen Systematik und Poesie. Drei Wohnhäuser der 1960er Jahre, MAS-Arbeit ETH Zürich 2013 (Baubibliothek ETH Zürich), S. 26-59.
- Pierre Zoelly, Pierre Zoelly. Elemente einer Architektursprache, Basel / Boston / Berlin 1998, S. 72f., 86f., 115, 218.
- Schweizer Architekturführer 1920-1990, Bd. 2, Zürich 1994, Nr. 235.
- Hans Maurer et al., Lenzburg AG (Schweizerische Kunstführer, Nr. 429/430), Bern 1988, S. 12.
- Pierre Zoelly, Ausst.Kat. Zürich 1978 (Werkstattbericht. Institut für Geschichte und Theorie der Architektur, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich ; 2), Zürich 1978, S. 35, 52f.
 

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Accessibility:Öffentlich
 

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