INV-KOB902 Gasthof "Blume", 18. Jh. (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context


Ansichtsbild:
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Identifikation

Signatur:INV-KOB902
Signatur Archivplan:KOB902
Titel:Gasthof "Blume"
Bezirk:Zurzach
Gemeinde:Koblenz
Adresse:Landstrasse 2
Versicherungs-Nr.:101
Parzellen-Nr.:790
Koordinate E:2659959
Koordinate N:1273445
Situationsplan (AGIS):http://www.ag.ch/app/agisviewer4/v1/html/agisviewer.htm?config=agis_geoportal_fs.json&thema=185&scale=5000&basemap=base_landeskarten_sw&x=2659959&y=1273445

Chronologie

Entstehungszeitraum:18th cent.
Grundlage Datierung:Schätzung

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Einzelobjekt
Nutzung (Stufe 1):Gewerbe-, Industrie- und Dienstleistungsbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Gasthaus, Gasthof
Epoche / Baustil (Stufe 3):Biedermeier

Dokumentation

Würdigung:In mehreren Bauphasen entstandener Gasthof, der mit seiner markanten Giebelfront den westlichen Eingang zum alten Dorfkern von Koblenz besetzt. Kernbau der „Blume“ ist der rückwärtige, firstparallel zur Strasse gestellte Gebäudetrakt; dieser erhielt um 1800 einen strassenseitigen Erweiterungsbau, der im Obergeschoss noch spätbarocke Fenster zeigt. Erst in einer weiteren Etappe dürfte um die Mitte des 19. Jahrhunderts der biedermeierlich geprägte Giebelaufbau entstanden sein. Trotz verschiedener baulicher Veränderungen vor allem im rückwärtigen Bereich und am Dach bewahrt das Gebäude noch wesentliche Elemente seiner äusseren Erscheinung wie auch seine innere Raumstruktur. Als prägendem Element des Koblenzer Ortsbilds kommt ihm ein hoher Situationswert zu.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Der älteste Teil des bestehenden Gasthauses ist ein bäuerlicher Vielzweckbau, der in traufstänidger Lage zur Strasse an das östliche Nachbarhaus anschloss und noch auf das 18. Jh. zurückgehen könnte. Vermutlich in zwei Etappen wurde dieser Kernbau um den markanten giebelständigen Vorbau erweitert. Spätbarocke Fenstergewände im Obergeschosses lassen auf eine erste Bauphase in der Zeit um 1800 schliessen, während das Giebelfeld mit den biedermeierlichen Rundbogenlichtern um die Mitte des 19. Jh. zu datieren ist. Seine heutigen Formen dürfte der Gebäudekomplex mit diesem Umbau kurz vor der ersten verfügbaren Brandkataster-Aufnahme von 1851 erhalten haben, wo das Gebäude bereits mit den heutigen Abmessungen erscheint und für die darauffolgenden Jahre keine wesentlichen wertvermehrenden Veränderungen verzeichnet sind: „Gasthaus zur Blume als ein 2stöckiges Wohnhaus mit Scheuer & Schopf von Mauer unter Ziegeldach. 98’ lang, 49’ breit, 17’ hoch.“ [1]
Wohl um 1900 wurde die Gaststube erweitert. Um die Mitte des 20. Jh. erfolgte eine rückwärtige Erweiterung um eine schmale Raumschicht. Um 1980/90 erneuerte man den Keller unter dem Kernbau, wobei eine neue Betondecke eingezogen, die darüber gelegenen Räume jedoch nicht beschädigt wurden. 1998 wurde das durch Wurmbefall und Feuchtigkeit zerstörte Dachgerüst ersetzt.
Beschreibung:Der Gasthof „Blume“ besetzt die Verzweigung zwischen der Landstrasse und der Hinterdorfstrasse und bildet damit von Westen her den Auftakt des alten Ortskerns von Koblenz. Das zweigeschossige Gebäude besteht aus dem rückwärtig gelegenen, traufparallel zur Strasse gestellten Kernbau und einem Vorbau, der mit seinem First quer an jenen des Hauptdaches stösst und sich mit einer markanten Giebelfront zur Strasse wendet. Diese ist derart breit gelagert, dass sie seitlich gar den rückwärtigen Längstrakt überragt. Ihre beiden Hauptgeschosse sind in der Giebelfront mit sechs gleichmässig verteilten Achsen von Einzelfenstern versehen, die gefalzte Muschelkalkgewände mit spätbarock profilierten, lippenförmigen Simsen zeigen. Die Gestaltung des Giebelfeldes mit einem zentralen rundbogigen Zwillingslicht stellt eine typisch biedermeierliche Lösung der Zeit um 1850 dar; darüber öffnet sich im zweiten Dachgeschoss eine ebenfalls rundbogige ehemalige Aufzugsöffnung. Der Giebel zeigte ursprünglich einen markanten, hochliegenden Knick, der mit der Erneuerung von 1998 verschwunden ist. Die Kanten des strassenseitigen Quergiebeltrakts sind mit einer Putzquaderung wohl aus der Zeit um 1900 gefasst. Unter den Fenstern des Dachgeschosses ist der Name des Gasthofs aufgemalt, dessen Typografie wohl noch aus der Zeit um 1900 stammt. Der Eingang zur Gaststube liegt exzentrisch in der zweiten Fensterachse von rechts. Vor der Giebelfront liegt die Gartenwirtschaft, deren massives Sonnenschutzdach den Blick auf das Gebäude etwas behindert. Störender wirkt aber der Vorbau vor dem östlich mit der „Blume“ zusammengebauten, erneuerten Nachbarhaus Landstrasse 4 (Vers.-Nr. 524).
Am rückwärtigen, ehemals traufständig an die Strasse gestellten Gebäudetrakt hat sich namentlich noch die westliche Stirnseite zur Hinterdorfstrasse in einem älteren Zustand erhalten. Sie zeigt unter dem First eine Rundbogentür mit vielfach überstrichenem Steingewände; die Rechteckfenster sind erneuert. Die rückwärtige Traufseite präsentiert sich heute durch einen Anbau mit Toilettenanlagen aus dem mittleren 20. Jh. und einen etwas späteren Balkonvorbau stark verändert.
Die Gaststube umfasste ursprünglich nur die drei mittleren Fensterachsen der Hauptfassade. Wohl um 1900 wurde sie durch den Einbau eines Unterzugs rückwärtig in den Bereich des Kernbaus erweitert, wovon eine ummantelte Gusseisensäule mit Gewindestange bis ins Dachgeschoss zeugt. Dieser Raum zeigt eine einfache, wohl im Rahmen jenes Umbaus entstandene Ausstattung mit schlichtem Brusttäfer sowie Federtäfer an der Decke; etwas später entstanden ist der Raumtrenner beim Eingang. Das Säli im östlichen Gebäudeteil ist durch eine Faltwand aus der Zeit um 1960/70 abgetrennt; im kleineren neben dem Eingang wurde wohl um 1980 das Bruchsteinmauerwerk freigelegt. Die Böden wurden im Zusammenhang mit der Erneuerung des Kellers ersetzt. Neben dem seitlichen Hauseingang führt eine Holztreppe mit einfachem Staketengeländer aus dem frühen 20. Jh. ins Obergeschoss. In der Wirtewohnung im Obergeschoss, die um 1980 weitgehend erneuert wurde, sind die quer zueinander gerichteten Dachbalken des Kernbaus und der strassenseitigen Erweiterung freigelegt. Das Dachgerüst wurde 1998 vollständig ersetzt.
Zum Gasthaus gehört auch ein Gewölbekeller unter der westlich benachbarten Liegenschaft Hinterofenstrasse 1 (Vers.-Nr. 102A, nicht Bestandteil des Schutzumfangs). Nach mündlicher Überlieferung soll dieser zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt zur Begleichung einer Spielschuld an das Gasthaus gelangt sein. Das Gebäude über dem Keller wurde in jüngerer Zeit durch einen Neubau ersetzt.
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), regionale Bedeutung.
Anmerkungen:[1] Staatsarchiv Aargau, CA.0001/0711-0713; Brandkataster Gemeinde Koblenz, 1851-1938.
Quellen:- Staatsarchiv Aargau, CA.0001/0711-0713; Brandkataster Gemeinde Koblenz, 1851-1938.
 

URL for this unit of description

URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=38628
 

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