INV-RHE946D Stadtweg 11, 1905-1907 (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context

 

General information

Information on identification

Ref. code:INV-RHE946D
Ref. code AP:RHE946D
Title:Stadtweg 11
Preview:
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Bildlegende:Ansicht von Südwesten (2023)
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Rheinfelden
Adresse:Stadtweg 11
Versicherungs-Nr.:665
Parzellen-Nr.:236
Koordinate E:2626950
Koordinate N:1266745
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2626970.13,1266760.00&z=13&info=2626949.82785986,1266745.2495547093,1

Accessions characteristics

Creation date(s):1905 - 1907
Grundlage Datierung:Inschrift (Giebel Westfassade), Brandkataster

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Teil einer Baugruppe
Weitere Teile der Baugruppe:RHE946A-D
Nutzung (Stufe 1):Profane Wohnbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Reihenhaus, Zeilenbebauung
Epoche / Baustil (Stufe 3):Historismus

Information on related materials

Würdigung:Wohnhaus einer von 1897–1907 entstanden Blockrandbebauung am Stadtweg, an der verschiedene Eigentümerschaften und Baumeister beteiligt waren. Wie für Kleinstädte geradezu paradigmatisch, ist das Konzept der Blockrandbebauung, das sich im 19. Jahrhundert zum prägenden Element im Städtebau etabliert hatte, nur in einer verknappten Form, nämlich als Häuserzeile, ausgeführt worden. Die historistische Häuserzeile am Stadtweg setzt sich aus vier Gebäuden zusammen, wobei vor allem die Eckbauten mit ihrem eklektizistischem Bauschmuck auffallen und den Strassenraum prägen. Mit ihrer Lage gegenüber einem ehemaligen Industriequartier zeigt die Bebauung den Ansatz zum städtisch verdichteten Bauen. Insbesondere die Eckbauten weisen üppigen eklektizistischen Bauschmuck auf. Mit ihrem äusserlich guten Erhaltungszustand ist die Blockrandbebauung ein städtebaulicher, architekturhistorischer und baukünstlerischer Zeuge, der eine urbane Präsenz generiert.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Mit dem Wachstum der Grossstädte durch die Industrialisierung entstand der Bautypus des mehrgeschossigen Mietshauses in Form der Blockrandbebauung. Diese entwickelte sich im 19. Jh. zum prägenden Prinzip des mitteleuropäischen Städtebaus, bei dem geschlossene Gebäudezeilen mit Innenhöfen klare Strassenräume definierten. Das Erdgeschoss war meist für Ladengeschäfte vorgesehen; der Innenhof bot Platz für Lager- und Werkstatträume; in den gegenüber den anderen Geschossen meist etwas prunkvolleren ersten Obergeschossen (bel étage) sind Wohnungen für die wohl situierte Gesellschaft zu finden; den Abschluss bilden meist Plattformdächer oder Mansarddächer. Somit verband die Blockrandbebauung eine effiziente Parzellenstruktur sowie eine vielfältige Nutzung mit repräsentativen Fassaden zumeist mit historistischem Dekor und prägte Grossstädte wie Paris, Wien, Berlin. Auch in Schweizer Städten wie Zürich, Basel oder Genf hielt die Blockrandbebauung Einzug. In vielen Kleinstädten hingegen blieb sie oft nur fragmentarisch ausgebildet: Statt vollständig geschlossener Blöcke entstanden dort halbseitige Strassenfassungen oder nur abschnittsweise gefasste Platzränder, die dennoch die Intention nach einer übergeordneten räumlichen Ordnung erahnen lassen und eine urbane Präsenz erzeugen. In Rheinfelden lässt sich diese Situation mit mehreren blockrandähnlichen Sequenzen an der Bahnhofstrasse 2 u. 17; am Kirchplatz 1; an der Roberstenstrasse (Bauinventarobjekt RHE938); an der Ecke Quellenstrasse / Belchenstrasse (Bauinventarobjekt RHE916) sowie im vorliegenden Fall am Stadtweg 5–11 besonders gut beobachten. Nachdem die Blockrandbebauung im 20. Jh. durch aufgelockerte Siedlungsformen, wie z. B. die Gartenstadt oder die Zeilenbauweise, in Frage gestellt wurde, wird sie in jüngerer Zeit im Städtebau neu rezipiert.
Die Häuserzeile am Stadtweg 5–11 setzt sich aus vier Gebäuden zusammen und bildet eine verknappte Form einer Blockrandbebauung. Das Grundstück wurde 1897 von der gegenüberliegenden Tabakfabrik Fischer & Cie (Bauinventarobjekt RHE948) abparzelliert. Daraufhin entstanden die vier Häuser einzeln von 1897–1907 durch den Baumeister Christian Anz.
Das Eckhaus Stadtweg 11 wurde in den Jahren 1905–1907 als letzte Einheit der Häuserzeile errichtet. 2019 wurde der Terrassen- und Balkonanbau an der Ostfassade erneuert [1].
Beschreibung:Die historistische Häuserzeile am Stadtweg 5–11 befindet sich südöstlich der Altstadt, am Fuss des Kapuzinerbergs gegenüber des Fabrikkomplexes, der zur Bauzeit der Häuser die Tabakfabrik Fischer & Cie., später die Hefefabrik Klipfel beherbergte (Bauinventarobjekt RHE948). Das Grundstück ist von Norden nach Süden leicht ansteigend, so dass das Eckhaus Stadtweg 11 höher liegt. Während die beiden mittleren Gebäude eher zurückhaltend und relativ einheitlich instrumentiert sind, setzen sich die beiden Eckbauten durch eine individuelle Gestaltung der Fassaden und die Wahl der Baumaterialien ab. Vor allem diese beiden letztgenannten Gebäude zeigen in typischer Weise die verschiedene Stile rezipierende Architektursprache der Zeit um 1900.
Das Wohnhaus Stadtweg 11 ist ein zweigeschossiger Sichtbacksteinbau unter einem mit Schiefer eingedeckten Mansardwalmdach. Die städtebaulich exponierte Südwestecke ist mit einem überhöhten vorspringenden Turm unter einem Pyramidendach akzentuiert. Die zum Kapuzinerberg hin orientierten Fassaden im Westen und Süden umfassen jeweils drei Fensterachsen mit Stichbogenfenstern im Erdgeschoss und Rechteckfenstern mit bekrönendem Muschelornament und Überfangsrundbögen im Obergeschoss. Das Mansardgeschoss wird durch axialsymmetrisch gesetzte Giebeldachlukarnen belichtet, die mit Lambrequins aus Blech zur Verkleidung der Rollläden ausgestattet sind. Der Hauseingang befindet sich in der Mittelachse der Südfassade und bewahrt die bauzeitliche Holztür mit floraler Vergitterung.
Die breitere Mittelachse der westlichen Strassenseite ist als Risalit mit einem Schweifgiebel und Giebelaufsätzen ausgezeichnet. Zudem ist sie mit zwei Balkonen ausgestattet: derjenige im ersten Obergeschoss hat eine rechteckige Grundfläche, besitzt eine Brüstung aus Steinbalustern und ruht auf Volutenkonsolen, derjenige im Mansardgeschoss hat eine Halbkreisgrundfläche und eine gebauchte Brüstung aus Eisen.
Der üppige historistische Baudekor aus weiss gefasstem Kunststein bildet einen wirkungsvollen Kontrast zum Orangeton der Backsteinwände und verleiht dem Gebäude zusammen mit der aufwendigen Dachgestaltung eine repräsentative späthistoristische Erscheinung, die als Eckbau eine urbane Präsenz vermittelt und den Strassenraum prägt.
Anmerkungen:[1] Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch von 2019.
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
Literatur:- Edith Hunziker, Peter Hoegger, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 9: Der Bezirk Rheinfelden, Bern 2011. S. 250.
Quellen:- Staatsarchiv Aargau (StAAG): CA.0001/0571–0573 (1899–1938) Vers. Nr. 665, Brandkataster Gemeinde Rheinfelden.
- Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch von 2019.
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

URL for this unit of description

URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142438
 

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