INV-RHE909 Villa Bel-Air, Quellenstrasse 4, 1876-1877 (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context

 

General information

Information on identification

Ref. code:INV-RHE909
Ref. code AP:RHE909
Title:Villa Bel-Air, Quellenstrasse 4
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Bildlegende:Ansicht von Südosten (2023)
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Rheinfelden
Ortsteil / Weiler / Flurname:Bahnhofquartier
Adresse:Quellenstrasse 4
Versicherungs-Nr.:501
Parzellen-Nr.:1884
Koordinate E:2626522
Koordinate N:1266815
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2626528.84,1266806.39&z=13&info=2626522.2153793406,1266815.010214452,1&search=rheinfelden+ag,gg25

Accessions characteristics

Creation date(s):1876 - 1877
Grundlage Datierung:Brandkataster

Typologie

Nutzung (Stufe 1):Profane Wohnbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Repräsentatives Wohnhaus, Villa
Epoche / Baustil (Stufe 3):Spätklassizismus

Information on related materials

Würdigung:Spätklassizistische Villa "Bel-Air" von 1876/77, die 1898 in den Besitz des Feldschlösschengründers Theophil Roniger gelangte. Sie steht in einer grosszügigen Gartenanlage zwischen Bahnhofquartier und Altstadt, innerhalb der sich auch das ursprünglich zugehörige Ökonomiegebäude und eine weitere Villa für die nachfolgende Generation der Familie Roniger befinden. Die Villa Bel-Air gehört somit zu einem landschaftsarchitektonischen Ensemble, das mit seiner Besitzergeschichte von lokalhistorischem Interesse ist und an einer prominenten Stelle im Stadtgefüge situiert ist. Aussen und Innen bewahrt sie einen wesentlichen Anteil der historischen Bausubstanz und bildet ein wertvolles Zeugnis für die gehobene Wohnkultur des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Die Villa Bel-Air entstand 1876/77 für den Zigarrenfabrikanten Gustav Herzer nordwestlich des ein Jahr zuvor eröffneten Bahnhofs. Der aus Stetten oder Lörrach stammende Baumeister soll zur gleichen Zeit das Bahnhofhotel erbaut haben. 1884 erwarb Franz Xaver Waldmeier, ein aus Möhlin stammender, in Paris erfolgreicher Börsenmakler, die Liegenschaft. Er liess einen Park anlegen und in dessen Nordostecke 1886 ein Ökonomiegebäude (Bauinventarobjekt RHE910) errichten. Kurze Zeit im Eigentum von Ferdinand Streule-Wunderle, Direktor bei der Seidenweberei Baumann, Streule & Co., gelangte die Liegenschaft 1898 in den Besitz des Feldschlösschengründers Theophil Roniger-Blatt, der die westlich des Hauses gelegene Wiese mit einem vormals zur Öle gehörigen Weiher in die Gesamtanlage einbeziehen liess. Im Nordwestteil der grosszügigen Parzelle liess Adolf Roniger-Hürlimann 1915/16 einen Villenneubau erstellen (Bauinventarobjekt RHE911), während das Stammhaus im geteilten Besitz von Adolf und Emil Roniger verblieb. Letzterer war ab 1931 alleiniger Eigentümer [1].
1924 erfolgte ein Umbau der Villa Bel-Air, bei dem der Vorbau beim Eingang erstellt wurde [2]. In der zweiten Hälfte des 20. Jh. fanden mehrere bauliche Veränderungen statt, so wurde 1954 vor der Südwestecke der Villa eine eingeschossige Garage errichtet. 1955 wurde die an der Westfassade bereits bestehende Veranda um ein Geschoss aufgestockt. 1984 wurde das Innere umgebaut und Schleppgauben angebracht. 1987 wurde im Gewölbekeller ein Jazzclub eingerichtet. 2011 fanden innere Umbauarbeiten statt, um die Villa für Betreutes Wohnen zu nutzen, dabei wurden auch Dachflächenfenster eingebaut [3].
Beschreibung:Die Villa Bel-Air befindet sich in einer grosszügigen Gartenanlage am nördlichen Rand des Bahnhofquartiers südwestlich der Altstadt. Innerhalb der von Quellenstrasse, Quellenrain, Kaiserstrasse und Bahnhofstrasse eingefassten Gartenanlage befinden sich auch das ursprünglich zugehörige Ökonomiegebäude (Bauinventarobjekt RHE910) und die Villa Roniger (Bauinventarobjekt RHE911). Die Villa Bel-Air ist am Südrand des Grundstücks in den gegen die Kaiserstrasse sanft abfallenden Hang gestellt und ist dementsprechend nach Süden zwei-, nach Norden dreigeschossig ausgebildet. Der über einem quadratnahen Rechteck errichtete Baukörper mit Walmdach zeigt eine symmetrische Fassadengestaltung mit lediglich angedeuteten überhohen Mittelrisaliten an den Längsseiten. Die Gebäudeecken sind jeweils durch farblich abgehobene Lisenen eingefasst. An der Südseite entsteht der Eindruck eines Mittelrisalites vor allem durch die Lisenen und den Dachaufbau. In der Horizontalen ist der Hauptbaukörper durch umlaufende Gurtgesimse und ein Kranzgesims mit Zahnschnitt gegliedert. Das gartenseitig freistehende Kellergeschoss ist mit Putz-Bandrustika gestaltet und zeigt rundbogige Öffnungen. Die mit einem Schlussstein verzierten Stichbogenfenster der Vollgeschosse und die Rechteckfenster im obersten Bereich der Risalite sind mit Klappläden versehen. Der Haupteingang befindet sich auf dem Niveau der Quellenstrasse an der östlichen Schmalseite und ist über einen Vorplatz zugänglich, der das Flachdach eines Remisenanbaus bildet und mit einem Eisengeländer gesichert ist. Dem Hauseingang vorgelagert ist ein Altan, der sich als Stichbogenportikus mit gefugtem Putzgrund und schlanker Pilastergliederung zeigt und von einem Balkon bekrönt ist. Der Mosaikboden vor der Haustür zeigt ein Schachbrettmuster in grau-braun Tönen. Zwischen dem zierbeschnitzten Türblatt mit Gusseisengitter und dem rundbogigen Oberlicht liegt ein Kämpfer mit Konsolfries.
An den beiden Schmalseiten wird der Hauptbaukörper zum Garten hin von zwei Anbauten flankiert: Im Osten von einer Remise mit drei Rundbogenöffnungen aus Backsteinen in zwei Farben und auf der Westseite von einem Anbau, dessen Unterbau aus rötlichem Sandstein wohl noch aus der Bauzeit stammen könnte, während der obere Teil erst 1955 aufgebaut wurde.
Im Innern des Gebäudes gelangt man vom Haupteingang auf einen Mittelgang, der zu den Zimmern führt. Das Treppenhaus befindet sich in der Nordostecke. Es bewahrt die hölzerne Treppe mit gedrechseltem Staketengeländer und Fischgratparkett auf den Zwischenböden. In einigen Zimmern haben sich Tafelparkettböden sowie die kassettierten Vertäferungen der Fensterlaibungen erhalten. Im Westzimmer des Erdgeschosses befindet sich eine Radiatorverkleidung aus Nussbaumholz. Unter der südlichen Haushälfte liegt ein Gewölbekeller, der parallel zum First ausgerichtet ist.
Der Garten zeigte im ausgehenden 19. Jh. zunächst die Charakteristiken eines Landschaftsgartens mit einer natürlich wirkenden Bepflanzung, geschwungenen Wegen und einer Grotte mit Brunnen. 1926/27 wurde die Parkanlage durch die Gebrüder Mertens umgestaltet und erhielt eine geometrische Formensprache [4].
Anmerkungen:[1] Edith Hunziker, Parzellendossier 1884, 2011, Archiv Kantonale Denkmalpflege Aargau.
[2] Stauffer Rösch Landschaftsarchitekten (Verfasser: Beat Rösch), Roniger Park Rheinfelden. Entwicklungsleitbild zum Gestaltungsplan (Stand 06.01.2023), S. 8.
[3] Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuche von 1916; 1954; 1955; 1984; 1987; 2011.
[4] Stauffer Rösch Landschaftsarchitekten (Verfasser: Beat Rösch), Roniger Park Rheinfelden. Entwicklungsleitbild zum Gestaltungsplan (Stand 06.01.2023), S. 7–8.
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
Literatur:- Edith Hunziker, Peter Hoegger, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 9: Der Bezirk Rheinfelden, Bern 2011. S. 247.
- Edith Hunziker, Parzellendossier 1884, 2011, Archiv Kantonale Denkmalpflege Aargau.
- Stauffer Rösch Landschaftsarchitekten (Verfasser: Beat Rösch), Roniger Park Rheinfelden. Entwicklungsleitbild zum Gestaltungsplan (Stand 06.01.2023).
Quellen:- Staatsarchiv Aargau (StAAG): CA.0001/0570 (1876–1898) Vers.-Nr. 408; CA.0001/0571–0573 (1899–1938) Vers. Nr. 501, Brandkataster Gemeinde Rheinfelden.
- Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuche von 1916; 1954; 1955; 1984; 1987; 2011.
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

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URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142341
 

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