SAK-AAR004 Aarau, Katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul, 1939-1940 (Dossier (Spezialinventare))

Archive plan context


Signatur:SAK-AAR004
Signatur Archivplan:SAK-AAR004
Titel:Aarau, Katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul
Ansichtsbild:
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Bezirk:Aarau
Gemeinde:Aarau
Adresse:Poststrasse, Laurenzenvorstadt
Parzellen-Nr.:1082
Grundbuch-Nr.:3054
Koordinate N:1249323
Koordinate E:2646185
Situationsplan (AGIS):http://www.ag.ch/app/agisviewer4/v1/html/agisviewer.htm?config=agis_geoportal_fs.json&thema=185&scale=5000&basemap=base_landeskarten_sw&x=2646185&y=1249323
Nutzung (Stufe 1):Sakrale Bauten und Anlagen
Nutzungstyp (Stufe 2):Kirche (röm.-kath.)
Entstehungszeitraum:1939 - 1940
Autorschaft:Werner Studer, Solothurn
Bau- und Nutzungsgeschichte:1803 wird eine katholische Pfarrei in Aarau eingerichtet. Die Gottesdienste finden im Chor der Stadtkirche statt, 1875 wird diese Kirchgemeinde christkatholisch. 1879 findet mit dem Grundstückskauf an der Kasinostrasse ein Neuanfang statt. 1881-82 wird ein neoromanischer Kirchenneubau nach Plänen von Wilhelm von Tugginger, Solothurn, errichtet [2]. 1933 werden zwei Architektenwettbewerbe für die Vergrösserung dieser Kirche bzw. für einen Neubau auf dem gleichen Grundstück ausgelobt. Gewinner ist F. Dumas, Romont. 1937 wird das Feergut samt Gebäude für die katholische Kirchgemeinde erworben [3]. Werner Studer, Solothurn, gewinnt 1937 einen neuen Wettbewerb zum Kirchenbau auf dem Feergut [4]. Adolf Studer und Emil Wessner leiten den Umbau des Feerhauses zum Pfarrhaus [5]. Am 18.8.1940 findet die Weihe der neuen Kirche statt, 1960 werden die Glocken aus der Glockengiesserei Rüetschi, Aarau, aufgehängt [6]. Bei der Renovierung 1985/86 wird der Haupteingang von der strassenseitigen Längsseite zur Giebelseite verlegt, der Laubengang wird auf der Gartenseite ergänzt. Zudem wird die bisher einläufige Treppe mit Mittelpodest zum UG entlang der strassenseitigen Fassade gegen den jetzigen, kreisförmigen Abgang an der Ecke ausgetauscht. Im Inneren wird in diesem Jahrzehnt ein Relief aus Schallschutzgründen an der unbefensterten Obergadenwand angebracht [7]. Nach dem Brand vom 15.11.2004 wird die Kirche durch Andreas Marti und Partner, Aarau, renoviert, wobei die Flankenwände zum Chor entfernt, die Seitenschiffswände mit Holz verkleidet werden und der Eingangsbereich mit Taufkapelle neu geordnet wird.
Beschreibung:Der längliche und strassenparallele Eisenbetonskelettbau mit Backsteinhohlmauerwerk [8] hat einen annähernd basilikalen Querschnitt und einen eingezogenen Chor mit geradem Chorschluss. Ein Säulengang mit Pilzköpfen entlang der Strassenfassade verbindet das Pfarrhaus mit der Kirche und endet am seitlich angebauten Glockenturm. Zwischen den beiden Bauten erstreckt sich ein durch den Säulengang von der Strasse abgetrennter Hof. Der 40m hohe Glockenturm auf rechteckigem Grundriss wird von einem Eisenkreuz bekrönt [9]. Der Turm ist auf seinen beiden Längsseiten mit einem aussermittigen, Durchblick gewährenden Gitter versehen. Die traufständige Kirchenfassade entlang der Strasse ist fensterlos. An den Glockenturm angeschlossen ist ein eingeschossiger Sakristeianbau neben dem Chor der Kirche. In seiner Fassade sitzen drei vierteilige, vergitterte Fenster im Erdgeschoss, darunter befindet sich eine Reihe von sechs Untergeschossfenster. Eine runde Freitreppe erschliesst das Untergeschoss. Die Chorseitenfassade über dem Sakristeianbau zeigt sechs dreibahnige Glasfenster mit horizontalem Abschluss.
Ein qualitätsvolles, doppelflügliges Holzportal mit Steingewände im Säulengang führt ins Innere der Kirche. Der gegenüberliegende Längsfassade der Kirche sitzt auch ein Kirchenportal, zudem ist ihr von aussen ebenfalls ein - allerdings kürzerer - Säulengang vorgelagert. Diese Längswand wird von 28 dreibahnigen "Obergaden"-Glasfenster im Gemeindebereich sowie von sechs tief heruntergezogenen, dreibahnigen Glasfenstern im Chor beherrscht. Die abstrakten Glasfenster sind von G. Scartazzini, Zürich, entworfen und von Mäder & Co., Zürich, 1940 ausgeführt worden. Die Chorrückwand ist eine geschlossene Wandfläche. Die gegenüberliegende Giebelfront wird 1985/86 zur Eingangsfront umgebaut: Ihre seitlichen Rundfenster bleiben erhalten, das grosse, mittige Glasfenster wird durch eine Portalanlage mit Satteldachvordach ersetzt.
Im Inneren zeigt der Bau seinen basilikalen Aufbau: Die schmalen Seitenschiffe ohne eigene Befensterung werden durch Pfeiler vom Mittelschiff abgetrennt. Die Kirchensaaldecke wird durch 19 querspannende Betonschalen gebildet, darüber tragen Bogenbinder das Dach [10]. 2005 wird eine neue und flache Akustikdecke unter die Rippendecke gehängt. Über dem um mehrere Stufen erhöhten Altarbereich hängt das Hochaltarbild von Otto Kälin, Brugg (*1913) [11]. Der Chorbereich wurde bis 2004 durch zwei Chorflankenwände vom Chorschiff abgetrennt [12]. Entfernt wurde 2004 auch die Kanzel mit Evangelistenrelief [13] vor der linken Chorflankenwand und das grossformatige Relief aus den 1980er Jahren, das an der geschlossenen Wandfläche gegenüber den Obergadenfenstern hing. Die Wanddekoration in den Seitenschiffen ist unter der Wandverkleidung von 2005 erhalten [14]. Im rechten Seitenschiff steht eine Madonna des Künstlers Meinrad Burch, Zürich (1897-1978), der auch 1940 den Tabernakel gestaltet hat [15]. Die rechts an den Chor angebaute Sakristei besitzt die originale hölzerne Wandvertäfelung samt Wandschränken mit sorgfältigen Details wie etwa den Bullaugen in den Türen. Von der Sakristei gelangt man über den Vorraum über Treppen ins UG sowie durch einen Zugang im Sockel des Glockenturmes in den längs der Kirche liegenden Säulengang. Unter dem Chor befindet sich im UG der Singsaal, der auch von aussen erschlossen wird.
Die Taufkapelle unter der Empore sowie vis-à-vis zwei "Begegnungsräume" sind bei der Renovierung 2004 neugestaltet mit Glastrennwänden von Hugo Suter, Birrwil (*1943) [16]. Zudem sind die Beichtstühle entfernt und ein neues Gestühl aufgestellt worden. In der Taufkapelle befindet sich ein Rundfenster von Willi Helbling, Brugg (1920), das vor 1976 eingebaut wurde [17]. Die Orgel auf der Empore stammt von der Orgelbauerei Kuhn, Männedorf, und ist aus der Erbauungszeit der Kirche [18]. Das neue liturgische Mobiliar aus Bronze hat der Architekt Andreas Marti 2005 entworfen [19].
Würdigung:Der qualitätsvolle und sorgfältig detaillierte, moderne Kirchenbau des Architekten Werner Studer von 1940 hat einen basilikalen Querschnitt und einen eingezogenen Chor mit geradem Abschluss. Ein Säulengang stellt eine gelungene Verbindung zum Feerhaus aus dem 18. Jahrhundert dar. 1985/86 wird der Haupteingang von der Strassen- zur Hofseite verlegt, die Kirche wird somit über die Längs- statt wie bisher über die Querachse erschlossen. 2005 wird der Bau nach einem Brand renoviert, was nochmals Veränderungen im Raumgefüge mit sich bringt: Die den Chor abtrennenden Seitenwänden werden abgerissen und die Räume unter der Orgelempore neugeordnet. Zudem werden die Oberflächen teilweise erneuert, in der Sakristei haben sich jedoch die originale Wandverkleidung und Einbauschränke erhalten.
Anmerkungen:[1] Im Ordner NBA befindet sich auch ein Grundriss.
[2] Leo Schmid: Aus dem Aarauer Pfarreiarchiv, Broschüre Aarau 1998, S. 10ff.
[3] Ebd., S. 44-45.
[4] Bauschrift zur Einweihung der neuen kath. Kirche St. Peter und Paul in Aarau 18. August 1940, S. 66.
[5] Ebd. 74.
[6] Leo Schmid: Aus dem Aarauer Pfarreiarchiv, Broschüre Aarau 1998, S.52, 54f.
[7] Angaben von Hans Henzmann, Sigrist, Gespräch vom 3.6.2009; Angaben von Urs Meyer, Bauverantwortlicher, Telefonat vom 28.8.2009 und 2.9.2009.
[8] Bauschrift zur Einweihung der neuen kath. Kirche St. Peter und Paul in Aarau 18. August 1940, S.86.
[9] Ebd., S. 92.
[10] Ebd., S. 90.
[11] Angaben von Urs Meyer, Bauverantwortlicher, Telefonat vom 2.9.2009; http://www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx Stand vom 2.9.2009.
[12] Laut dem Architekten eher gegen seinen Willen auf kirchlichen Wunsch (Bauschrift zur Einweihung der neuen kath. Kirche St. Peter und Paul in Aarau 18. August 1940, S. 82).
[13] Reliefs von Minusio, Tessin (ebd., S. 84, kein Eintrag bei Sikart Stand vom 2.9.2009).
[14] Angaben von Hans Henzmann, Siegrist, Gespräch vom 3.6.2009.
[15] Angaben von Urs Meyer, Bauverantwortlicher, Telefonat vom 2.9.2009; http://www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx Stand vom 2.9.2009.
[16] Peter und Paul in neuem Glanz, in: A(agauer) Z(eitung) Aarau 15.12.2005, S. 6,7; http://www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx Stand vom 11.8.2009.
[17] Angaben von Thomas Jenelten-Iff, Gemeindeleiter, Telefonat vom 25.8.2009; http://www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx Stand vom 2.9.2009.
[18] Bauschrift zur Einweihung der neuen kath. Kirche St. Peter und Paul in Aarau 18. August 1940, S. 100-101.
[19] Angaben von Hans Henzmann, Sigrist, Gespräch vom 3.6.2009.
Literatur:- Kunstführer Bd.1, S. 24-25
- Neues Bauen im Kanton Aarau 1920-1940, S. 104-105 [1]
- Wettbewerb für eine katholische Kirche Aarau, in: Schweizerische Bauzeitung 26.2.1938, S. 104-105
- Entschiedene Wettbewerbe, in: Das Werk, Vol. 25 (1938), S. 12
- Bauschrift zur Einweihung der neuen kath. Kirche St. Peter und Paul in Aarau 18. August 1940
- Leo Schmid: Aus dem Aarauer Pfarreiarchiv, Broschüre Aarau 1998
- Peter und Paul in neuem Glanz, in: A(agauer) Z(eitung) Aarau 15.12.2005, S. 6,7
- "Erlebnis, das sie Gläubigen prägen wird", in: Aagauer Zeitung 19.12.2005
Reproduktionsbestimmungen:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
Standort:Archiv Denkmalpflege
Behältnis:Behmen 2, Bachstrasse 15, 5001 Aarau
Verzeichnungsstufe:Dossier (Spezialinventare)
 

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DSI-AAR127 Röm.-kath. Pfarrkirche St. Peter und Paul, 1939-1940 (Dossier (Denkmalschutzinventar))
 

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