INV-REI923 Villa "Sonnenheim", 1899 (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context


Identifikation

Signatur:INV-REI923
Signatur Archivplan:REI923
Titel:Villa "Sonnenheim"
Ansichtsbild:
1/2
Bildlegende:Ansicht von Süden (2011)
Bezirk:Kulm
Gemeinde:Reinach (AG)
Adresse:Hauptstrasse 12
Versicherungs-Nr.:571
Parzellen-Nr.:1593
Koordinate E:2656190
Koordinate N:1234214
Situationsplan (AGIS):http://www.ag.ch/app/agisviewer4/v1/html/agisviewer.htm?config=agis_geoportal_fs.json&thema=185&scale=5000&basemap=base_landeskarten_sw&x=2656190&y=1234214

Chronologie

Entstehungszeitraum:1899
Grundlage Datierung:Literatur

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Einzelobjekt
Nutzung (Stufe 1):Profane Wohnbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Repräsentatives Wohnhaus, Villa

Dokumentation

Inschriften:"Sonnenheim" (Windfang)
Würdigung:Spätklassizistisch geprägte Villa mit einzelnen Neubarock- und Heimatstilelementen von 1899, die von ihrer ursprünglichen Ausstattung mehrere kostbare Fenster mit Bleifassungen sowie farbigen Glasmalereien und Wappenscheiben bewahrt. Der für den Zigarrenfabrikanten Arthur Hediger-Tobler errichtet Bau ist der erste von drei herrschaftlichen Wohnsitzen, die in kurzer Entfernung von der weiter nördlich gelegenen Fabrik "Hediger und Söhne" für die untereinander verwandten Eigentümer des damals grössten Tabakunternehmens in Reinach entstanden. Mit ihren parkähnlichen Gartenanlagen, welche von kunstvollen Schmiedeeisenzäunen umfriedet werden und ihren Charakter durch Baumpflanzungen sowie zeittypische Nebengebäude weitgehend bewahrt haben, bilden sie ein ortsbildprägendes Ensemble von künstlerischem, lokal- und industriegeschichtlichem Wert.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Die Villa „Sonnenheim“ wurde 1899 für den Zigarrenfabrikanten Alfred Hediger-Tobler erbaut [1]. Sie gehört zu einer Gruppe von drei herrschaftlichen Wohnhäusern, welche um 1900 für verschiedene Miteigentümern der Zigarrenfabrik "Hediger & Söhne" entstanden. Alle drei Villen sind südlich des Fabrikareals entlang der Hauptstrasse aufgereiht und dürften vom Reinacher Baugeschäft Giger ausgeführt worden sein [2]. Laut Brandlagerbuch umfasste das Gebäude neben dem Standerker im Erdgeschoss von Anfang auch eine "Veranda", die dem bestehenden eingeschossigen West-Vorbau mit Altan entsprechen dürfte. An Baumaterialien ist eine breite Palette aufgeführt: Bruch- und Backstein für die Mauern, Schiefer, Blech, Stein und Asphalt für die Bedachungen.

Die äusserlich intakte Villa wurde vor kurzem renoviert. Im Innern erfuhr sie bereits ab 1931 durchgreifende Veränderungen, so dass sie mit Ausnahme einiger farbiger Glasfenster fast keine bauzeitlichen Bauteile mehr bewahrt [3]. Die neue Gestaltung Vorplatzes und der Wege mit weissen Kieseln wirkt etwas artifiziell und entspricht nicht der romantischen Auffassung, die der Gartenanlage ursprünglich zugrunde lag. Die südwestliche Ecke wird heute von einem gross dimensionierten offenen Autounterstand eingenommen.
Beschreibung:Die Villa "Sonnenheim" ist spätklassizistisch geprägt und zeigt in den Detailformen Einflüsse des Neubarocks und Heimatstils. Der zweigeschossige, kubische Mauerbau trägt ein knappes, schwach geneigtes Walmdach mit Schiefereindeckung, das mit einem kräftigen, reich profilierten Kranzgesims zu den Fassaden überleitet. Diese weisen auf allen Seiten eine axiale Gliederung mit drei hohen Rechtecklichtern auf. Zur Pfistergasse im Süden und zur Hauptstrasse im Osten ist die mittlere Achse jeweils als Risalit ausgebildet und im Obergeschoss durch gekuppelte Fenster bzw. ein Fenster und eine Rundnische akzentuiert. Das Erdgeschoss weitet sich an der zur Pfistergasse gelegenen Südseite zu einem polygonalen Haustein-Erker mit kräftig profiliertem Sohlbank- und Kranzgesims, während sich auf der Ostseite ein grosszügig befensterter Vorbau mit Pilastergliederung und profiliertem Gebälk über fast die ganze Breite erstreckt. Im Unterschied zum östlichen Mittelrisalit durchschneidet der südliche die Traufe und schliesst als abgewalmter Dachaufbau ab. Ein unter dem Dachgeschossfenster verlaufendes, am Hauptbau weitergeführtes Gurtgesims bindet die Fassadenvorsprünge optisch zurück. Eine weitere horizontale Gliederung des Baukörpers erfolgt durch das farblich abgesetzte, mit Muschelkalkplatten verkleidete Kellergeschoss. Die Fenstergewände, die am Obergeschoss von Kranzgesimsen bekrönt werden und am Treppenhaus konsolenartige Verlängerungen zeigen, sind währenddessen sorgfältig aus Sandstein gefertigt.
Einen neubarocken Akzent setzt die Gestaltung des südseitigen Standerkers mit abgerundeten Fensterformen und üppig mit Blattranken und Voluten verzierten Schmiedeeisengeländer am darüber angelegten Altan. Das Geländer des Altans über dem ostseitigen Vorbau wirkt im Vergleich geometrisch reduziert. In barockisierendem Heimatstil erscheinen insbesondere die durchfensterten Eichentüren am Eingang und vorgelagerten Windfang. Letzterer ist in der Art des Ostvorbaus von Eckpilastern eingefasst, ostseitig in goldenen Lettern mit "Sonnenheim" beschriftet und von beiden Schmalseiten her zugänglich.
Das Innere bewahrt nur wenige Reste des bauzeitlichen Täfers (kleiner Raum im Obergeschoss) und der Bodenbelägen (Fischgratparkett, Linoleum). Vollständig erhalten sind hingegen die bemalten, bleiverglasten Fenster des eingeschossigen Veranda-Vorbaus. Die mehrfach unterteilten Fenster zeigen rahmendes Blattwerk mit Blüten und als zentrale Motive das Wappen der Familie Hediger, das Wappen von Reinach sowie ein Feld mit Eichenlaub. Das ehemals in der Mitte der Ostseite angebrachte Fenster mit dem Wappen der Familie Tobler wird seit der Vermauerung dieses Abschnitts auf dem Dachboden aufbewahrt.
Die grosszügige Gartenanlage bewahrt die originale Einfriedung mit steinernem Sockel, aufwändig gearbeiteten Hausteinpfosten und neubarockem Schmiedeeisenzaun. Darin befinden sich ein ehemaliges, zum Einfamilienhaus umgebautes Holz- und Waschhaus und ein auf zwei Seiten offener Pavillon mit Kassettendecke, Wandtäfer, Eckkästchen und farbigen Glasscheiben. Von der ursprünglichen Gestaltung haben sich einzelne Bäume und Sträucher sowie im Norden ein halbkreisförmig gemauerter Teich mit Grottenelementen erhalten.
Anmerkungen:[1] Steiner 1995, S.642 (Vers.Nr. 571). - Brandkataster
[2] Mit Sicherheit lieferte Hans Giger die Pläne für die Villa "Beata" (Bauinventarobjekt REI922), die 1900-01 im Auftrag von Arthur Hediger und seiner Ehefrau Emma Giger, der Schwester von Hans Giger, gebaut wurde. Für Flora Giger und ihren Ehemann Berthold Hediger wurde die Villa „Flora“, Hauptstr.14 erbaut, vgl. Steiner 1995, S.642 (Vers.Nr. 585).
[3] 1931 wurde die Versicherungssumme von Fr. 35'700 auf 52'000 erhöht, vgl. Staatsarchiv Aargau, CA.0001/0261-0264: Brandkataster Gemeinde Reinach 1850-1938.
Erwähnung in anderen Inventaren:- ICOMOS Liste historischer Gärten und Anlagen der Schweiz, Kanton Aargau, Reinach 4141-15.
- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), regionale Bedeutung.
- Kunstführer durch die Schweiz, Bd. 1, hg. v. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2005, S. 51.
Literatur:- Andreas Steigmeier, Blauer Dunst. Zigarren aus der Schweiz gestern und heute, Baden 2002.
- Peter Steiner, Reinach. 1000 Jahre Geschichte, Reinach 1995, S. 404-407, S. 642 (Vers.Nr. 571).
Quellen:- Staatsarchiv Aargau, CA.0001/0261-0264: Brandkataster Gemeinde Reinach 1850-1938.
Reproduktionsbestimmungen:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

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URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=121965
 

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