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Kantonales Kulturkonzept

Das kantonale Kulturkonzept ist ein zentrales strategisches Instrument für die Kulturpolitik der kommenden Jahre. Es beinhaltet Grundsätze und Ziele für die Kulturförderung, Kulturpflege und Kulturvermittlung von 2017–2022 und formuliert konkrete Massnahmen.

Das kantonale Kulturkonzept wurde am 21. Dezember 2016 vom Regierungsrat gutgeheissen. Im Februar 2017 wurde es dem Grossen Rat zur Information unterbreitet.

Zweck

Das kantonale Kulturkonzept

  • formuliert konkrete Ziele für die kantonale Kulturpolitik 2017–2022, setzt Prioritäten und formuliert mögliche Massnahmen;
  • nimmt die Kulturlandschaft Aargau als Ganzes in den Blick. Im Vordergrund stehen daher nicht die kantonalen Kulturinstitutionen/Fachstellen und ihre Aufgaben, sondern ihr Zusammenwirken mit den Kulturakteuren auf allen Ebenen, seien es Kulturschaffende, Gemeinden, Städte und Regionen, Kulturinstitutionen, -kommissionen, -veranstalter und -vereine;
  • schafft gegenüber Behörden und Kulturakteuren im Kanton Transparenz über die Richtung der kantonalen Kulturtätigkeit;
  • dient als Grundlage für den zielgerichteten und wirkungsorientierten Einsatz der finanziellen Mittel des Kantons. Eine wichtige Rolle bei der Umsetzung von Projekten und Anschubfinanzierungen fällt dem Swisslos-Fonds zu. Es geht also nicht nur um einen wirkungsvollen Einsatz der Mittel aus der ordentlichen Staatsrechnung für die gesetzlich festgelegten Aufgaben (Kernbereich öffentlicher Aufgaben), sondern ebenso um jene im Nicht-Kernbereich öffentlicher Aufgaben.

Ziele 2017–2022

Den kulturpolitischen Zielen für die Jahre 2017 bis 2022 übergeordnet bleiben die langfristigen Ziele der Kulturförderung, -pflege und -vermittlung, wie sie in Verfassung und im Kulturgesetz vom 31. März 2009 festgelegt sind. Sie dienen dazu, vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen die Zwecke des Kulturgesetzes mit den vorhandenen Mitteln bestmöglich zu erfüllen.

Kooperationen stärken

Durch Bündelung der Kräfte lassen sich grössere Vorhaben realisieren und kulturelle Ausrufezeichen setzen, die für einzelne Akteure nicht möglich sind. Kooperationsprojekte sind anspruchsvoll und binden Ressourcen. Voraussetzung für neue Kooperationen ist deshalb, dass die Kulturinstitutionen über genügend Mittel für die Erfüllung ihres Kernauftrags verfügen. Kooperationen sind vor allem dann sinnvoll, wenn sie über den Synergiegewinn hinaus einen zusätzlichen Mehrwert bringen. Dieser Mehrwert manifestiert sich in mehrfacher Hinsicht: Kooperationen in Konstellationen ausserhalb der eigenen Sparte regen dazu an, über den eigenen Zaun zu blicken und neue Wege zu beschreiten. In Kooperationen entstehen aus der Verbindung von professionellem Kulturschaffen und Laienkultur oder klassischer Kunst und Volkskultur neue kulturelle Ausdrucksformen. Sie haben zudem das Potenzial, verschiedene gesellschaftliche Gruppen zusammenzubringen sowie den Erfahrungs- und Wissensaustausch anzuregen. So entstehen nicht nur neue kulturelle Angebote, diese können auch finanziell breiter abgestützt und mit vereinten Kräften wirkungsvoller vermarktet werden.

Kulturelle Teilhabe stärken

Die kulturelle Teilhabe unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen ist ein zentrales Element des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Eine wichtige Basis sind die zahlreichen, in der lokalen Bevölkerung gut verankerten Vereine und Interessensgruppen, die die traditionelle Kultur pflegen. Die Kulturvermittlung, besonders jene für ein junges Publikum, ist bereits heute ein Markenzeichen des Kantons. Über praktische Erfahrung verfügt der Kanton zudem bei der Freiwilligenarbeit (Museum Aargau). Die vorhandene Basis soll dazu genutzt werden, unterschiedliche Bevölkerungsgruppen noch vermehrt am Kulturleben teilhaben zu lassen, Begegnungen zu ermöglichen und den Austausch anzuregen. Gleichzeitig soll in der Kulturförderung das kulturelle Potenzial der zugewanderten Bevölkerung stärker aktiviert und sichtbar gemacht werden. Der Kanton kann hier seine eigenen Programme gezielt erweitern und neue Modelle zur Stärkung der kulturellen Teilhabe entwickeln. Er kann darüber hinaus in der Kulturförderung Anreize für Aktivitäten von Gemeinden, Kulturvereinen und nicht-kantonalen Kulturinstitutionen setzen. Wichtige Partner für integrierende Angebote sind auch gemeinnützige Organisationen und Bildungsinstitutionen.

Potenziale aktivieren

Die kantonalen Institutionen, das Aargauer Kuratorium und die kulturellen Leuchttürme sind Ankerpunkte der kulturellen Identität im Kanton, gleichzeitig strahlen sie über den Kanton hinaus und prägen die Aussenwahrnehmung des Kulturkantons Aargau. Diese Stärken gilt es weiterhin zu pflegen. Darüber hinaus verfügt der Kanton jedoch über weitere Kulturthemen mit Alleinstellungsmerkmal, deren Potenzial bisher noch kaum oder ungenügend aktiviert wurde. Dazu gehören die lebendige Theater- und Tanzszene, die im ganzen Kanton lokali sierte Industriekultur und das national einzigartige jüdische Kulturerbe im Surbtal.

Innovation den Boden bereiten

Zeitgenössisches Kunstschaffen, das sich auf unbekanntes Terrain wagt, gewohnte Sichtweisen durchbricht und Bekanntes in neuen, überraschenden Zusammenhängen denkt, bildet den Nährboden für künstlerische Entwicklungen, die längerfristig auch von einem breiten Publikum wahrgenommen werden. Gerade dieser Bereich steht heute unter Rechtfertigungsdruck. Deshalb ist die Unterstützung künstler ischer und allgemein kultureller Aktivitäten, die wenig publikumswirksam und kommerziell schlecht verwertbar sind, eine der zentralen Aufgaben der staatlichen Kulturförderung. Das Aargauer Kuratorium verfügt über geeignete Instrumente, diesem Bereich Sorge zu tragen. Voraussetzung für eine Förderung ist, dass Qualitätskriterien des Kuratoriums erfüllt werden. Neben der angestammten Förderung (Werk-, Programm- und Projektbeiträge, Atelieraufenthalte usw.) gilt es, weitere direkte und indirekte Unterstützungsformen in die Wege zu leiten, die geeignet sind, die Rahmenbedingungen zu verbessern und den Aargau besonders für junge Kulturschaffende attraktiver zu machen. Die kantonalen Kulturinstitutionen müssen ihrerseits innovativ bleiben und neue Wege beschreiten. Sie sollen Orte sein, wo der gewohnte Blick auf Geschichte und Gegenwart durch neue Perspektiven hinterfragt und erweitert wird, wo pionierhafte Vermittlungs formen erprobt und weiterentwickelt werden.

Der Kultur Gehör verschaffen

In der täglichen Flut von Informationen hat die Kultur einen schweren Stand, in ihrer Bedeutung für die Gesellschaft und mit ihren Leistungen wahrgenommen zu werden. In der Tagespresse, in TV und Radio, die immer noch eine wichtige Informationsquelle darstellen, fristet sie zunehmend ein Randdasein. Sie muss deshalb neue Wege finden, um sich vermehrt Gehör zu verschaffen. Dies soll auf verschiedenen Ebenen geschehen: Die Informationen über kulturelle Angebote und Entwicklungen sind gegenwärtig im Kanton verzettelt und erreichen vornehmlich die ohnehin kulturaffine Bevölkerung. Die Informationskanäle sollen deshalb optimiert und konzentriert werden. In der Öffentlichkeit sollen die Bedeutung der Kultur für den Standort Aargau und ihre Leistungen ins Licht gerückt werden. Schliesslich sollen Wege gesucht werden, das Engagement privater Geldgeber zu aktivieren. Es gibt im Aargau private Mäzene, die sich um die Kultur vor bildhaft verdient machen. Aber im Vergleich mit anderen Kantonen ist das Mäzenatentum im Aargau schwach ausgebildet. Hier gilt es, nach den Gründen zu suchen und bei der privaten Kulturförderung neue Wege zu beschreiten.

Resultate

Die Studie von Interface bestätigt den ersten Eindruck, dass es hinsichtlich der Kulturförderung durch Private in den Kantonen Aargau und Bern Optimierungspotential gibt und formuliert Massnahmen zur Steigerung der Kulturförderung durch Private.

Studie Private Kulturförderung in den Kantonen Aargau und Bern (PDF, 65 Seiten, 494 KB)

Kulturkonzept 2023-2028

Die derzeitige Erarbeitung des Kulturkonzepts 2023-2028 ist ein Prozess, der sich über einen längeren Zeitraum erstreckt. Dabei werden in einer ersten Phase Grundlagen und Analysen erarbeitet, um die Stossrichtung der kulturpolitischen Entwicklung möglichst effektiv ausrichten zu können. Unter anderem wurde jüngst eine Analyse vorgelegt, welche erstmals die Situation der kantonalen Laienkultur beschreibt.

Rahmenbedingungen für die Umsetzung

Institutionell

Zur Umsetzung der Massnahmen stützt sich der Kanton auf die bisherigen bewährten Strukturen und Instrumente:

  • auf seine Kulturinstitutionen,
  • auf die Kulturförderung durch das Kuratorium und den Swisslos-Fonds
  • sowie die Förderung von nichtkantonalenKulturinstitutionen von überregionaler Bedeutung (Leuchttürme) mit Betriebsbeiträgen.

Für mehrjährige Förderbeiträge schliessen das Kuratorium beziehungsweise die Abteilung Kultur Leistungsvereinbarungen mit den Beitragsempfängern ab. In diesen Fällen lassen sich auf partnerschaftlichem Weg inhaltliche Stossrichtungen festlegen, welche die Zielerreichung fördern.

Darüber hinaus kann die Abteilung Kultur Vernetzungen unter den Kulturakteuren initiieren, mit Partnern aus der Kultur, dem Hochschulbereich oder der Zivilgesellschaft Kooperationsprojekte anstossen und Anreize für die Lancierung von Projekten durch nicht-kantonale Kulturakteure schaffen.


Finanziell

Die Ziele und Massnahmen sind so ausgelegt, dass sie sich mit den im Aufgaben- und Finanzplan vorgesehenen Mitteln in einem kontinuierlichen Prozess realisieren lassen.

Sollten sich die finanziellen Rahmenbedingungen ändern, so stehen mehrere Wege offen, um darauf zu reagieren: durch eine zeitliche Staffelung von Massnahmen, durch Verschiebung oder eine verstärkte Priorisierung neuer Projekte zulasten bisheriger Aktivitäten. Die Massnahmen können unter Berücksichtigung der finanziellen Rahmenbedingungen flexibel ausgestaltet werden, weshalb hier im Einzelnen keine Kosten ausgewiesen werden.

Eine wichtige Rolle bei der Umsetzung wird der Swisslos-Fonds spielen. Er wird zum Zug kommen, wenn es um Projekte und Anschubfinanzierungen ausserhalb des Kernbereichs öffentlicher Aufgaben geht.

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