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Natur. Und wir?

Stapferhaus in Lenzburg – Literatur & Gesellschaft – 5. bis 9. Klasse, Sekundarstufe II

© Stapferhaus

Wir suchen Erholung in der Natur und begeben uns für die Suche nach uns selbst in die Wildnis. Wir verehren das Natürliche und sehnen uns nach unberührten Landschaften. Gleichzeitig suchen wir mit allen Mitteln der Technik nach Lösungen, um winzige Viren, gewaltige Wasser und verheerende Flammen in den Griff zu bekommen. Wir streiten darüber, ob und wie es die Natur zu retten gilt. Aber: Was ist eigentlich Natur? Wie prägt sie mein Leben? Und wem gehört sie?

Der Rundgang stellt den gemeinsamen Dialog und die persönliche Beziehung zur Natur ins Zentrum. Die Schülerinnen und Schüler tauchen von Kopf bis Fuss in eine überraschende Welt ein, richten ihren Kompass neu aus und reden mit, wie sie ihren Umgang mit Natur in Zukunft gestalten möchten.

Workshops zur thematischen Vertiefung sind ab Januar buchbar: www.stapferhaus.ch/natur-schulen

Einführung für Lehrpersonen

Einmal im Monat bietet das Vermittlungsteam des Stapferhauses für Lehrpersonen eine kostenlose Einführung in die Ausstellung NATUR an. Diese ermöglicht einen Einblick in die Ausstellungsinhalte und das Vermittlungskonzept. Anhand von aktuellen Forschungsergebnissen werden Themen wie "Klimaangst" und Nachhaltigkeit behandelt und Möglichkeiten diskutiert, wie der Unterricht mit den Schülerinnen und Schülern gestaltet werden kann.
Daten und Anmeldung: https://stapferhaus.ch/agenda/

Detailinformationen
OrtAusstellung NATUR, Stapferhaus in Lenzburg
DatenAusstellungseröffnung ist am 30. Oktober 2022, nach Vereinbarung
Kosten/Dauer
  • Einführung (15 Minuten): pauschal Fr. 150.– (mit Impulskredit Fr. 75.–)
  • Dialogischer Rundgang (1.5 Stunden): pauschal Fr. 240.– (mit Impulskredit Fr. 120.–)
  • Workshop (3.5 Stunden): pauschal Fr. 400.– (mit Impulskredit Fr. 200.–)
Gruppengrösse1 Schulklasse
KontaktAdministration, Tel. 062 886 62 22, info@stapferhaus.ch
Websitewww.stapferhaus.ch

Interview mit Celia Bachmann

Foto: Anita Affentranger

Celia Bachmann ist beim Stapferhaus zuständig für die Leitung Vermittlung & Inklusion. Im Interview beleuchtet sie die neue Ausstellung "Natur. Und wir?".

Natur ist thematisch in der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) verankert, diese Themen müssen zwingend fächerübergreifend angegangen werden. Der naturwissenschaftliche Zugang ist sicherlich wichtig, aber wollen wir die Zukunft anpacken, müssen wir ganzheitlicher denken.

Celia Bachmann

Welchen neuen Zugang bietet die Ausstellung zur Thematik "Natur" und "Naturzerstörung"?

In der Ausstellung "Natur. Und wir?" geht es nicht in erster Linie um die Naturzerstörung und den Klimawandel. Vielmehr wird unsere Beziehung zur Natur ins Zentrum gestellt, wir beleuchten also den Boden, auf dem die aktuellen Debatten überhaupt entstehen: Was bedeutet uns Natur? Was bezeichnen wir als "Natur"? Gibt es "die Natur" überhaupt?

Je nachdem, welche Werte wir vertreten und welches Bild wir von Natur haben, gehen wir anders mit dem Klimawandel und der Naturzerstörung um. Die Ausstellung bietet den Raum, um sich mit der eigenen Haltung auseinanderzusetzen und sich Gedanken darüber zu machen, wie wir uns ein Leben auf unserem Planeten in Zukunft vorstellen.

Worin liegt das Potential, unserem Verhältnis zur Natur mit künstlerischen Mitteln und digitaler Aufbereitung zu begegnen?

Ausstellungsräume haben das Potential, Menschen auf unterschiedlichen Sinnesebenen abzuholen. In der Ausstellung NATUR versuchen wir unterschiedliche Perspektivenwechsel anzuregen. Wie nimmt ein Fuchs die Umwelt war? Was sind die Bedürfnisse von Hunden? Wie natürlich ist ein Rasenmähroboter? Und wie kommunizieren Pflanzen? Dazu nutzen wir neben künstlerischen Mitteln auch multimediale Techniken, welche dabei helfen, das Thema auf unterschiedliche Weise zu erfahren und so für ein möglichst breites Publikum zugänglich zu machen.

Welche Möglichkeiten bieten sich Schülerinnen und Schülern, sich an der Ausstellung aktiv zu beteiligen und eigene Vorstellungen einzubringen, die ihr Verhältnis zur Natur heute und in der Zukunft betreffen? Was erwartet sich das Stapferhaus von diesem Austausch?

Im Zentrum stehen bei uns die dialogischen Rundgänge. Die Schülerinnen und Schüler werden in unsere Rundgänge involviert, in dem wir ihnen diverse Fragen zu ihrem Alltag stellen. Diese sollen zur eigenen Reflexion anregen.

Studien zeigen auf, dass sich viele Jugendliche um ihre Zukunft Sorgen machen und Angst vor dem Klimawandel haben. Wir möchten in der Ausstellung die Möglichkeit geben, über diese Ängste zu sprechen und sich darüber auszutauschen. Wir möchten aber auch Anregungen geben, umzudenken und die Zukunft in die Hand zu nehmen – damit für die Jugendlichen klar wird, dass ein Nachdenken über die Natur auch ein Nachdenken über uns Menschen und über unser Selbstverständnis als Bewohnerinnen und Bewohner dieser Erde ist.

Wir werden mit den Schülerinnen und Schülern auch die Frage nach der Verantwortung verhandeln: Wer muss jetzt handeln? Jede und jeder Einzelne, die Politik, die Wirtschaft?

Was können Schülerinnen und Schüler bei einem Ausstellungsbesuch über die Natur und sich selbst lernen und inwiefern ist dies auch über die naturwissenschaftlichen Fächer hinaus interessant für die Auseinandersetzung im Schulunterricht?

Natur ist thematisch in der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) verankert, diese Themen müssen zwingend fächerübergreifend angegangen werden. Der naturwissenschaftliche Zugang ist sicherlich wichtig, aber wollen wir die Zukunft anpacken, müssen wir ganzheitlicher denken. Wir müssen verstehen, dass alles mit allem im Zusammenhang steht und dass Natur nicht nur zu den Naturwissenschaften zählt.

Wir müssen verstehen, dass wir selbst Natur sind – beispielsweis als riesiger Lebensraum für unzählige Mikroben. Wir stehen im Austausch mit allem um uns herum. Wir sind als Menschen kein abgeschlossenes System. Sich diesem Umstand bewusst zu werden, ist spannend und wichtig.

Sprechen wir über die Natur, sprechen wir über uns Menschen und unsere Rolle auf diesem Planeten. Diese Fragen sind auch in anderen Schulfächern wichtig zu verhandeln. Nicht nur in den Naturwissenschaften.

Inwiefern ist die Ausstellung auch Anreiz, nach draussen zu gehen und aktiv in und mit der Natur zu gestalten?

"Die" Natur gibt es nicht: Wir stellen in der Ausstellung die Frage, was wir denn überhaupt als Natur bezeichnen. Wo fängt die Natur überhaupt an? Ist die Natur nur draussen? Oder nicht doch überall?

Es geht uns also nicht in erster Linie darum, die Menschen dazu zu bewegen, nach draussen zu gehen. Sondern vielmehr darum, sich die Frage zu stellen, was wir aktuell in der Gesellschaft unter Natur verstehen und ob und inwiefern wir dieses Verständnis verändern müssen, um eine nachhaltigere Zukunft zu leben.