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Dossiers & Projekte

Gymnasium 27+

Lehrperson bespricht mit zwei Schülerinnen Zeichnungen
© Kanton Aargau. Foto: Alex Spichale

Mit dem Projekt Gymnasium 27+ wird der gymnasiale Lehrgang im Aargau erneuert und zukunftsfähig gemacht. Die Basis bilden die neu erarbeiteten Grundlagen der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) und des Bundes.

2018 haben EDK und Bund das gemeinsame Projekt Weiterentwicklung der gymnasialen Maturität (WEGM) lanciert, um den aktuellen gesellschaftlichen, kulturellen und technologischen Entwicklungen gerecht zu werden. Mit der Aktualisierung soll die anerkannte Qualität der gymnasialen Maturität schweizweit gesichert und der prüfungsfreie Zugang zur Universität langfristig sichergestellt werden.

Die schweizweiten Grundlagen für das Gymnasium – das Reglement der EDK über die Anerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen (MAR) und die gleichlautende Verordnung des Bundes (MAV) wurden komplett revidiert und traten am 1. August 2024 in Kraft - gleichzeitig mit dem neuen Rahmenlehrplan der EDK.

Ziele

Das Projekt Gymnasium 27+ verfolgt das Ziel, die bewährten Elemente des Gymnasiums im Aargau zu übernehmen, es aber mit Blick auf die gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen zu aktualisieren und zukunftsfähig auszurichten. Dabei sollen insbesondere Spielräume, also Bereiche, die nicht durch den Bund und die EDK vorgeben werden, innovativ genutzt werden. Dies betrifft vor allem die Struktur des Gymnasiums, die Stundentafeln, die Lehrpläne und die Maturitätsprüfungen.

Inhalte - Teilprojekte

Der neue Rahmenlehrplan der EDK bildet zusammen mit dem MAR und der MAV die Basis für das kantonale Projekt Gymnasium 27+. Das Projekt kann zudem auf weiteren zentralen Grundlagen aufbauen, die im Rahmen des kantonalen Projekts Kanti 22 erarbeitet wurden. Dazu gehören beispielsweise Überlegungen zur Stundentafel oder die zu den Maturprüfungen der Zukunft.

Das kantonale Projekt ist breit abgestützt: Die Schulleitungen und Lehrpersonen übernehmen in den Teilprojekten massgebliche Aufgaben. Zudem werden die Haltungen der wichtigsten Anspruchsgruppen in einer Begleitgruppe abgeholt, zu der Vertretungen der Lehrpersonenverbände, der Schulkommissionen oder der Schülerschaft gehören.

Das Projekt ist aufgeteilt auf drei Teilprojekte:

Struktur, Stundentafeln, Promotionsbedingungen

Im Teilprojekt 1 werden die Struktur, die Stundentafeln und die Promotionsbedingungen für das Gymnasium, den Maturitätslehrgang mit International Baccalaureate (IB) Diploma Programme, das Sportgymnasium an der Alten Kantonsschule Aarau und den Maturitätslehrgang an der Aargauischen Maturitätsschule für Erwachsene erarbeitet und durch den Regierungsrat beschlossen. Zudem werden die nötigen Umsetzungshilfen erarbeitet, und es wird der Entscheid gefällt, ob es weiterhin für jede Schule neben einem kantonalen Rahmenlehrplan einen eigenen schulischen Lehrplan geben wird oder ob künftig nur noch ein Lehrplan für den ganzen Kanton geführt wird.

Ergebnisse

Am 21. Mai 2025 hat der Regierungsrat die neuen Stundentafeln für das Gymnasium, den Maturitätslehrgang für Leistungssportlerinnen und Leistungssportler, den Maturitätslehrgang mit International Baccalaureate (IB) Diploma Programme sowie den Maturitätslehrgang für Erwachsene beschlossen.

Die Dotation der Fächer beträgt neu mindestens zwei Lektionen pro Schuljahr, in der Regel sogar mindestens drei. Auf die Dotation von einer Lektion pro Schuljahr und Fach wird verzichtet. Dies eröffnet in der inhaltlichen Ausgestaltung der Fächer sowie in der schulischen Organisation neue Möglichkeiten und begünstigt neue Lern- und Lehrformate.

Dotation Grundlagenfächer

Die zu Grundlagenfächern aufgewerteten Fächer Wirtschaft und Recht sowie Informatik erhalten eine höhere Dotation. Ebenso wird die Dotation des Fachs Geografie, das neu als Leitfach zur Vermittlung der Bildung für nachhaltige Entwicklung fungiert, angehoben. Im Sprachbereich wird eine moderate Reduktion vorgenommen.

Dotation Schwerpunktfächer

Im Schwerpunktfachbereich, der neu kantonal ausgestaltet werden kann, werden neu folgende Fächer angeboten.

  • Literatur, Sprache und Kultur
  • Informatik und ihre Anwendungen
  • Geschichte und Geografie

Die bisherigen Schwerpunktfächer werden beibehalten:

  • Bildende Kunst (bisher als Bildnerisches Gestalten geführt)
  • Musik mit Instrumentalunterricht
  • Spanisch
  • Biologie und Chemie
  • Mathematik und Physik (bisher als Physik und Anwendungen der Mathematik geführt)
  • Philosophie
  • Pädagogik und Psychologie
  • Wirtschaft und Recht

Dotation Akzentfächer

Im Akzentfachbereich und im Ergänzungsfachbereich werden kantonal standortübergreifende Oberthemen vorgegeben. Die Ausgestaltung und Benennung der einzelnen Angebote werden den Schulen überlassen, wobei die Akzentfächer interdisziplinär auszurichten sind.

Neue Stundentafel Gymnasium Kanton Aargau (PDF, 2 Seiten, 17 KB)

Lehrpläne

Im Rahmen von Teilprojekt 2 werden die Lehrpläne durch Aargauer Lehrpersonen erarbeitet, extern validiert und durch den Regierungsrat beschlossen. Zudem werden die fachlichen Treffpunkte an der Nahtstelle zwischen Bezirksschule und Gymnasium abgestimmt, um die zu erreichenden Kompetenzen abzugleichen.

Ergebnisse

Am 26. August 2026 hat der Regierungsrat die Lehrpläne für das Gymnasium und den Maturitätslehrgang für Erwachsene an der Aargauischen Maturitätsschule für Erwachsene beschlossen.

Kantonaler Lehrplan

Bisher gab es einen kantonalen Rahmenlehrplan für das Gymnasium, der den Rahmen absteckte, und sieben schulische Fachlehrpläne. Mit dem Beschluss liegt für das Gymnasium ein kantonaler Lehrplan vor, der für alle sieben Kantonsschulen gilt. Der neue kantonale Lehrplan gilt neben dem Gymnasium auch für die den Maturitätslehrgang mit International Baccalaureate (IB) Diploma Programme sowie das Sportgymnasium.

Struktur pro Fach

Neben der Stundendotation, den allgemeinen Bildungszielen und den Lerngebieten mit den fachlichen Kompetenzen ist neu der Beitrag jedes Fachs zu den transversalen Unterrichtsbereichen Wissenschaftspropädeutik, Digitalität, Interdisziplinarität, Bildung für Nachhaltige Entwicklung und Politische Bildung ausgewiesen. Der Beitrag zu den überfachlichen Kompetenzen und den basalen fachlichen Kompetenzen für allgemeine Studierfähigkeit wird weiterhin ausgewiesen.

Verschiedene Lehrplanteile

Neben den Lehrplänen für die Grundlagenfächer, die Schwerpunktfächer und das obligatorische Fach Sport enthält der Lehrplan einen kantonalen Lehrplanteil für das Akzentfach und kantonale Rahmenvorgaben für das Ergänzungsfach und die Maturitätsarbeit. Da die Ergänzungsfächer neu durch die Schulen festgelegt werden, werden die entsprechenden Lehrpläne durch die jeweilige Schule erarbeitet.

Maturitätsprüfungen

In Teilprojekt 3 wird die Maturitätsprüfung der Zukunft erarbeitet. Dabei werden die massgeblichen Verordnungsbestimmungen durch den Regierungsrat beschlossen und die Rahmenvorgaben für die Maturitätsprüfungen aktualisiert und durch die Maturitätsprüfungskommission erlassen.

Ergebnisse

Gemäss den eidgenössischen Vorgaben sind die Fächer Deutsch und zweite Landessprache (Französisch oder Italienisch) schriftlich und mündlich zu prüfen. Die Prüfungen in Mathematik und im Schwerpunktfach sind vorgegeben, sie finden im Kanton Aargau weiterhin in schriftlicher wie mündlicher Form statt.

Um die bisher eher sprachlastigen Abschlussprüfungen zu diversifizieren, wird gemäss Beschluss des Regierungsrats neu nach Wahl der Schülerin bzw. des Schülers das Grundlagenfach Physik oder das Grundlagenfach Geschichte schriftlich und mündlich geprüft. Das Fach Physik steht stellvertretend für den Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT), das Fach Geschichte ist zentrales Fach des Bereichs Geistes- und Sozialwissenschaften (GSW), das für die Vermittlung von Politischer Bildung hauptverantwortlich ist. Die Schülerinnen und Schüler können mit dieser Wahl und jener des Schwerpunktfachs der Maturitätsprüfung ihre jeweils eigene Prägung geben.

Die neuen Rahmenvorgaben für die Maturitätsprüfungen werden voraussichtlich bis Ende 2027 durch die Maturitätsprüfungskommission erlassen.

Zeitplan

WannWas
Mai 2025Beschluss neue Struktur des gymnasialen Lehrgangs im Aargau und Erarbeitung der Stundentafeln (Teilprojekt 1)
August 2026Beschluss zu den Lehrplänen des Aargauer Gymnasiums und zu den Bestimmungen zur Promotion und Maturität (Teilprojekt 1 und 2)
Bis Ende 2027Beschluss zu den aktualisierten Rahmenvorgaben für die Maturitätsprüfungen (Teilprojekt 3)
Schuljahr 2027/28Beginn der 1. Klasse Gymnasium nach neuen Vorgaben (einlaufend)
Schuljahr 2030/31Erste Maturität nach neuen Vorgaben