VERAS - Fragen und Antworten
Hier finden sich die wichtigsten Fragen rund um die Verkehrsinfrastruktur-Entwicklung Raum Suhr (VERAS).
Was bedeutet VERAS?
VERAS steht für "Verkehrsinfrastruktur-Entwicklung Raum Suhr". Dabei geht es um die Verbesserung des Verkehrsangebots im Raum Suhr mit dem Schwerpunkt auf dem motorisierten Individualverkehr und dem Fuss- und Veloverkehr. Diese Angebotsentwicklung berücksichtigt die vielfältigen Bedürfnisse des Siedlungs- und Landschaftsraums in der Region.
Für die Angebotsentwicklung im Bereich öffentlicher Verkehr gibt es eigenständige Konzeptionen.
Wieso braucht es VERAS?
Die Siedlungsräume leiden unter dem hohen Verkehrsaufkommen: In Suhr und Gränichen ist das Verkehrssystem überlastet und die Anbindung des Wynentals an die A1 ist ungenügend. Die Wartezeiten an den Bahnübergängen in Suhr sind bereits heute lange. Der Ausbau des Bahnangebots bringt künftig zusätzliche Barriere-Schliessungen mit sich. Die Erreichbarkeit in der gesamten Region ist stark beeinträchtigt. In der Folge sinkt die Zuverlässigkeit der Reisezeiten.
Der grosse Anteil an Durchgangsverkehr von etwa 50 Prozent wirkt sich zudem negativ auf die Lebensqualität (Lärm, Abgase) aus und erschwert die weitere Siedlungsentwicklung der Gemeinde Suhr. Aufgrund der hohen Auslastungen von Strasse und Schiene, der prognostizierten Bevölkerungs- und Verkehrsentwicklung sowie der geplanten Massnahmen im Bahnangebot, ist die Verbesserung der Qualität des Verkehrssystems im Raum Suhr notwendig.
Welche Ziele verfolgt VERAS?
Die Gesamtplanung VERAS mit Zeithorizont 2040 entlastet den Siedlungs- und Wirtschaftsraum vom Durchgangsverkehr. Damit begegnet VERAS den bestehenden verkehrlichen Herausforderungen und erreicht eine städtebauliche Aufwertung. Weiter werden die Anbindung des Wynentals an die A1 und nach Aarau sowie das Velonetz für den lokalen und regionalen Verkehr verbessert.
Die Projektziele lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Entlastung des Siedlungs- und Wirtschaftsraums vom Durchgangsverkehr
- Verbesserung der Anbindung des Wynentals an die Autobahn A1
- Reduktion der Belastung (Emissionen, Verkehr) für die Wohnbevölkerung
- Aufwertung des Velonetzes für den lokalen und regionalen Veloverkehr
- Verbesserung der Verkehrssicherheit an den Bahnübergängen
- Verbesserung der Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte (unter anderem die Entwicklungsschwerpunkte Buchs/Suhr, Wynenfeld sowie Entfelden, Chilefeld, Ausserfeld und Oberentfelden-Süd)
Folgende Randbedingungen werden dabei berücksichtigt:
- Minimierung des Bedarfs an wertvollem Kulturland
- Möglichst geringe Eingriffe in den Landschaftsraum
- Optimale Anbindung VERAS an das bestehende Kantons- und Gemeindestrassennetz
- Berücksichtigung übergeordneter Planungsabsichten von Bahn und Nationalstrasse
Welche Massnahmen sind in VERAS enthalten?
Das Projekt VERAS beinhaltet umfangreiche Verkehrsinfrastruktur-Massnahmen von der Bernstrasse Ost (K235) bis zur Suhrentalstrasse (K108) mit Anschluss Gränicherstrasse (K242) sowie diverse begleitende Massnahmen in den Bereichen Verkehr, Siedlung, Umwelt und Landschaft.
Zentrale Elemente von VERAS sind die neue SBB-Überführung Bernstrasse Ost, der Tunnel Wynematte sowie eine neue Ertüchtigungg der Weltimattstrasse zwischen Gränicherstrasse und Suhrentalstrasse.
Neben einem Infrastrukturausbau für den motorisierten Individualverkehr werden auch Massnahmen für Fuss- und Veloverkehr geplant (vgl. Frage "Was bedeutet VERAS für den Fuss- und Veloverkehr?").
Zudem sind diverse Massnahmen zur Aufwertung von Siedlung, Landschaft und Umwelt vorgesehen (vgl. Frage "Was bedeutet VERAS für den Siedlungsraum?").
Was bedeutet VERAS für den Fuss- und Veloverkehr?
Im Rahmen des Projekts VERAS sind u.a. folgende Massnahmen für den Fuss- und Veloverkehr vorgesehen:
- Im Bereich der Bernstrasse Ost (K235) wird die Unterführung Stockmatte für den Fuss- und Veloverkehr erstellt. Damit kann hier die Kantonsstrasse gesichert unterquert werden und es entsteht eine attraktive Verbindung zwischen Gränichen und der Badi Suhr bzw. dem Gewerbe- und Industriegebiet Wynefeld.
- Mit der neuen Überführung Bernstrasse Ost über die SBB-Gleise wird der Fuss- und Veloverkehr vom motorisierten Individualverkehr getrennt und sicher geführt, davon profitiert auch der Fuss- und Veloverkehr.
- Es entsteht eine zusätzliche attraktive Fuss- und Veloverbindung von Hunzenschwil zur Hinteren Bahnhofstrasse ins Quartier Buhalde in Suhr.
- Beim Knoten Hürdli wird eine niveaufreie Querung für den Fuss- und Veloverkehr über die neue Kantonsstrasse erstellt.
- Der bestehende Veloweg entlang der Weltimatt-Achse bleibt erhalten.
Zusätzlich sind weitere begleitende Massnahmen als Drittprojekte zur Förderung des Fuss- und Veloverkehrs geplant. Ein Beispiel ist die vorgesehene Optimierung der bestehenden Unterführung Möbel Pfister/Meierhof als wichtige Veloroute und gleichzeitige Erschliessung der Bahn-Perrons am Bahnhof Suhr.
Mit dem Mix an Massnahmen aus dem Projekt VERAS und von Drittprojekten entstehen zusätzliche, bessere und sicherere Velo- und Fussverbindungen zwischen den Gemeinden Suhr, Gränichen und Oberentfelden und innerhalb der Gemeinde Suhr. Die Umsetzung dieser Massnahmen ist auch wichtig für die laufende Vorstudie für eine mögliche zukünftige Velovorzugsroute zwischen Aarau und Lenzburg.
Was bedeutet VERAS für den Siedlungsraum?
Dank VERAS kann das Suhrer Entwicklungsgebiet Bahnhof Süd sehr direkt an das leistungsfähige Kantonsstrassennetz angeschlossen werden, womit zusätzliche Fahrten durch die Suhrer Quartiere reduziert werden.
Auch mit der Anbindung des Industriegebiets von Suhr an die neue Kantonsstrasse beim Knoten Hürdli wird der Siedlungsraum spürbar entlastet. Die heute täglich mit etwa 9'000 Fahrzeugen belastete Ringstrasse und der Obertelweg werden für den motorisierten Individualverkehr unterbrochen. Dies bringt eine spürbare Verbesserung für das Quartier Helgenfeld und ermöglicht die Aufwertung des Quartiers.
Die Verlagerung des Durchgangsverkehrs auf die Verkehrsinfrastruktur (VERAS) verbessert gesamthaft die Lebensqualität für die Bevölkerung und erhöht die Aufenthaltsqualität entlang der Kantonsstrassen. Dadurch ergeben sich zusätzliche Chancen für eine weitere attraktive Entwicklung von Suhr als Lebens- und Wirtschaftsraum erhöht.
Von der besseren Anbindung der Gemeinden im Wynental an die A1 profitieren auch die Gemeinden im Seetal und im Suhrental. Sie müssen heute den Ausweichverkehr aufnehmen, der die täglichen Verkehrsüberlastungen in Suhr umfährt. Mit VERAS werden die Kapazitäten geschaffen, dass diese Ausweichrouten nicht mehr notwendig sind.
Was bedeutet VERAS für Umwelt und Landschaft?
Mit VERAS sind Eingriffe in die Landschaft und die Umwelt verbunden, es wurde in der Planung jedoch grosser Wert darauf gelegt, diese möglichst gering zu halten. Durch die vorgesehenen Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen soll sogar ein Beitrag zur Verbesserung der Biodiversität in der Region geleistet werden:
- Das teilweise eingedolte Talbächli wird im Anschlussbereich der Neuen Kantonsstrasse NK240 an die Suhrentalstrasse verlegt und geöffnet. Mit der Verlegung wird die Zerschneidung der landwirtschaftlichen Flächen reduziert und der Hochwasserschutz verbessert.
- Südlich der Autobahn A1 wird der eingedolte Gänstelbach verlegt und geöffnet. Diese Massnahme bringt bezüglich Umwelt und Biodiversität eine deutliche Aufwertung und verbessert ebenfalls den Hochwasserschutz.
- Nördlich der Bernstrasse Ost werden in der Wyna bestehende Hindernisse im Gewässer entfernt. Dies verbessert die Durchgängigkeit für Lebewesen im Gewässer.
- Ein Grünstreifen mit Gehölzen und Kleinstrukturen entlang der beiden neuen Kantonsstrassen fördert die Vernetzung von Kleinlebewesen und optimiert die Einbindung der Strassen in den Landschafts- und Siedlungsraum.
- Ergänzende Massnahmen, wie etwa Kleintierdurchlässe und ein begrünter Streifen auf der neuen Überführung Langmattweg, tragen zusätzlich zur ökologischen Aufwertung bei.
Welchen Stellenwert hat die gestalterische Einbindung von VERAS?
Bei der Ausarbeitung des Projekts VERAS wurde von Beginn an grosser Wert auf eine qualitativ gute Gestaltung der einzelnen Bauwerke und den angrenzenden Räumen gelegt. Mit einem Gestaltungskonzept über den gesamten Streckenabschnitt wurde sichergestellt, dass sich die neuen Infrastrukturbauten bestmöglich in den Landschafts- und Siedlungsraum einfügen.
So wurde beispielsweise für die Tunnelportale verschiedene Varianten hinsichtlich Formgebung und Begrünung der Stützmauern geprüft. Die gewählte Lösung kombiniert begrünte Wände mit schallabsorbierenden Eigenschaften und erfüllt damit sowohl ästhetische als auch funktionale Anforderungen.
Dass die neue Überführung über die SBB-Gleise am Ortsanfang von Suhr ein markantes Bauwerk darstellen wird, war früh absehbar. Um hierfür eine ansprechende Lösung zu finden, wurde ein Ingenieur-Wettbewerb durchgeführt. Das ausgewählte Projekt besticht nicht nur durch seine bautechnische Qualität, sondern auch durch seinen gestalterisch gelungenen Ansatz mit einer eleganten, geschwungenen Linienführung.
Was bedeutet VERAS für die Landwirtschaft?
Das Projekt VERAS beansprucht Fruchtfolgeflächen und führt in einzelnen Bereichen zu einer Zerschneidung bisher zusammenhängender landwirtschaftlich genutzter Flächen. Neben den notwendigen Kompensationsmassnahmen für die beanspruchten Fruchtfolgeflächen wird daher besonderer Wert darauf gelegt, die Bewirtschaftung der verbleibenden Landwirtschaftsflächen möglichst zu sichern und, wo sinnvoll, gezielt zu verbessern. Dies soll durch einzelne Anpassungen des Flurwegnetzes sowie durch eine zweckmässige Arrondierung der Parzellen erreicht werden.
Die mit VERAS beanspruchten Flächen an Kulturland wurde mit Beschluss durch den Grossen Rat auf maximal 3 Hektaren begrenzt. Der darüberliegende Bedarf muss ersetzt werden. VERAS braucht netto gesamthaft etwa 4,6 Hektaren. Für die damit erforderlichen 1,6 Hektaren hat sich der Kanton in Vereinbarungen mit den jeweiligen Grundeigentümern die Rechte gesichert, um diese Potenzialflächen mit geeigneten Massnahmen als Fruchtfolgeflächen aufzuwerten. Die damit verbundenen Kosten sind im Verpflichtungskredit von VERAS berücksichtigt.
Woher kommt der prognostizierte Mehrverkehr?
Die Region Suhr und insbesondere das Suhrer Dorfzentrum sind seit Jahren einem hohen Verkehrsaufkommen und Verkehrsüberlastungen ausgesetzt. Wo der Verkehr herkommt, wurde mit Hilfe von Nummernschilderhebungen und der Auswertung von Daten der Fahrzeugnavigationssysteme analysiert: Einen bedeutenden Anteil macht der Durchgangsverkehr aus dem Wynental sowie der Verkehr in Ost-West-Richtung auf der Bernstrasse aus. Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung entsteht jedoch auch substanzieller Mehrverkehr aus den Gemeinden Suhr, Gränichen und Oberentfelden selber (Ziel-/Quellverkehr).
Wie hat sich der Verkehr in Suhr in den letzten Jahren entwickelt?
Auf der Bernstrasse Ost und der Gränicherstrasse war das Verkehrsaufkommen mit knapp 20'000 Fahrzeugen am Tag in den letzten Jahren weitgehend stabil. Das hat zwei Hauptgründe:
- 1. Der Ausbau des öV-Angebots von SBB und AVA (ehemals WSB) half die erhöhte Mobilitätsnachfrage aufzufangen.
- 2. Die beiden Bahnübergänge in Suhr wirkten wie ein Nadelöhr, das nicht mehr Verkehr zuliess. Dieser wuchs trotzdem an, suchte aber Ausweichrouten. So kam es zu Verlagerungen des Verkehrs aus dem Wynental, der über das Seetal und auch das Wynental einen Weg in Richtung Autobahnanschlüsse A1 suchte.
VERAS nimmt einen erheblichen Teil des Verkehrs von der Bernstrasse Ost und der Gränicherstrasse auf und entlastet so die Siedlungsgebiete. Dies hilft der Entwicklung im Zentrum von Suhr.
Wieso gibt es keinen zusätzlichen Autobahnanschluss?
Im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung wurden für die Verkehrssituation im Raum Suhr über 80 Lösungsvarianten untersucht und die Bestvarianten einer Zweckmässigkeitsbeurteilung unterzogen. Auch die Machbarkeit eines Halb- oder Vollanschlusses an die Autobahn A1 wurde unter Einbezug des Bundesamtes für Strassen (ASTRA) überprüft.
Ein direkter Autobahnanschluss bei der Kantonsstrasse K242 zwischen Gränichen und Suhr wurde verworfen, da dies zu einer deutlichen verkehrlichen Mehrbelastung der Zentren von Suhr und Gränichen führen würde. Ein neuer Anschluss würde so viel zusätzlichen Verkehr anziehen, da die meisten Kreuzungen und Knotenpunkte auf den Zufahrtsachsen nicht mehr ausreichend leistungsfähig sind.
Mit VERAS kann hingegen das Wynental so in Richtung Autobahnanschluss Aarau Ost nach Zürich wie auch Aarau West nach Bern optimal an Nationalstrassennetz angebunden werden. Die Reisezeiten für den motorisierten Verkehr werden so planbarer und verlässlicher.
Sollte nicht besser der öV ausgebaut werden?
In den letzten Jahren wurden mit der Eigentrassierung der WSB zwischen Aarau und Suhr und der Bündelung der Perrons von WSB und SBB im Bahnhof in Suhr deutliche Verbesserungen für den öV bereits realisiert. Ausserdem wurde seit 2010 das öV-Angebot auf der SBB-Achse Zofingen-Lenzburg zum durchgehenden 30-Minuten-Takt verdichtet.
Auch in den nächsten Jahren wird das Bahn- und Busangebot in der Region weiterentwickelt. S-Bahnen und Buslinien werden gemäss dem Mehrjahresprogramm STEP 2030 vor allem am Abend und am Wochenende verdichtet. Neue Buslinien, Taktverdichtungen in den Spitzenzeiten und grössere Transportmittel (zum Beispiel S14 mit 120 Meter langen Zügen) helfen mit, die wachsende öV-Nachfrage im Raum Aarau zu bewältigen.
Neben dem Ausbau des öV-Angebots ist in Oberentfelden mit der Entflechtung der AVA-Linie bereits ein weiteres Grossprojekt in Planung. Mit seiner Umsetzung kann das öV-Angebot erweitert und die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden erhöht werden.
Es braucht den Mix an Massnahmen für den öV, den motorisierten Individualverkehr und den Fuss- und Veloverkehr, um den prognostizierten Mehrverkehr in der Region auch in Zukunft bewältigen zu können.
Was kostet VERAS?
Der Kostenvoranschlag mit einer Genauigkeit von +/- 10 Prozent auf der Basis des Bauprojekts (SIA-Phase 32) beträgt 366 Millionen Franken (inklusive 8,1 Prozent Mehrwertsteuer auf der Preisbasis Juni 2023). Mit dem zusätzlich berücksichtigten Kreditrisiko von 5 Prozent ergibt sich der erforderliche Verpflichtungskredit von 384,33 Millionen Franken.
Wer ist an VERAS finanziell beteiligt?
Der Kostenvoranschlag aus dem Bauprojekt von VERAS bildet die Grundlage für die Aufteilung der Kosten auf Kanton, Bund (Beitrag Agglomerationsprogramm), Gemeinden und Dritten (SBB, AVA, Werke etc.).
- Der Beitrag der Gemeinde Suhr ist mit pauschal 10,28 Millionen Franken vorgesehen. Die Einwohnergemeindeversammlung von Suhr hat diesen Verpflichtungskredit im November 2024 mit deutlicher Mehrheit bewilligt.
- Gränichen hat aufgrund seines grossen Interesses an der Umsetzung von VERAS an der Einwohnergemeindeversammlung im November 2024 einen Solidaritätsbeitrag von zwei Millionen Franken zu Gunsten der Gemeinde Suhr gesprochen.
- Der Bund wird sich im Rahmen des Agglomerationsprogramms der 4. Generation mit einem Betrag von maximal 63,4 Millionen Franken beteiligen (Preisstand Oktober 2020, ohne MwSt. und Teuerung). Im Kostenvoranschlag 2023 und im beantragten Kredit wird dieser Beitrag inklusive MwSt. und hinterlegter Teuerung mit 79,17 Millionen Franken berücksichtigt.
- Dritte wie AVA und ASTRA zahlen 31 Millionen Franken, bzw. 8,1 Prozent.
- Auf den Kanton Aargau entfallen damit für das Projekt VERAS Nettokosten von 263,78 Millionen Franken.
| - () | Millionen Franken | Prozent |
|---|---|---|
| Anteil Gemeinde Suhr | 10,28 | 2,7 % |
| Anteil Bund inklusive Teuerung und MwSt. | 79,17 | 20,6 % |
| Anteil Werke | 28,00 | 7,3 % |
| Anteil Dritte (ASTRA, AVA, SBB) | 3,10 | 0,8 % |
| Anteil Kanton | 263,78 | 68,6 % |
| Gesamtkosten | 384,33 | 100 % |
Welche Kredite müssen für VERAS gesprochen werden?
Aufgrund der gesetzlichen Grundlagen hat der Kanton für VERAS einen Bruttokredit unter Berücksichtigung einer Kreditreserve von 5 Prozent über 384,3 Millionen Franken beim Grossen Rat beantragt. Am 16. Dezember 2025 hat der Grosse Rat diesen Antrag für die Finanzierung von VERAS mit 107 zu 27 Stimmen deutlich angenommen. Aufgrund des mit 37 Stimmen ergriffenen Behördenreferendums untersteht die Vorlage der Volksabstimmung, die am 14. Juni 2026 stattfinden wird.
Die Einwohnergemeindeversammlung von Suhr hat am 21. November 2024 für ihren Gemeindebeitrag an VERAS einen Verpflichtungskredit von 13,80 Millionen Franken mit deutlicher Mehrheit bewilligt. Dieser Kredit musste als Bruttokredit gesprochen werden. Mit dem Kreditantrag wurde der Bevölkerung von Suhr bereits in Aussicht gestellt, dass sich der Gemeindebeitrag um den Suhrer Anteil am erwarteten Bundesbeitrag aus dem Agglomerationsprogramm 4. Generation (3,52 Millionen Franken) reduzieren wird.
Die Gemeinde Gränichen ist nicht beitragspflichtig. Weil aber die Ausstrahlung und der Nutzen von VERAS auch für Gränichen von hoher Bedeutung sind, hat die Einwohnergemeindeversammlung Gränichen am 25. November 2024 einen Solidaritätsbeitrag von 2 Millionen Franken mit deutlicher Mehrheit bewilligt. Dieser Beitrag wird bei einer Umsetzung von VERAS vollumfänglich dem Anteil der Gemeinde Suhr zugeschrieben.
Weshalb ist VERAS teurer als andere Strassenprojekte im Aargau?
Beim Vergleich der Kosten mit anderen Projekten muss genau betrachtet werden, wie die Kosten entstehen. VERAS ist das mit Abstand grösste Strassenbauprojekt im Kanton Aargau. Die Gesamtlänge aller Massnahmen beträgt fast fünf Kilometer und umfasst zahlreiche unterschiedliche Bauwerke.
Der Tunnel Wynematte gehört mit knapp 850 Metern zu den längsten im kantonalen Strassennetz. Sein Bau ist anspruchsvoll, da er teilweise im Grundwasser liegt.
Die neue Überführung Bernstrasse Ost über die SBB-Linie wird die längste Brücke im Kanton Aargau. Während der Bauarbeiten muss der laufende Bahnbetrieb unter Einhaltung hoher Sicherheitsanforderungen jederzeit gewährleistet bleiben.
Auch der Ersatz der Brücke über die Autobahn (Gränicherstrasse) stellt eine grosse bau- und verkehrstechnische Herausforderung dar. Das bestehende Bauwerk muss so ersetzt werden, dass der tägliche Verkehr mit rund 20'000 Fahrzeugen sowie die parallel verlaufende Bahnlinie der AVA weitgehend ohne Unterbruch aufrechterhalten werden können.
Generell betreffen viele Bauarbeiten bestehende Infrastrukturen. Strassen müssen möglichst ohne Unterbrechung funktionsfähig bleiben, was kleine Bauetappen erforderlich macht. Zudem müssen Werkleitungen für Strom-, Gas- und Wasserversorgung an vielen Stellen verlegt werden. Dies ist nur mithilfe zusätzlicher Provisorien möglich und führt dazu, dass die Werkleitungsarbeiten im Vergleich zu anderen Projekten deutlich kostenintensiver sind.
VERAS ist damit nicht nur technisch äusserst komplex, sondern erfordert auch eine Vielzahl kleiner Bauabschnitte.
Beim Vergleich von Kosten von verschiedenen Strassenprojekten muss auch die Teuerung im Bauwesen berücksichtigt werden. Diese war zum Beispiel zu Beginn der 2020er Jahre durch Corona und den Ukrainekrieg ausgesprochen hoch.
Wie beteiligt sich der Bund?
VERAS wurde vom Kanton Aargau beim Bund zur Mitfinanzierung im Rahmen des Agglomerationsprogramms AareLand angemeldet. Hierfür wurde VERAS für die 4. Generation in den Teil Ost und für die 5. Generation in den Teil Süd aufgeteilt.
Am finanziell wesentlich grösseren Abschnitt Ost (angemeldete Kosten von 168,1 Millionen Franken, exklusiv MWST, Preisbasis Oktober 2020) beteiligt sich der Bund im Rahmen des Agglomerationsprogramms 4. Generation mit 63,4 Millionen Franken. Dieser Beitrag wurde mit dem Bundesbeschluss vom 4. Dezember 2023 definitiv zugesichert. Teuerungsbereinigt (auf die Preisbasis des Kostenvorschlags von 2023) und unter Einbezug der MWSt. entspricht dies einem Beitrag des Bundes von 79,17 Millionen Franken. Hiervon profitieren der Kanton Aargau mit 75,65 Millionen Franken und die Gemeinde Suhr mit 3,52 Millionen Franken.
Der Abschnitt Süd von VERAS ist in der Priorität C geführt. Dieser Abschnitt wurde im Rahmen des Agglomerationsprogramms der 5. Generation im Jahr 2024 beim Bund eingereicht. Sollte er auch einen Beitrag aus dem Agglomerationsprogramm 5. Generation an VERAS sprechen, kann die Gemeinde Suhr darin nicht partizipieren. Der Grund ist, dass es im Abschnitt Süd keine Bauelemente gibt, an denen die Gemeinde Suhr sich finanziell beteiligen muss und für die auch der Bund Beiträge spricht.
Was passiert mit der historischen Wynabrücke?
Die bestehende Wynabrücke, ein Baudenkmal des 18. Jahrhunderts, welches im Bundesinventar der historischen Verkehrswege (IVS) aufgeführt ist, bleibt erhalten. Sie bekommt eine neue Funktion, indem sie primär für den Fuss- und Veloverkehr und direkte Anstösser zur Verfügung steht. Der motorisierte Verkehr wird über eine neue, neben der historischen Wynabrücke entstehende Brücke geführt.
Was passiert, wenn VERAS nicht wie geplant umgesetzt wird?
Wenn VERAS nicht realisiert werden kann, bleiben nur noch Lenkungsmassnahmen durch das Verkehrsmanagement in der Region sowie einzelne Optimierungen im bestehenden Kantonsstrassennetz. Ihr Potenzial für eine Verbesserung der Verkehrssituation ist jedoch sehr beschränkt. Ein Verzicht auf VERAS hätte daher folgende Auswirkungen:
- Die Zunahme der Barriereschliesszeiten durch Taktverdichtungen im Personen- und Güterverkehr führt zu weiteren erheblichen Wartezeiten für den Veloverkehr und den motorisierten Verkehr an den beiden SBB-Bahnübergängen. Dies wird durch die Bevölkerungszunahme und die damit einhergehende Verkehrsentwicklung im Raum Suhr und im Wynental zusätzlich verschärft. Die Funktionsfähigkeit der Verkehrsanlage zu den Hauptverkehrszeiten könnte in Zukunft nicht mehr gewährleistet werden.
- Die Belastung für das Siedlungsgebiet und das Zentrum von Suhr wird durch die Zunahme des motorisierten Verkehrs noch stärker als heute spürbar. Die Ausdehnung der Spitzenzeiten mit sehr hoher Verkehrsbelastung führt zu längeren Durchfahrtszeiten durch den Siedlungsraum. Tagsüber wird die Aufenthaltsqualität entlang der Kantonsstrassen stark beeinträchtigt, gerade auch dort, wo Fussgängerfrequenzen für Geschäfte und Gewerbebetriebe wichtig sind. Lärmbeeinträchtigungen und die Trennwirkung im Siedlungsraum von Suhr durch den starken Verkehr werden zunehmen.
- Mit der höheren Belastung auf dem Kantonsstrassennetz (Bernstrasse Ost und West, Tramstrasse und Gränicherstrasse) nimmt der lokale Ausweichverkehr in die Quartiere und der regionale über das Seetal und das Suhrental zu.
- Für das Zentrum von Suhr und das Wynental ab Gränichen ist die gute Erreichbarkeit als Wirtschaftsraum wie auch als Arbeits- und Wohnort von enormer Bedeutung. Diese Erreichbarkeit wird bei einem Verzicht auf VERAS massiv beeinträchtigt. Dadurch verlieren Suhr und das Wynental an Standortattraktivität und Konkurrenzfähigkeit im Vergleich zu anderen Wirtschaftszentren.
Für umfassende neue Lösungen, zum Beispiel zur Verbesserung der Verkehrssituationen an den Bahnübergängen oder auch die Erschliessbarkeit und Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte müssten der Kanton und die Gemeinde zurück auf Feld Eins. Die negativen Auswirkungen auf das Siedlungsgebiet in Gränichen und Suhr wären bedeutsam. Die Umsetzung von Massnahmen in den nächsten zehn Jahren ist damit nicht realistisch.
Dazu kommt, dass für die Anbindung des Entwicklungsgebiets Bahnhof Süd an die Bernstrasse Ost (im Bereich des heutigen Bahnübergangs) die Gemeinde Suhr auf eine Lösung angewiesen ist. VERAS ermöglicht der Gemeinde hier Synergien zu nutzen und von den Bundesgeldern aus dem Agglomerationsprogramm zu profitieren. Bei einem Nein zu VERAS, könnten diese Bundesmittel nicht beansprucht werden.
Was ist der Projektstand?
Zurzeit befindet sich VERAS in der Vorbereitung für die Projektauflage. Wenn die Kreditvorlage durch das Aargauer Stimmvolk am 14. Juni 2026 angenommen wird und die Finanzierung von VERAS rechtskräftig ist, wird das Auflagedossier fertig erstellt. Ende 2026 ist die öffentliche Projektauflage vorgesehen.
Details zum aktuellen Projektfortschritt sind auf der Projektwebseite aufgeschaltet.
Was sind die nächsten Schritte?
Mit der öffentlichen Projektauflage beginnt der Bewilligungsverfahren für das Projekt VERAS. Hierfür müssen allfällige Einwendungen gegen das Projekt behandelt werden, so dass anschliessend das Projekt durch den Regierungsrat bewilligt werden kann. Gegen diesen Entscheid gibt es dann die Möglichkeit für weitere Rechtsmittel.
Die Bewilligung des Regierungsrates für das Projekt VERAS ist auch die Basis um die abschliessenden Verhandlungen mit den konkret vom Vorhaben betroffenen Grundeigentümern zu führen.
Erst mit dem abgeschlossenen Landerwerb ist der Baubeginn möglich. Parallel zum Bewilligungsprozess werden die Planungsbüros die Ausführungsplanung sowie die Ausschreibung der verschiedenen Bauarbeiten vorbereiten.
Der Spatenstich ist gemäss aktueller Planung 2028 vorgesehen.
Details zum aktuellen Projektfortschritt sind auf der Projektwebseite aufgeschaltet.