Der Landwirt Gummi lebt mit drei Tieren: einem Haustier, einem Nutztier und einem Sehnsuchtstier. Der Alltag ist nicht immer unbeschwert. Rexli will nicht gestreichelt werden, Liselott muss stundenlang Milch und Wolle geben. Und der Blaue frisst Gummi einfach, wenn er ihm zu nahekommt. Eines Tages muss Gummi entscheiden, welches der Tiere sterben soll. Also wendet er sich ihnen noch einmal zu und beginnt, sie mit anderen Augen zu sehen.
Mit wenig Text erzählt das Stück von Beziehungen zwischen Menschen und anderen Tieren. Auf der Bühne verwandeln sich Gegenstände in Körper und Landschaften. Es entstehen Bilder von Nähe und Abstand, Fürsorge und Besitz, Faszination und Gefahr. Dabei tauchen Fragen auf nach Fleischkonsum, Haustierhaltung oder der Romantisierung von Wild- und Zootieren – mit viel Platz für eigene Gedanken.
Details
Dauer
ca. 70 Minuten
Sprache
wenig Sprache, Stimmen aus dem Off in verschiedenen Sprachen, hauptsächlich Schweizerdeutsch
Am Roten Teppich werden die theatralen Formen und Materialien, die im Stück vorkommen, vorgestellt, und die Themen des Stückes werden diskutiert. Hintergrundinformationen zur Produktion des Stücks und Ideen zur Vor- und Nachbereitung des Theaterbesuchs werden zur Verfügung gestellt.
ThiK Theater im Kornhaus Baden – Dienstag, 13. Oktober 2026 – 18:00 Uhr
Theaterpädagogisches Begleitmaterial folgt später hier als Download.
Hintergrundbericht zum Stück "Gummi mit der Axt"
Der Dramaturg Andreas Wirz verrät mehr über das Theaterstück "Gummi mit der Axt", eine Produktion des Vereins raumraum unter der Leitung von Regisseurin Cornelia Zierhofer.
Auf der Bühne ein Gatter, eine Stalllampe, ein Spaltstock und darin eine Axt. Im Gatter liegen drei Tiere: Liselott, Rexli und der Blaue. Neben ihnen steht ein Landwirt in Gummistiefeln, einen schweren Kessel in der Hand und den Kopf voller Fragen.
So kann man sich einen Moment aus dem Theaterstück "Gummi mit der Axt" vorstellen, das am 24. Oktober 2026 im Theater im Kornhaus (ThiK) Baden Premiere feiert. Ausgehend von einer fiktiven Geschichte auf einem Bauernhof untersucht das Stück, wie Menschen mit Tieren zusammenleben und welche Widersprüche dabei entstehen. Das Stück richtet sich an Erwachsene und Kinder ab 8 Jahren und ist eine Produktion des Vereins raumraum unter der Leitung von Regisseurin Cornelia Zierhofer.
Bilder zum Nachdenken
Im Zentrum steht der Landwirt Gummi, gespielt von Dominik Baumann. Oft begegnet er seinen Tieren mit Fürsorge und Neugier. Gleichzeitig drückt ihm die Gesellschaft sprichwörtlich eine Axt in die Hand: Als klar wird, dass er eines der drei Tiere töten muss, widmet er sich jedem einzelnen noch einmal besonders intensiv. Dabei entstehen verspielte, absurde und teilweise irritierende Bilder. Mit wenig Sprache versucht Gummi, den Tieren näherzukommen, ihre Perspektive einzunehmen oder sich ihnen ähnlich zu machen. Doch warum behandelt er Liselott anders als Rexli? Warum fasziniert ihn der Blaue, obwohl er gefährlich werden kann? Und ist Gummi selbst nicht auch ein Tier?
Ausgehend von einer fiktiven Geschichte auf einem Bauernhof untersucht das Stück, wie Menschen mit Tieren zusammenleben und welche Widersprüche dabei entstehen.
Mehrjährige Recherche
Die Idee zum Stück entstand aus einer mehrjährigen Recherche von Cornelia Zierhofer. Ihr Interesse an landwirtschaftlicher Tierhaltung begann bereits in der Jugend während Landdiensteinsätzen. Prägend war auch ein Austauschjahr in Neuseeland, wo Mitschülerinnen und Mitschüler stolz Fotos von erlegten Tieren zeigten, während sie tote Tiere vor allem als abgepacktes Fleisch aus dem Supermarkt kannte. Aus Begegnungen auf Bauernhöfen, Gesprächen mit Schlachthofmitarbeitenden und Schulbesuchen entwickelte sich die Frage, warum unsere Beziehung zu Tieren zugleich von romantisierten Bildern und Verdrängung geprägt ist.
Kinderstimmen laden zum Philosophieren ein
Begleitet wird das Stück von Audioaufnahmen, in denen Schulkinder von bleibenden Erinnerungen mit Tieren erzählen. In kurzen Episoden über Freundschaft, Angst, Freude, Bewunderung und Tod erweitern sie Gummis Geschichte um eine philosophische Ebene. Viele dieser Geschichten entstanden gemeinsam mit einer fünften Klasse aus Zürich, die das Theaterteam mehrmals besucht hat. Dabei zeigte sich, wie präsent Themen wie Konsum, Verantwortung und Mensch-Tier-Beziehungen im Alltag der Kinder sind.
Was dabei herausgekommen ist? Auf jeden Fall eine Einladung, sich seine eigenen Gedanken und Assoziationen zu machen.
Text: Andreas Wirz
Hinweis:Andreas Wirz (Dramaturgie)
Andreas Wirz wuchs in Basel auf und absolvierte den Bachelor-Studiengang Dramaturgie an der Zürcher Hochschule der Künste sowie die Ausbildung zum Primarlehrer. Er arbeitet als Dramaturg, Musiker und Kulturvermittler in der freien Szene und unterrichtet auf der Unter- und Mittelstufe. Als Dramaturg begleitete er u.a. Projekte am Theater Stadelhofen, Theater Winkelwiese, Kulturmarkt, an der Gessnerallee und der Roten Fabrik.
Hinweis:Cornelia Zierhofer (Regie)
Cornelia Zierhofer absolvierte ihre Schulzeit im Aargau, den Niederlanden und Neuseeland und studierte an der Zürcher Hochschule der Künste Szenografie und Theaterpädagogik. Ihre Arbeiten umfassen u.a. Zusammenarbeiten mit dem Zoologischen Museum Zürich, dem Nationalpark Museum Zernez, dem Mühlerama Tiefenbrunnen sowie zahlreiche Bühnen- und Kostümbilder an Theaterinstitutionen. Ihre Stücke wurden für diverse Nachwuchspreise ausgewählt, so auch "Gummi mit der Axt", das für den Theaterwettbewerb PREMIO 2025 selektiert wurde.