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DigiProject

Re-MIX

Symbolbild DigiProject
© Fachstelle Kulturvermittlung

In "Re-MIX" trafen zwei Kultursparten aufeinander: Ausgewählte Animationsfilmschaffende belebten Werke im Kontext der Ausstellung "Schau, wie der Gletscher schwindet" des Aargauer Kunsthauses. Die Kurzanimationen erschienen mithilfe von Augmented Reality direkt auf den Kunstwerken.

Projektbeschreibung

Ein Tablet auf ein Kunstwerk des Künstlers Max Matter gerichtet
Mit Genehmigung des Künstlers © Max Matter, Foto: ullmann.photography

Beim interdisziplinären Kooperationsprojekt Re-MIX des Aargauer Kunsthauses mit Fantoche, Internationales Festival für Animationsfilm in Baden, setzte sich eine andere Kultursparte mit den Ausstellungswerken des Aargauer Kunsthauses auseinander und eröffnete damit dem Publikum neue Blickwinkel auf die Kunstwerke. Ausgewählte Filmschaffende erstellten Kurzanimationen zu verschiedenen Werken und nutzten dabei das jeweilige Werk als visuelle Ausgangslage. Mithilfe von Augmented Reality konnte das Bild bewegt, verwandelt oder mit Figuren und Formen ergänzt werden. Am Ende des Films wurden die Betrachtenden wieder zum Originalwerk und damit in die rein physische Welt zurückgeführt.

www.aargauerkunsthaus.ch/ausstellung

Hinweis:Projekt abgeschlossen

Ausstellung: 30. August bis 27. Oktober 2024

Interview

Für mich sind Kooperationen nicht nur auf der inhaltlichen Ebene interessant. Sie eröffnen auch die Möglichkeit, Synergien über verschiedene Abteilungen der Institutionen hinweg zu nutzen und voneinander zu lernen.

Jan Lässig Fachspezialist Kunstvermittlung, Aargauer Kunsthaus

Jan Lässig ist am Aargauer Kunsthaus als Fachspezialist Vermittlung tätig und für digitale Projekte zuständig. Im Interview gibt er Einblick in seine Arbeit und erzählt vom bevorstehenden DigiProject, dass in Zusammenarbeit mit Fantoche umgesetzt wird.

Jan, du bist am Aargauer Kunsthaus als Fachspezialist Vermittlung tätig und für digitale Projekte zuständig. Welche Aufgaben übernimmst du in dieser Funktion?

Ich beschäftige mich mit der digitalen Strategie des Aargauer Kunsthauses und mit daraus abgeleiteten digitalen Projekten, die unser Publikum betreffen – sei es vor Ort im Museum oder online. Dies umfasst die digitale Erweiterung sowie die digitale Vermittlung von physischen Ausstellungen und von unserer Sammlung. Der Schwerpunkt liegt im Moment auf dem Einsatz von Augmented Reality und Virtual Reality. Natürlich ist auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) ein Thema. Gerade KI zeigt, mit welch enormer Geschwindigkeit sich die digitalen Technologien entwickeln. Deshalb ist es für mich wichtig, immer auf dem Laufenden zu bleiben und mit anderen Kulturinstitutionen, aber auch mit Hochschulen und Technologie-Anbietern im Austausch zu sein. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit wird aus meiner Sicht in Zukunft stark an Bedeutung gewinnen.

Welche Chancen und Herausforderungen siehst du bei der Umsetzung digitaler Projekte für die Kunstvermittlung in Museen? Welche Hilfestellungen bietet DigiCulture an?

In einer Gesellschaft, in der die Digitalität immer mehr an Bedeutung gewinnt und entsprechende Erwartungshaltungen entstanden sind, können mit technischen Mitteln völlig neue, überraschende und spannende Zugänge zur Kultur geschaffen werden – sowohl für das bestehende als auch für ein neues Publikum. Doch digitale Projekte benötigen entsprechende personelle und finanzielle Ressourcen. Und sie setzen ein bestimmtes Knowhow voraus – eine Kombination von inhaltlichem und technischem Wissen. In Museen ist zwar die inhaltliche Kompetenz da, meist fehlt es aber am technischen Verständnis. Das heisst, dass digitale Projekte nur mit externen Partnern umgesetzt werden können. Dies wiederum bedeutet nicht nur, dass finanzielle Mittel beschafft werden müssen, um diese Partner zu bezahlen, sondern auch, dass die Projekte nur dann nachhaltig sein können, wenn entweder internes Knowhow aufgebaut wird oder die Zusammenarbeit mit den externen Partnern bestehen bleibt. Im Kanton Aargau haben wir das Glück, dass es mit DigiCulture ein Förderprogramm gibt, dass nicht nur finanzielle Unterstützung von digitalen Projekten, sondern auch Knowhow aus dem digitalen Bereich anbietet. Es kann aus einem Expertinnen- und Experten-Pool geschöpft werden, der die verschiedensten digitalen und vermittlungstechnischen Kompetenzen abdeckt. So ist es auch für Institutionen ohne Fachwissen aus dem digitalen Bereich möglich, tolle digitale Projekte zu realisieren. Darüber hinaus führt DigiCulture verschiedene Veranstaltungen durch, die einen Austausch zu digitalen Themen ermöglicht.

Ihr seid gerade daran, ein DigiProject umzusetzen, welches ihr in Kooperation mit dem Fantoche, Internationales Festival für Animationsfilm plant. Wie kam es zu dieser spartenübergreifenden Kooperation und welchen Mehrwert siehst du in der Zusammenarbeit?

In der ersten Phase der Umsetzung der Digitalstrategie haben wir uns im Aargauer Kunsthaus darauf konzentriert, unsere eigene Expertise mit dem Einsatz entsprechender Technologien weiterzugeben. Dies wird auch weiterhin stattfinden. Doch im Einklang mit unserer Mission, den Austausch mit verschiedenen Gemeinschaften zu fördern, wollen wir die digitalen Möglichkeiten auch dazu nutzen, andere Sichtweisen ins Aargauer Kunsthaus zu holen. Es sollen Menschen zu Wort (oder Bild) kommen, die unserem Publikum andere Perspektiven auf die Kunst eröffnen können. Meine eigene Faszination für Animationsfilme hat mich auf die Idee einer Kooperation mit Fantoche gebracht. Das äusserst positive Echo auf meine Anfrage bei Fantoche hat mich ermutigt, das Projekt in Angriff zu nehmen. Für mich sind Kooperationen nicht nur auf der inhaltlichen Ebene interessant. Sie eröffnen auch die Möglichkeit, Synergien über verschiedene Abteilungen der Institutionen hinweg zu nutzen und voneinander zu lernen. So arbeiten die beiden Organisationen nicht nur beim Projektmanagement eng zusammen, sondern auch beim Fundraising und in der Kommunikation. Darüber hinaus erschliesst sich für beide Häuser ein neues Publikum. Die Besuchenden des Filmfestivals setzen sich mit spannenden Kunstwerken auseinander, die im Aargauer Kunsthaus ausgestellt werden, das Publikum des Aargauer Kunsthauses wiederum entdeckt die wunderbare Vielfalt des Schweizer Animationsfilmschaffens.

Wie sieht das Kooperationsprojekt aus und welche Ziele werden damit verfolgt?

Das Projekt ist so organisiert, dass wir mit Amélie Cochet für Fantoche und mir für das Aargauer Kunsthaus eine gemeinsame Projektleitung eingerichtet haben. Amélie hat sich primär um die Auswahl der Filmschaffenden gekümmert und steht in ständigem Kontakt mit ihnen, währenddem mir die Zusammenstellung der bespielbaren Kunstwerke und der Kontakt zu den Künstlerinnen und Künstler bzw. den Rechteinhaberinnen und Rechteinhaber obliegt. Zudem bin ich auch für alle technischen Belange im Zusammenhang mit dem Einsatz von Augmented Reality und der App Artverse, die wir im Aargauer Kunsthaus verwenden, verantwortlich. Nicht zuletzt werden wir im Rahmen des Projekts auch Events und Workshops durchführen, die wir gemeinsam organisieren.

Doch was erwartet die Besuchenden des Museums nun konkret? So viel sei verraten: Die zwanzig beteiligten Animationsfilmschaffenden haben je ein Werk der aktuellen Ausstellung "Schau, wie der Gletscher schwindet" ausgewählt und werden im Rahmen unseres Jahresthemas "Ressourcen" eine Kurzanimation erstellen, die mit dem ausgewählten Kunstwerk beginnt und wieder zu ihm zurückführt. Ansonsten haben sie in Bezug auf Inhalt und Animationstechnik freie Hand.
Am 29. August 2024 – also kurz vor dem diesjährigen Fantoche-Festival, das am 3. September 2024 startet – wird das Angebot im Aargauer Kunsthaus mit einer Vernissage lanciert. Bis am 27. Oktober 2024 können Besuchende des Aargauer Kunsthauses an der Kasse kostenlos ein Tablet ausleihen, mit dem sie die filmischen Werke direkt in der Ausstellung auf eigene Faust entdecken können.
Am Tag darauf, also am 28. Oktober 2024, werden wir im Rahmen der DigiLab Austauschveranstaltung von DigiCulture bereits ein erstes Fazit ziehen können.