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DigiExperts

Anna Flurina Kälin

Künstliche Intelligenz, Augmented Reality, Virtual Reality, Digitale Vermittlung, Softwareentwicklung, Digitalisierungsstrategie, Partizipation

Als Co-Gründerin von freisicht und Dozentin für Digitalität in Art Education an der HGK arbeitet Anna Flurina Kälin an der Schnittstelle von digitaler Kulturvermittlung und Softwareentwicklung. Sie hat zahlreiche digitale Projekte und Produkte für Kulturinstitutionen entwickelt und umgesetzt. Ihr Fokus liegt auf dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Augmented Reality und Virtual Reality in der Vermittlung.

Durch ihr vielseitiges Tätigkeitsfeld verfügt Anna Flurina Kälin über ein breites Wissen zu Aufwand, Nachhaltigkeit und Integrierbarkeit digitaler Projekte und Angebote in Kulturinstitutionen. Dadurch kann sie inhaltliche, konzeptionelle und technische Beratung bieten.

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Interview

Wer ein digitales Angebot nachhaltig und längerfristig erhalten möchte, muss genügend Zeit und Mittel für den Unterhalt und die Weiterentwicklungen einplanen.

Anna Flurina Kälin DigiExpert

Im Interview erklärt DigiExpert Anna Flurina Kälin, wie Kulturorganisationen digitale Projekte am besten angehen und welche Rolle digitale Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) dabei spielen können.

Was sollten Kulturorganisationen bei digitalen Projekten von Anfang an mitdenken, damit diese realistisch und langfristig umsetzbar sind?

Es braucht eine Strategie – eine klare Vorstellung davon, was man mit digitalen Angeboten erreichen will. Sonst entstehen viele einzelne Projekte, die alle gewartet werden müssen, Ressourcen brauchen und wenig miteinander zu tun haben.

Eine Stossrichtung könnte zum Beispiel sein: Wir nutzen digitale Tools, um zu physischen Erfahrungen hinzuführen, und arbeiten mit lokalen Anbietern zusammen. Daran lässt sich jedes Vorhaben prüfen und es gibt eine gemeinsame Entscheidungsgrundlage. Je klarer das Ziel ist, desto realistischer lässt sich abschätzen, wie viel ein Projekt kostet und wie lange es dauert.

Wichtig sind auch die Ressourcen – nicht nur für die Umsetzung, sondern auch für den Betrieb danach. Dieser Aufwand wird bei digitalen Projekten oft unterschätzt. Wer ein digitales Angebot nachhaltig und längerfristig erhalten möchte, muss genügend Zeit und Mittel für den Unterhalt und die Weiterentwicklungen einplanen. Dazu gehören auch Personen, die sich intern um die digitalen Projekte kümmern und sich mit deren Themen auseinandersetzen wollen. Projekte, für die niemand zuständig ist, verwaisen in der Regel.

Wie gelingt es, digitale Projekte so zu entwickeln, dass Inhalt und Technik gut zusammenspielen?

Indem man beim Inhalt beginnt und erst danach die passende Technik sucht. So steht nicht (nur) die Technologie im Vordergrund, sondern der inhaltliche Mehrwert.

Augmented Reality ermöglicht es etwa, Unsichtbares sichtbar zu machen. Zum Beispiel kann die Vorstudie eines Gemäldes durch eine Röntgenaufnahme zum Vorschein kommen. Oder man kann zeigen, wie unterschiedliche Rahmen die Wirkung eines Gemäldes verändern, ohne das Bild tatsächlich verschieden rahmen zu müssen. In beiden Fällen passt die Technologie zum Inhalt und hilft dabei, ihn ideal zu vermitteln.

Um die technischen Möglichkeiten richtig einschätzen zu können, braucht es ein Grundwissen über digitale Technologien: Was gibt es, wofür eignet sich eine Technologie und welche Vor- und Nachteile hat sie? Dieses Wissen kann jemand im Team mitbringen oder man holt sich externe Beratung, zum Beispiel von DigiExperts. Wichtig ist auch, früh einen Prototypen zu entwickeln und ihn mit möglichst unabhängigen Personen zu testen. So merkt man schnell, ob der Inhalt passt und die Funktionen verständlich sind.

Noch zwei Hinweise: Oft ist für die Realisierbarkeit digitaler Vermittlungsprojekte der Zustand der eigenen Daten (Bildrechte, saubere Metadaten) von Bedeutung. Ausserdem sollte man von Anfang an überlegen, wer die Inhalte später pflegt. Wenn jede kleine Änderung über die Agentur läuft, wird es teuer.

Insgesamt lohnt es sich, mit (lokalen) Firmen zu arbeiten, die den Museumsbetrieb kennen und die gleiche "Sprache" sprechen. Das vereinfacht die Kommunikation und hilft für einen reibungslosen Ablauf.

Ihr Fokus liegt unter anderem auf dem Einsatz von KI in der Vermittlung. Welche Möglichkeiten kann KI Kulturorganisationen in diesem Bereich bieten?

Am spannendsten finde ich im Moment das Entwickeln von Prototypen. Mit KI kann man heute auch ganz ohne Programmierkenntnisse Ideen eines digitalen Produktes als Prototyp umsetzen. Das ist ein riesiger Vorteil, weil man Ideen schon früh und selbständig testen, konkretisieren und verbessern kann. Auch die Zusammenarbeit mit der Firma, welche die Umsetzung macht, wird dadurch einfacher. Denn statt nur zu beschreiben, was man sich vorstellt, kann man einen konkreten Prototypen zeigen.

Weiteres Potenzial sehe ich bei der Erschliessung von Sammlungen und Beständen: KI kann zum Beispiel beim Übersetzen, Verschlagworten und Transkribieren von Inhalten oder bei der Suche nach ähnlichen Bildern unterstützen. Das ist für die Vermittlung wertvoll, weil so Bestände zugänglich gemacht werden können, die sonst keine Sichtbarkeit hätten.

Museen leben von Verlässlichkeit und haben damit eine gewisse Autorität. Wenn sie von KI generierte, glaubwürdige, aber falsche Aussagen verwenden, beschädigt es dieses Vertrauen. Deswegen ist es meiner Meinung nach für Museen besonders wichtig, beim Einsatz von KI transparent zu sein und das Auswählen, Prüfen und Verantworten nicht abzugeben.