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Bauberatung

Der Bär, der Jüngling und die Sterne

Seit dem Jahr 1625 ist der Gasthof Bären ein fester Bestandteil des Städtchens Aarburg. 1840 fiel der Vorgängerbau dem grossen Stadtbrand zum Opfer, bereits 1841 wurde der Neubau an derselben Stelle wiedereröffnet. Die letzten Monate war das Antlitz des historischen Aarburger Gasthofs auf Grund einer Fassadensanierung durch ein Baugerüst verdeckt. Pünktlich zum 400-jährigen Jubiläum im September 2025 konnte die fertige Fassade eingeweiht werden.

Rückkehr zu historischen Farben

Das Augenmerk der Fassadensanierung lag nicht nur auf der Reparatur der Oberflächen, sondern insbesondere auf einer neuen Farbgebung, angelehnt an historische Farbfassungen. In enger Abstimmung mit der Bauherrschaft, der Kantonalen Denkmalpflege, und im Giebelbereich basierend auf den Befunden aus der Farbschichtuntersuchung, wurde die Farbgebung sorgfältig ausgewählt. Der altrosa Anstrich aus den 1980er-Jahren wurde komplett entfernt und durch eine helle Farbfassung ersetzt. Die nun gewählte Farbpalette führt den "Bären" zurück zu einem Erscheinungsbild, das seiner Entstehungszeit nach dem grossen Brand von 1840 und dem Wiederaufbau 1841 nahe kommt.

Besondere Beachtung verdient dabei die Detailarbeit

Die Bärenfigur mit Jüngling im Giebel war durch Umwelt- und Wettereinflüsse stark verschmutzt. Sie wurde von älteren, unpassenden Anstrichen befreit und lediglich mit einer unsichtbaren Fixierung gesichert. Somit zeigt sich die Figur wieder in ihrem steinernen Ausdruck.

Der markante, dreidimensionale Schriftzug wurde in einem historischen Oxidrot neu gefasst – eine Farbwahl, die harmonisch mit dem Rot des benachbarten Bärenbrunnens korrespondiert.

Die Fensterläden wurden demontiert und in der Werkstatt repariert. Es wurde lediglich eine Farbfassung gefunden, was darauf schliessen lässt, dass es entweder nur diese gab oder bei jedem Neuanstrich die Farbe komplett entfernt wurde. Für den Neuanstrich wurde ein petrolgrüner Anstrich gewählt, der dem historischen Gesamtbild Rechnung trägt.
Im Giebelbereich konnten die historischen Farben mit einer Farbanalyse ermittelt werden. Das Zahnfries erhielt eine Neueinfassungen in leicht unterschiedlichen warmen Grautönen.

Handwerkliche Sorgfalt und Materialwahl

Gerade bei einem kantonalen Schutzobjekt ist die Wahl der Materialien entscheidend. Für die muralen Untergründe der Fassade und der Fenstergewände kamen vorverkieselte Mineralfarben zum Einsatz, die eine hohe Atmungsaktivität gewährleisten und somit langfristig zum Schutz der historischen Bausubstanz beitragen. Holzuntergründe wurden traditionsgemäss mit Ölfarben grundiert und lackiert, eine Methode, die sich über Jahrhunderte bewährt hat.

Ein Geschenk zum Jubiläum

Als Dank für den Auftrag hat sich der Aarburger Malermeister eine spezielle Überraschung für die Eigentümerschaft überlegt. In Absprache mit der Kantonalen Denkmalpflege und als Geschenk zum 400-jährigen Jubiläum hat er die beiden Sterne im Dreiecksgiebel mit Blattgold vergoldet – ausgeführt nach historischer Handwerkskunst.

Die gelungene Fassadenrestaurierung ist nicht nur eine Massnahme zur Substanzerhaltung, sondern auch ein sichtbares Zeichen der Wertschätzung für die lange Geschichte dieses ortsbildprägenden Gebäudes.

Die Kantonale Denkmalpflege Aargau dankt allen Beteiligten – der Bauherrschaft und den engagierten Handwerkern – für die hervorragende und sensible Zusammenarbeit, welche die Revitalisierung dieses wichtigen Kulturgutes ermöglicht hat. Der "Bären" ist wieder zu einem Blickfang im Städtchen Aarburg geworden und lädt Besucher von nah und fern zu gutbürgerlicher Küche vor einer einmaligen, historischen Kulisse ein (Jonas Häne).