Baustelleneinblicke 2025
Aufgrund der Vielzahl von kleineren und grösseren Projekten an kantonal geschützten Bauten im Jahr 2025 fokussiert der traditionelle Rückblick zu Beginn jedes Jahres auf die im vergangenen Jahr abgeschlossenen Baustellen. Die Zahl der Projekte wäre noch viel grösser, anhand von acht Beispielen lässt sich die Vielfalt und das weite Aufgabengebiet der bauberatenden Tätigkeit der Kantonalen Denkmalpflege indes gut veranschaulichen.
Aristau, Haus Kapf
Das Haus "Kapf" in Aristau mit Teilen der historischen Gartenanlage steht als bedeutendes Kulturobjekt unter kantonalem Denkmalschutz. Die Verbindung von Kloster- und Besitzergeschichte, stattlicher Architektur, weitgehend erhaltenem Interieur und der aussergewöhnlichen Gartenanlage in einmaliger Lage macht das Haus in der regionalen Kulturlandschaft einzigartig.
Die Josef-Müller-Stiftung, die seit dem Jahr 2022 Eigentümerin des Gebäudes ist, plante in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege die Instandstellung der Fassaden des im 17. Jahrhundert erbauten Landhauses. Nach der Erstellung des Baugerüsts und ersten Sondagen zeigte sich jedoch, dass die Riegelkonstruktion im zweiten Obergeschoss in einem derart desolaten Zustand war, dass sie ihre Tragfunktion kaum noch wahrnehmen konnte und die künstlerisch bemalten Leinwandbespannungen aus der Bauzeit im Inneren dadurch in ihrem Bestand bedroht waren. Eine reine Fassadenrenovation stellte aufgrund des Schadensbildes daher keine Option mehr dar. Das Haus musste mit grossem Aufwand und einer massiven hölzernen Stützkonstruktion notgesichert werden, damit die Instandsetzung der Balkenköpfe und der Fachwerkkonstruktion in Angriff genommen werden konnte.
Dank der sorgfältigen und respektvollen Arbeit des begleitenden Architekturbüros, der ausserordentlich guten Kommunikation mit der Bauherrschaft und ihres grossen Verständnisses für Baukultur konnte die erfolgreich abgeschlossene Renovation nach vielen Hürden im Sommer 2025 mit einem Sommerfest für alle Beteiligten gefeiert werden.
Bad Zurzach, Kapelle Kirchlibuck
Die Gründung der Burgkapelle St. Verena und Mauritius liegt kurz vor dem Jahr 1000 als kleiner Saal mit eingezogener halbrunder Apsis. Der Bau entstand in unmittelbarer Nähe der zu diesem Zeitpunkt noch bestehenden Gebäude des ehemaligen spätrömischen Kastells und der um 400 erbauten frühchristlichen Kirche. Über die Jahrhunderte mehrfach umgebaut, erweitert und restauriert, präsentiert sich die Kapelle heute als Saalbau mit rechteckigem Chor unter Satteldach mit Dachreiter.
Nach grösseren Eingriffen, begleitet durch archäologische Grabungen zur Mitte des 20. Jahrhunderts, erfolgten konservatorische Massnahmen zuletzt um die Jahrtausendwende.
Im Jahr 2025 setzte die Stiftung Kirchlibuck-Burgkapelle eine gut vorbereitete und innerhalb der Sommermonate abgeschlossene Restaurierungsmassnahme um. Diese umfasste die Reinigung der Innenräume, den Neuanstrich der Fassaden, verschiedene Massnahmen zur Reduktion der Feuchtigkeitseinträge, die Reinigung des Altarwerks und des Bilderzyklus sowie die Verbesserung der Innenbeleuchtung. Im Projektverlauf zeigte sich die Prüfung der Glocken und die Restaurierung der Glockenaufhängung als zwingend erforderlich.
Die Stiftung Kirchlibuck-Burgkapelle feierte die gelungene Restaurierung am 21. September 2025 gemeinsam mit der Bevölkerung sowie am Projekt beteiligten Fachpersonen mit einem Gottesdienst und Fest.
Kloster Muri, Lehmannbauten und Konventbauten
2027 wird die Gründung des Klosters Muri 1000 Jahre zurückliegen. Dieser Anlass wird in Muri gross gefeiert werden und wird zum Anlass genommen, das Ensemble der verschiedenen Gebäulichkeiten aufzufrischen. Die ehemaligen Klostergebäude – abgesehen von der Klosterkirche – werden heute unterschiedlich genutzt und haben verschiedene Eigentümerschaften: die Einwohnergemeinde Muri, der Kanton Aargau, die Pflegi Muri und MuriKultur.
Die "jüngsten" Gebäude, die sog. Lehmannbauten, benannt nach ihrem Architekten Valentin Lehmann, sind die markanten, bisher in einem recht leuchtenden Gelb gehaltenen Trakte. Die übrigen Konventbauten erscheinen im üblichen gebrochenen Weiss. Es war ein guter Anlass, einen restauratorischen Farbuntersuch zu machen, welcher interessante Ergebnisse brachte: Die Farbigkeit der Lehmannbauten war ursprünglich etwas weniger "bunt", dafür haben sich unsere Vorgänger bei den letzten Grossrestaurierungen seit den 1980er Jahren etwas Freiheiten gelassen bei der dekorativen Gestaltung von Bändern und Begleitlinien, z.B. bei den Fenstergewänden. Es wurde der Entscheid gefällt, die dekorative Gestaltung in dieser Form zu übernehmen, jedoch mit der Farbigkeit des originalen Befunds. Da die langen Fassaden verschiedene Eigentümer haben, mussten die Handwerker koordiniert Hand-in-Hand arbeiten – ein Verfahren, das sich gelohnt hat, schaut man sich das Ergebnis an. Das Äussere der Klosterkirche wird 2026 restauriert werden und so wird die ganz Klosteranlage bereit sein für das grosse Jubiläum 2027!
Wettingen, Rote Trotte
Auf die Rote Trotte in Wettingen wurde erst kürzlich an dieser Stelle ein Schlaglicht geworfen. Gleichwohl gehört die anspruchsvolle Umnutzung für die Denkmalpflege zu den wichtigen Projekten des vergangenen Jahres und wird deshalb an dieser Stelle aufgeführt.
Das Projekt zeigt, dass selbst bei komplexen Umbauten, bei denen eine beabsichtigte Nutzung der historischen Substanz scheinbar diametral zuwiderläuft, durch konstruktive Gespräche zwischen Eigentümerschaft, Architekten und der Denkmalpflege gangbare Lösungen erarbeitet werden können. Nicht ohne Kompromisse, aber im respektvollen Dialog zwischen Alt und Neu, hat die zuvor in bedenklichem Zustand befindliche Trotte neue Nutzer gefunden und ist damit dauerhaft gesichert.
Nach Rückmeldung der Bauherrschaft ist der Umbau auf sehr positive Resonanz in der lokalen Bevölkerung und bei der neuen Bewohnerschaft gestossen. Die Trotte bleibt damit am rebenbestandenen Lägernhang von Wettingen nicht wegzudenken – auch wenn der Wein inzwischen andernorts gekeltert wird.
Wettingen, Klosterkirche
Im Jahr 2027 wird auch in Wettingen gefeiert werden: Es sind 800 Jahre seit der Klostergründung vergangen. Während die Gebäude der heutigen Kantonsschule auf dem weitläufigen Klosterareal auf der Limmat-Halbinsel laufend unterhalten werden, liegt die Gesamtrestaurierung der Klosterkirche doch schon bald 40 Jahre zurück. Aus Anlass des Jubiläums wurde nun die Klosterkirche im Innern restauriert, wobei das Hauptaugenmerk bei den Architekturoberflächen lag: Die Wand- und Deckenmalereien wurden gereinigt, ältere und neuere Risse restauriert und retuschiert. Das damalige Restaurierungskonzept wurde beibehalten, d.h. die an den Wänden der Kirche befindlichen Dekorationsmalereien wurden nicht freigelegt, es wurde nur der jetzige Zustand konsolidiert. Grundsätzlich erneuert wurde jedoch die ganze Beleuchtung und auch dem Raumklima wurde grosse Beachtung geschenkt, indem nun mehrere neue, motorisierte Lüftungsflügel eingebaut wurden, um ein gutes Lüften des Kirchenraums nach grösseren Veranstaltungen zu gewährleisten. Zudem wurde dem Kulturgüterschutz Rechnung getragen indem sämtliche elektrischen Steuerungen an einem Ort, weg vom wertvollen Chorgestühl, zusammengefasst wurden. Die Aussenrestaurierung der Klosterkirche wird im Frühling 2026 abgeschlossen werden und so wird sich auch diese wichtige Stätte für das Klosterjahr 2027 bereit zeigen.
Windisch, Klosterkirche Königsfelden
Die Gesamtrestaurierung der Klosterkirche Königsfelden wurde bereits im letztjährigen Rückblick beleuchtet; zudem wurde in der Jahresschrift Argovia 2025 ausführlich auf Bedeutung und Restaurierungsgeschichte der Anlage eingegangen. Die jüngste, im April 2025 abgeschlossene Restaurierung gehört gleichwohl zu den grossen Meilensteinen des vergangenen Jahres und soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.
Die Massnahmen an Fassade, Raumschale und insbesondere an den mittelalterlichen Glasmalereifenstern sind auf grosses öffentliches Interesse gestossen. Die denkmalpflegerische Arbeit konnte im Rahmen zahlreicher Führungen, Vorträge und Publikationen vertieft vermittelt werden. Nicht zu vergessen ist, dass es sich bei der Restaurierung der Klosterkirche zwar um den vorerst letzten grösseren Baustein gehandelt hat, das Klosterareal mit den Konventbauten des 14. Jahrhunderts und den Erweiterungen aus der Bernerzeit jedoch weitere bedeutende historische Bauten umfasst, die bereits früher instand gestellt wurden.
Heute präsentiert sich das Ensemble wieder einheitlich als baukultureller Leuchtturm weit über die Kantonsgrenzen hinaus. In diesem Zusammenhang kann bereits angekündigt werden, dass im Rahmen des Klosterjahres 2027 das Museum Aargau in den Gebäuden des Klosters einen neuen Museumsstandort plant, der sich verstärkt der Vermittlung der Geschichte des Klosterareals widmet und den Standort Königsfelden weiter an Bedeutung gewinnen lässt.
Wildegg, Isler-Haus
Denkmalschutzobjekte benötigen zuweilen glückliche Umstände. So geschehen beim Isler-Haus in Möriken-Wildegg, das inmitten einer grossflächigen Park- und Grünanlage liegt und das durch die umsichtige Weitergabe durch die Besitzerfamilie jüngst zum Zuhause der Stiftung ProSpeciaRara werden durfte.
Dank der neuen Eigentümerschaft konnte die wertvolle Parkanlage in ihrem Charakter erhalten, und durch neue, der Tätigkeit der Stiftung entsprechende Elemente ergänzt werden. Die zusammen mit dem Wohnhaus einen malerischen Innenhof bildenden Dépendencebauten behalten ihren angestammten Zweck. Zugleich ermöglichten sie den Einbau eines Kurszentrum mit Schulungsraum und bieten mit dem einzigartigen Samenarchiv, einem Kernstück der Stiftung, Platz.
Im Inneren des biedermeierlich-klassizistisch geprägten Wohnhauses von 1825 konnte die historische Raumfolge komplett erhalten werden. Die Wand- und Deckenflächen wurden dem ursprünglichen Charakter entsprechend neu gefasst. Unter jüngeren Bodenbelägen versteckte, qualitätvolle Elemente aus der Bauzeit konnten durch Fachrestauratoren denkmalgerecht instand gestellt werden. Das vormals niederschwellig genutzte Dachgeschoss wurde zur Büronutzung ausgebaut und durch dem Gebäude entsprechende, filigran ausgebildete Dachaufbauten ergänzt.
Durch konstruktive und denkmalgerechte Zusammenarbeit aller Beteiligten entstand zu Füssen des Schlosses Wildegg ein Platz, an dem bauliche und landschaftliche Raritäten ein sinnstiftendes sowie zukunftsorientiertes Miteinander ermöglichen.
Wölflinswil, Pfarrscheune
Über die Einweihung der Pfarrscheune in Wölflinswil im September 2025 haben wir bereits berichtet. Nachdem nach dreieinhalb Jahrhunderten Geschichte wieder Leben in die Ökonomiebaute eingekehrt ist, wird das Bauprojekt als Beispiel für eine erfolgreiche Restaurierung und Umnutzung in dieser Reihe gleichwohl aufgeführt.
Die über 370 Jahre alte Scheune dient neu als Kirchgemeindehaus mit Pfarreisaal, Foyer und Pfarrbüro. Mit Ausnahme eines Türdurchbruchs konnte die steinerne Gebäudestruktur des im 17. Jahrhundert versteinerten Holzbaus vollständig erhalten werden. Durch das Entfernen der lose liegenden Bohlen im Dachraum konnte notwendiger Raum für die Integration des Pfarrsaals geschaffen werden, zudem liegt der Blick nun frei auf die erhaltene und beeindruckende historische Dachkonstruktion. Ein denkmalpflegerischer Schwerpunkt lag auf dem Erhalt und der materialgerechten Instandsetzung der äusseren und inneren Oberflächen. Ein Grossteil der jahrhundertealten historischen Putze wurden erhalten und nur wo notwendig mit Kalkputz ergänzt. Alle neuen Einbauten (Nasszellen, Küche, Trennwände, Treppe) wurden aus Fichte/Tanne gefertigt, und die historischen Ziegel wurden gereinigt und wieder eingesetzt.
Die Umsetzung erfolgte in enger Abstimmung zwischen Bauherrschaft, Architekten, Handwerkenden und Denkmalpflege, und die offene, konstruktive Zusammenarbeit trug massgeblich zum guten Gelingen des Projekts bei. Die Pfarrscheune Wölflinswil ist heute nicht nur ein funktionales Pfarrgemeindehaus, sondern auch ein gutes Beispiel für eine gelungene Umnutzung und den behutsamen Umgang mit historischem Baubestand.
Und vieles mehr …
Einige Grossbaustellen, wie die Villa Langmatt in Baden oder das historische Klinikgebäude in Königsfelden werden gewiss zu späterem Zeitpunkt noch genauer beleuchtet. Wir hoffen zudem, bald etwas Neues zur leider eingeschlafenen Baustelle des Verenahofs in Baden berichten zu können. (Heiko Dobler, Jonas Kallenbach, Judith Bertram, Anne Lauer)