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Bauberatung

Verborgene Schätze und frische Farben – das Rathaus Aarburg im Wandel der Zeit

Fast 100 Jahre nach der letzten umfassenden Sanierung in den 1930er Jahren wurde das Rathaus von Aarburg in den vergangenen zwei Jahren restauriert, statisch ertüchtigt und den heutigen Bedürfnissen einer Gemeindeverwaltung angepasst.

Rathaus Aarburg. © Guido Schenker, Foto Schenker, Oberdorf

Das Rathaus schliesst als nördlicher Kopfbau die westliche Zeilenbebauung der dreieckig angelegten Altstadt von Aarburg ab und geht auf mehrere Vorgängerbauten zurück. Die erste urkundliche Erwähnung eines "Rats- oder Bürgerhauses" stammt aus dem Jahr 1573, nachdem der Rat der Stadt Bern bereits 100 Jahre zuvor den Aarburger Bürgern den Bau eines Rathauses befohlen hatte.

Der heutige Bau stammt im Wesentlichen aus den Jahren 1827/1828, nachdem der Vorgängerbau zu Beginn des 19. Jahrhunderts baufällig und zu klein geworden war. Der Neubau bot neben der Nutzung als Rathaus auch Schulräume in den oberen Geschossen. Das Erdgeschoss diente als Kaufhauslokal. Der Stadtbrand von 1840 verschonte das Rathaus und die westlich angrenzende Häuserzeile. Im 19. Jahrhundert erfolgten kleinere bauliche Massnahmen, so wurde z.B. 1891 ein Abortanbau errichtet.

Nach dem Neubau des grösseren Schulhauses im Landhausquartier in den Jahren 1903–1904 wurde das Rathaus ab 1905 für die Gemeindeverwaltung umgebaut. Die bis dahin auf mehrere Standorte verteilte Gemeindeverwaltung erhielt im Rathaus mehr Platz, während die oberen Stockwerke weiterhin für den Schulbetrieb genutzt wurden. 1927 richtete die Gemeinde im Erdgeschoss des Anbaus ein Arrestlokal ein.

Nach einem Kaminbrand im Jahre 1931 wurden unter der Leitung des Architekten Hermann Lüscher umfangreiche Umbauten geplant und ausgeführt. Das Gebäude wurde teilweise statisch ertüchtigt, die vertikale Erschliessung verändert. Das Archiv wurde neu eingerichtet und die Fassaden renoviert. Eine weitere statische Ertüchtigung des Archivraumes erfolgte 1940 zur Sicherung gegen Einsturzgefahr im Kriegsfall. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden verschiedene Innenausbauten und Raumveränderungen vorgenommen.

Nach wiederum fast 100 Jahren wies das Aarburger Rathaus ein grosses Restaurierungspotential auf, der Grossteil der erhaltenen Bausubstanz stammte noch aus den 1930er Jahren. Im Jahr 2020 bewilligte die Gemeindeversammlung den Kredit für das Bauprojekt von Robert und Esslinger Architekten, welches die Restaurierung des Rathauses und des angrenzenden Winkelgebäudes umfasste. Nach Abschluss der Bauarbeiten am Winkelgebäude wurden im Frühjahr / Sommer 2023 die Arbeiten im Rathaus in Angriff genommen. Die Fassade und die Fenster sowie die inneren Oberflächen des Rathauses wurden restauriert oder erneuert und die Balkendecken verstärkt und statisch ertüchtigt. Zudem wurden Brandschutzmassnahmen durchgeführt und einzelne sogenannte Diskretionsschalter realisiert.

Verstärkung / statische Ertüchtigung Balkendecken. © Robert & Esslinger AG
Unter der Decke aus den 1960er Jahren sind zwei weitere Decken verborgen. © Robert & Esslinger AG

Sondierungen brachten einige verloren geglaubte Bauteile zum Vorschein. Im grossen Saal des 3. Obergeschosses wurden unter der bestehenden Decke sogar zwei Vorgängerdecken gefunden: Zunächst eine Schilfrohrdecke aus den 1930er Jahren mit breitem Karnies (doppelt geschwungenes Profil) und umlaufendem Bollenstab. Darunter befanden sich Fragmente einer klassizistischen Decke, bestehend aus einem ornamentalen Gebälk mit Profilen und Konsolen. Unter den Spannteppichen kam Fischgratparkett zum Vorschein, in den Korridoren und in einzelnen Räumen Wandvertäfelungen. Soweit möglich wurden die Bauteile restauriert und weiterverwendet.

Die neue Teeküche im ehemaligen Lager / Zugang zur Arrestzelle. © Guido Schenker, Foto Schenker, Oberdorf

Restauratorische Farbuntersuchungen zeigten ein grosses Spektrum an historischen Farben auf. Im 19. Jahrhundert wurde mit Ocker-, Blau- und Rottönen gearbeitet, aus den 1930er Jahren kamen Blautöne sowie hellgrüne und hellgelbe Fassungen zum Vorschein. Aufgrund der Befunde wurde ein neues Farbkonzept erarbeitet, das die restaurierten Räume noch mehr erstrahlen lässt. Die Kantonale Denkmalpflege wünscht der Gemeindeverwaltung Aarburg, insbesondere den Abteilungen Bau Planung Umwelt, Infrastruktur und Sicherheit, Zentrale Dienste, Soziale Dienste, Personaldienste sowie dem Stadtpräsidenten frohes Schaffen im restaurierten Rathaus (Judith Bertram).

Der Fischgratparkett und die Vertäfelungen wurden wieder eingebaut. © Guido Schenker, Foto Schenker, Oberdorf