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Bauberatung

Baustelleneinblicke 2024

Zu Beginn jedes Jahres gibt die Kantonale Denkmalpflege Einblick in laufende und abgeschlossene Projekte. Die baukulturelle Landschaft im Aargau ist reichhaltig und vielfältig – genauso wie die heute ans Baudenkmal gestellten Anforderungen. Auf einige besonders bemerkenswerte Projekte soll hier ein kurzes Schlaglicht geworfen werden.

Windisch: Klosterkirche Königsfelden

Klosterkirche Königsfelden, 2025. © Kantonale Denkmalpflege Aargau

Manche Baustellen werden von der Kantonalen Denkmalpflege über mehrere Jahre begleitet. Die letzte grosse Etappe auf dem Klostergelände Königsfelden war die Restaurierung der eigentlichen Klosterkirche, die nun kurz vor dem Abschluss steht. Gestalterisch präsentiert sich die Klosterkirche in neuem Gewand.

Ausgehend von einzelnen erhaltenen Fragmenten des Originalputzes wurde der Putz der Kirche erneuert und al fresco mit Kalk gestrichen. Die Zusammensetzung des Putzes und die Farbgebung mit feinem Ockergelbpigment orientieren sich ebenfalls an den bauzeitlichen Befunden. Auf die früheren Quadermalereien an den Strebepfeilern und um die Fensterlaibungen wurde verzichtet. Archivrecherchen ergaben, dass diese bisher sehr prägenden Malereien auf keinem gesicherten Befund beruhten und erst bei der letzten grossen Restaurierung in den 1980er Jahren in dieser Form angebracht wurden.

Die mittelalterlichen Glasmalereien des Chores und des Westfensters, bestehend aus insgesamt 363 einzelnen Glasfeldern, wurden komplett ausgebaut, fotografiert, die Schäden kartiert und die Fehlstellen restauriert. Durch die neue reflexionsarme Schutzverglasung konnte zudem auf die bisherigen Schutzgitter verzichtet werden. Beinahe ungehindert blickt man dank der neuen Schutzverglasung auf die historischen Glasfenster. Die filigranen Masswerke und die Glasmalereien kommen nun wieder deutlich besser zur Geltung. Insgesamt gewinnt der Sakralbau durch diese subtilen, aber wichtigen gestalterischen und materiellen Veränderungen erheblich an Eleganz und Feinheit.

Auch das Innere der Kirche wurde behutsam renoviert, wobei die Arbeiten überwiegend konservatorischer Natur waren und die Raumschale nicht wesentlich verändert wurde. Dennoch wird der Raum künftig anders wahrgenommen als bisher, zumal ein neues Lichtkonzept den Raum ganz anders inszenieren kann. Die Vielfalt der verschiedenen Gewerke und die Bedeutung des Objekts führen dazu, dass die Kantonale Denkmalpflege die bald abgeschlossene Restaurierung in einem anderen Rahmen noch genauer beleuchten wird. Am Samstag, dem 12. April 2025, wird die Öffentlichkeit erstmals Gelegenheit haben, die Kirche im Rahmen eines Tages der offenen Klostertür zu besichtigen.

Baden: Damensalon im Badhotel Blume

Hotel Blume in Baden, historische Aufnahme des Damensalons. © Kantonale Denkmalpflege Aargau

Das Badhotel Blume in den Grossen Bädern in Baden wurde 1421 erstmals als Gasthaus erwähnt. Seine heutige Erscheinung ist geprägt durch einen vom Architekten Robert Moser geplanten südseitigen Anbau von 1872, der vom mittelalterlichen Kernbau durch einen glasüberdeckten Atriumhof getrennt ist, in welchem 1898 der erste Lift in Baden installiert wurde. Neben dem kürzlich restaurierten Saal aus der Belle Époque befindet sich der sogenannte Damensalon. Beide Historismus-Säle wurden mit reichen Dekorationsmalereien ausgestattet, wie sie für das 19. Jahrhundert typisch sind. Damals kamen nicht nur verschiedene Maltechniken zum Einsatz, sondern mit Ölemulsionsfarben und Leimfarbenmalerei auch unterschiedliche und neuartige Bindemittel und Pigmente. Bereits 2009 wurde die bemalte Decke des Salons restauriert. Aufgrund historischer Aufnahmen war bekannt, dass auch die Wände mit gemalten Farbbändern, Begleitlinien und Schablonierungen verziert und gegliedert waren. Aktuelle restauratorische Sondierungen ergaben, dass sich unter verschiedenen jüngeren Farbschichten die originale Farbfassung von 1872 erhalten hatte. Eine ganzflächige Freilegung der Malereien wäre jedoch nur mit erheblichem Aufwand und zudem nicht ohne Substanzverlust möglich gewesen. Da die farbige und gliedernde Ausmalung der Wände für die Gesamtwirkung des Raumes und den gestalterischen Zusammenhang mit dem reich bemalten Deckenfeld von Bedeutung ist, entschied man sich für eine Rekonstruktion der ursprünglichen Wandgestaltung. Zur Veranschaulichung der originalen Wandgestaltung wurde ein kleiner Bereich freigelegt, der als Referenz neben der Rekonstruktion ablesbar blieb. Damit ist ein weiterer Schritt getan, um das Hotel Blume zu einem eindrucksvollen Zeugnis als Gesamtkunstwerk des Historismus zu führen.

Schneisingen: Rohnerhof (heutiges Ortmuseum)

Rohnerhof in Schneisingen, Tapetenzimmer, 2024. © Kantonale Denkmalpflege Aargau

Im Dorf Schneisingen hat sich ein sehr authentisch überliefertes Bauernhaus erhalten. Der vermutlich aus dem frühen 18. Jahrhundert stammende Mehrzweckbau mit Wohn- und Scheunenteil wurde bis 2008 in einfachster Weise bewohnt und in dieser Zeit nur wenig verändert. Neben dem intakten Äusseren und den erhaltenen inneren Raumstrukturen gilt der Rohnerhof auch wegen der überlieferten Raumausstattung mit Tapeten, Täfer, Felderdecken, Kachelöfen und Eckbänken als wichtiger Zeuge der Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts. Der Einbau von Haustechnik im 20. Jahrhundert beschränkt sich auf wenige Aufputz-Installationen für Strom und den Einbau eines Bades. Das Haus verfügt bis heute über kein zentrales Heizsystem. Historisch wie sozialgeschichtlich bietet ein Besuch im Ortsmuseum deshalb spannende und lohnende Einblicke.

Einige undichte Fenster und eindringende Feuchtigkeit haben im Lauf der Zeit zu einigen Schäden an Verputz, Fensterbänken, Täfer und Tapeten geführt. Um eine möglichst grosse Authentizität der historischen Oberflächen zu bewahren, wurde für die Instandsetzung ein sehr konservatorisches Restaurierungskonzept gewählt. Nach der Reparatur der Fenster wurden schadhafte Mauerpartien durch einen auf historische Lehmputze und Kalkmörtel spezialisierten Baumeister instand gestellt. Der historische Untergrund war dabei wegweisend für die Baustoffe, die für die Restaurierung zur Anwendung kamen. Es konnte sogar Material aus einem lokalen Lehmvorkommen eingesetzt werden. Gerissene oder abblätternde Tapeten wurden trocken gereinigt, Fehlstellen im Untergrund gekittet und die Tapeten mit Celluloseleim wieder angebracht. Auf Tapetenergänzungen wurde verzichtet, die Fehlstellen wurden von der Restauratorin lediglich mit einem reversiblen Malmittel farblich eingestimmt. Auch die Lambris und die Täferausstattung wurden nur gereinigt und Schäden einretuschiert. Auf den bei Ölfarben üblichen glänzenden Endanstrich wurde verzichtet, um so den Glanzgrad am gealterten Bestand anzugleichen. Die für das Objekt optimale Nutzung als Ortsmuseum mit geringen Nutzeransprüchen – abgesehen vom Wunsch nach möglichst grosser Authentizität – machte im spezifischen Fall ein Restaurierungskonzept möglich, das den Fokus auf die Konservierung des überlieferten Bestandes legen konnte. Ein Besuch lohnt sich!

Aarburg: Alte Post

Alte Post in Aarburg, ehem. Prunksaal, 2024. © Kantonale Denkmalpflege Aargau, Hannes Henz

Das Gebäude der Alten Post in Aarburg erhebt sich über der Aare an der Stelle, wo der Burgfelsen als Querriegel bis zur Aare vorspringt. Als markantes Eingangstor zur Altstadt und als ehemaliges Zollhaus zeugt es von der wichtigen historischen Handelsroute über Aarburg zum Rhein bzw. zum Gotthard. Der dreiteilige Gebäudekomplex besteht aus dem 1846 erbauten Gasthofbetrieb, einem aareseitigen Anbau und dem spätmittelalterlichen Mitteltrakt von 1312. Dem spätmittelalterlichen Kernbau, der um 1372 erhöht wurde, kommt eine besondere Bedeutung zu: Einerseits gehört er zu den wenigen gut erhaltenen kleinstädtischen Residenzen des Ministerialadels, andererseits verfügt es über das letzte, bei einem Profanbau verwendete gotische Schwerterdach im Kanton Aargau (historische Dachstuhlkonstruktion mit je zwei sich kreuzenden Streben).

Nach jahrelangem Leerstand wird der gotische Kernbau im Rahmen der laufenden Restaurierung zu einer Ferienwohnung umgebaut. Restauratorisches Ziel ist es auch hier, die historischen, zum Teil reich bemalten Oberflächen möglichst authentisch zu erhalten. Ferien im Baudenkmal zu verbringen, macht Geschichte lebendig und erinnert an eine längst vergangene Wohnkultur. Der mit gotischen Wandmalereien ausgestattete frühere Prunksaal gehört genauso zum Raumangebot wie eine barock getäfelte Stube im Obergeschoss, deren original grüne Farbfassung gesichert und nicht überstrichen wird. Historische Handwerkskunst und natürliche Baumaterialien sind allgegenwärtig, was ein aktives Erleben von Baukultur und die Sensibilisierung für historische Bauten ermöglicht. Wandmalereien, Vertäfelungen, Riegelwände, historische Fenster, Türen und Bodenbeläge werden restauriert und instand gestellt. Zugeständnisse an den heute üblichen Wohnkomfort werden im Bereich Küche und Bad gemacht. Die Wohnkultur des 14. Jahrhunderts mit einer warmen Dusche verbinden zu können, wird bestimmt so manchen Feriengast begeistern.

Bremgarten: Altstadthaus Marktgasse 23

Bremgarten, Marktgasse 23. © Kantonale Denkmalpflege Aargau, Christine Seiler

Altstadthäuser bergen oft ein besonders grosses Potenzial an historischer Bausubstanz, auch wenn diese im Laufe der Jahrhunderte oft starken Veränderungen unterworfen war. Als Wirtshaus "zum Löwen" wird das Gebäude in der Altstadt Bremgarten um 1520 erstmals erwähnt. Aufgrund bauarchäologischer Untersuchungen im Rahmen der aktuellen Renovation konnte eine Erweiterung des ursprünglichen Wirtshauses um 1590 nachgewiesen werden. Von späteren Umbauphasen und Erneuerungen zeugen unter anderem historische Fenster und Ausstattungselemente aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Mitte des 19. Jahrhunderts erwarb die Familie Dosenbach das Haus und richtete hier das Stammhaus ihrer bedeutenden Schuhhändlerdynastie ein. Von einem florierenden Geschäft zeugt noch heute die umfassende Modernisierung des Hauses um 1870. Das Äussere des Gebäudes erhielt eine repräsentative Schaufensterfront und auch im Inneren geizt das Objekt nicht mit repräsentativem Reichtum. Ein grosszügiges Treppenhaus, hochwertige Parkett- und Plattenböden, Tapeten und Wandvertäfelungen sowie dekorativ bemalte Stuckdecken zeugen vom damaligen gehobenen Wohnstandard.

Wie so oft wandeln sich die Zeichen der Zeit. Rund drei Jahrzehnte stand das Objekt zuletzt leer, die historischen Oberflächen waren vielfach überstrichen und ihr Wert nur noch für Fachleute erkennbar. Was einst für gehobene Wohnkultur stand, erlebte einen Verfall und wurde quasi für unbewohnbar erklärt. Erst im Rahmen der kürzlich abgeschlossenen Restaurierung wurde ein Grossteil der wertvollen Oberflächen wieder freigelegt und restauriert. Ergänzt durch moderne Einbauten wurde ein herausragendes Beispiel bürgerlicher Wohnkultur des 19. Jahrhunderts in die Zukunft geführt. Durch das grosse Engagement der Bauherrschaft und unter Beizug von versierten Planern, Restauratoren und Fachhandwerkern wurde in enger Zusammenarbeit mit der Kantonalen Denkmalpflege eine einzigartige Liegenschaft revitalisiert und damit ein grosser Mehrwert für die Stadt Bremgarten und die Aargauer Denkmallandschaft geschaffen.

Und vieles mehr …

Bleiben Sie auf dem Laufenden: Einige Grossbaustellen, wie die Villa Langmatt in Baden oder das historische Klinikgebäude in Königsfelden werden gewiss zu späterem Zeitpunkt im Newsletter der Kantonalen Denkmalpflege genauer beleuchtet (Heiko Dobler).