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Bauberatung

Baustelleneinblicke 2022

Von der aufwändigen Sicherung der reichen Bemalung eines Hotelsaals bis zur Umnutzung eines spätbarocken Landhauses war die Bandbreite der denkmalpflegerischen Bauberatung und Baubegleitung 2022 äusserst vielfältig. Im Folgenden sei ein kleiner Einblick in vier aktuelle Baustellen gegeben.

Der Elefantensaal im Hotel Verenahof in Baden, 2022. © Kantonale Denkmalpflege Aargau.

Badhotel Verenahof in Baden

In der Flussbiegung der Limmat in Baden ist im Verlauf der Jahrhunderte eine dichte Ansammlung an Bäderhotels entstanden. Das Zentrum der Grossen Bäder bilden die drei Hotels Bären, Ochsen und Verenahof, welche über die Jahrhunderte zusammengewachsen sind und das sogenannte "Verenahofgeviert" bilden.

Trotz eines sehr anspruchsvollen Planungs- und Bauprozesses tut sich etwas im 1874 erbauten Elefantensaal des Verenahofs. Die ursprünglichen Wand- und Deckenmalereien waren unter mehreren Schichten kunststoffgebundener Farbe verborgen. Auch gesellten sich während der letzten Baustellenjahre Schimmel und Tauben zu den Elefanten. Mittlerweile ist der gesamte Saal von Pilzen und Gefieder befreit und die losen Farb- bzw. Putzschichten sind gesichert. Endlich konnte auch eine erste Etappe der Freilegungsarbeiten in Angriff genommen werden: Schablonenfonds, Architekturmalerei und figürliche Darstellungen werden langsam aber stetig wieder sichtbar und lassen den ursprünglichen Reichtum des Saals erkennen. Gut Ding will Weile haben – man darf sich auf die Wiederbelebung des Verenahofgevierts trotz der erschwerten Umstände freuen.

Ersatzneubau beim Kloster Wettingen

Kloster / Kantonsschule Wettingen, Ersatzneubau Höngger-Haus. © Renderisch GmbH.

Die Kantonsschule im historischen Zisterzienserkloster in Wettingen erhält seinen ursprünglichen Westtrakt in neuer Form zurück. Das sogenannte Höngger-Haus wurde im 19. Jahrhundert abgebrochen und gab den Blick auf den ehemals geschlossenen Kreuzgang frei. Der geplante Ersatzneubau schafft zusätzliche Schulräume und wird die Anlage typologisch wieder vervollständigen. Die Kantonale Denkmalpflege wird sämtliche Bau- und Planungsprozesse eng begleiten. Mittlerweile konnte die Baubewilligung erteilt werden, der Spatenstich ist erfolgt und nach ausführlichen archäologischen Sondierungen und Aufnahmen konnten nun die Bauarbeiten beginnen. Die Vorfreude auf ein feinfühliges Zusammenspiel von historischer Klosteranlage und zeitgemässer Architektur ist gross.

Haus Sonnenberg in Lenzburg

Haus Sonnenberg, Schlossgasse 50 in Lenzburg, bei der Restaurierung entdeckte Bemalung der Decke. © Kantonale Denkmalpflege Aargau.

In Lenzburg, mittig auf der Wegstrecke zwischen Talfuss und Plateau des Schlosses Lenzburg, liegt in einer idyllischen Parkanlage das Haus Sonnenberg. Der Bau entstand in seiner heutigen Kernstruktur wohl um 1770 unter der Verwendung von älterer Bausubstanz. Sein heutiges Aussehen mit der nach Westen hin orientierten Schaufassade, den Stichbogenfenstern und dem vorkragenden Walmdach erhielt das stattliche Haus im 19. Jahrhundert. Nebst seiner bedeutenden Gartenanlage und seiner spannenden Baugeschichte besitzt das Haus Sonnenberg ein reiches Innenleben. So präsentiert sich das Gebäude im Zuge der momentan laufenden Sanierung als kulturgeschichtliche Schatzkammer: Unter neueren Bodenbelägen und jüngeren Wandverkleidungen zeigen sich qualitätsvolle Berner Böden, reich profilierte Barocktäfer, wertvolle Tapetenausstattungen und kunstvoll gearbeitete Türen. Auch ist die Entdeckung eines Brunnenstollens zu erwähnen, der in einer Länge von über 40 Metern in den Goffersberg hinein und in eine aus Molasse-Sandstein herausgearbeitete Brunnenstube führt.

Nach der Restaurierung und dem Ausbau des Dachgeschosses wird das Haus Sonnenberg als Kulturgasthaus betrieben. Es soll Kulturschaffenden längere Aufenthalte und Übernachtungsmöglichkeiten im Stil eines B&Bs bieten sowie Räumlichkeiten für Tagungen und Netzwerktreffen anbieten. Die Kantonale Denkmalpflege freut sich, dass das wertvolle Gebäudeensemble und seine bedeutende Gartenanlage damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Wintersingerstrasse 21 in Magden

Magden, Wintersingerstrasse 21 in Magden. © Kantonale Denkmalpflege Aargau.

An der Wintersingerstrasse in Magden steht ein stattliches Wohnhaus, das die alte Bausubstanz im Oberdorf bei weitem überragt und damit viele Fragen aufwirft. Weder die ursprüngliche Nutzung noch der Erbauer des wohl 1604 errichteten Gebäudes sind bekannt.

Im Jahr 2021 stand ein Neuanstrich der Fassade an. In diesem Zusammenhang wurde eine Farbbefunduntersuchung veranlasst, die Erstaunliches zu Tage brachte: Unter der aktuellen Fassadenfarbe kamen gut erhaltene polychrome Malereien zum Vorschein, welche stilistisch der Bauzeit entsprechen. Die im letzten Jahr freigelegten und restaurierten Malereien rahmen die Fenstergewände und erweitern diese architektonisch durch gemalte Profilierungen, Dreiecksgiebel, Ornamente und Vögelchen auf den Giebelspitzen – in diesem Fall äusserst willkommenes Gefieder!

In diesen Wochen wurde im Gebäudeinnern eine von Akanthusblättern umrankte Fenstersäule entdeckt. Mit etwas Glück kann dieser Fund dazu beitragen, den Geheimnissen des Hauses auf die Spur zu kommen. (Judith Bertram)