Hauptmenü

Ausgrabungen & Untersuchungen

Fernwärme und Archäologie in Kaiseraugst

Blick in einen offen Fernwärmeleitungsgraben, der verschalt ist. Rechts ein Grabungsmitarbeiter, der dokumentiert, im Hintergrund zwei Bagger.

Die Kantonsarchäologie begleitet seit November 2024 die Fernwärmeerschliessung in Kaiseraugst. Dies erlaubte zahlreiche archäologische Entdeckungen.

Seit November 2024 werden der historische Dorfkern von Kaiseraugst für die Fernwärmeversorgung erschlossen und diese Arbeiten von der Kantonsarchäologie begleitet. Die Hauptleitung verläuft grösstenteils in bestehenden Leitungsstrassen, doch die Bauarbeiten brachten dennoch bereits zahlreiche archäologische Befunde und Funde ans Licht.

Das lange gesuchte Osttor des Castrum Rauracense

In einem verschalten Fernwärmeleitungsgraben sind mehrere Sandsteinblöcke als Fundament aufeinandergeschichtet.
Die Fundamentlage des Osttors aus grossen Buntsandsteinblöcken. Foto Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau

Im April 2025 wurde im Trassee der Hauptleitung, auf Höhe des ehemaligen Gasthofs "zur Sonne", das Fundament des Osttors des Castrum Rauracense freigelegt. Erhalten haben sich die untersten Fundamentlagen aus grossen Buntsandsteinblöcken, die hier sekundär als Spolien verbaut waren. Sie dürften ursprünglich aus monumentalen Bauten von Augusta Raurica – etwa dem Theater – stammen. Der Fundamentaufbau entspricht damit im Wesentlichen demjenigen des Westtors, das 1975 grossflächig untersucht worden war. Mit diesem Befund ist der archäologische Nachweis des Osttors des Castrum erstmals erbracht. Da die Castrumsmauer unter Bundesschutz steht, wurden die freigelegten Baureste mit Sand abgedeckt und die Leitungen oberhalb des Fundaments geführt.

Kaiserzeitliches Gebäude beim Restaurant "Adler"

Freigelegte Mauerecke eines Gebäudes mit bemalten Wandverputz.
Lehmwand innerhalb eines kaiserzeitlichen Gebäudes mit Wandmalerei: Sockelzone mit der Darstellung eines gekörnten Marmors mit gelben und roten Spritzern und Tupfen auf einem dunkelgrauen fast schwarzen Grund. Foto Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau

Auf Höhe des Restaurants "Adler" tangierte die Trassee ein komplexes kaiserzeitliches Gebäude, das bereits bei früheren Werkleitungsarbeiten mehrfach angeschnitten worden war. Es bestand aus mehreren Räumen, die teilweise mit Mörtelgussböden und Wandmalereien reich ausgestattet waren. Darüber hinaus wurden im Gebäude mehrere Kanäle erfasst, deren Funktion vorerst ungeklärt bleibt.

Befunde in der Kirchgasse: Torbau und Mittelalterliche Gräber

Eine Ausgrabungsmitarbeiterin kniet in einem Graben über einer Grabgrube und dokumentiert ein Skelett.
Felddokumentation der Körperbestattungen. Foto Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau

Bei der Begleitung des Seitenstrangs in der Kirchgasse kam das Fundament des Torbaus der hochmittelalterlichen Kirchhofumwehrung zum Vorschein. Im Zuge eines Hausanschlusses ebenfalls an der Kirchgasse konnten drei geostete Körpergräber dokumentiert werden. Die Bestatteten, zwei Frauen und ein Mann, lagen direkt übereinander, ohne sich gegenseitig zu stören, was auf eine zeitliche Abfolge der Niederlegungen hindeutet. Bemerkenswert ist zudem, dass sie ausserhalb des auf einem Plan von 1835 eingetragenen Friedhofareals lagen, was auf ein deutlich höheres Alter der Gräber schliessen lässt.

Ansicht eines Skelettes, links der SChulter ein Massstab und rechts daneben eine Fototafel.
Frühmittelalterliche Körperbestattung im alten Pfarreifriedhof bei der Galluskirche. Foto Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau

Anthropologische Untersuchungen

Die anthropologische Untersuchung der Skelette im Sammlungszentrum von Augusta Raurica ermöglichte erste Aussagen zu Sterbealter, Geschlecht und möglichen Krankheiten der Verstorbenen. So befanden sich unter den geborgenen Skeletten zwei weibliche Individuen:

  • Jüngere Frau (18–21 Jahre): Körperhöhe etwa 1,60 Meter, erlitt als Jugendliche ein Trauma im Bereich des Kreuzbeins und der Lendenwirbelsäule.
  • Ältere Frau (45–60 Jahre): Körperhöhe etwa 1,54 Meter, litt unter starker Arthrose im Schulter-, Beckengürtel und der Wirbelsäule, Skoliose sowie schlechter Zahngesundheit.

14C-Datierungen

Da die beigabenlosen Bestattungen keine datierbaren Objekte enthielten, wurden die Skelette mittels Radiokarbonmethode (C14) datiert:

  • Älteste Bestattung: 773–963 n. Chr. (Frühmittelalter)
  • Mittlere Bestattung: 840–986 n. Chr. (Frühmittelalter)
  • Jüngste Bestattung: 990–1120 n. Chr. (Übergang Früh- zum Hochmittelalter)

Die drei Gräber zählen somit zu den ältesten bislang bekannten Bestattungen dieses Friedhofs.

Ausblick

Blick in einen offen Fernwärmeleitungsgraben, der verschalt ist. Rechts ein Grabungsmitarbeiter, der dokumentiert, im Hintergrund zwei Bagger.
Die Fundamentlagen des Osttors des Castrum Rauracense während der Freilegung. Foto Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau

Die Bauarbeiten in Kaiseraugst zeigen, wie moderne Infrastrukturprojekte und Archäologie Hand in Hand gehen können. Die Fernwärmeerschliessung und ihre archäologische Begleitung werden 2026 mit einer abschliessenden Etappe fertiggestellt.