Ein stattliches Bürgerhaus in Klingnau
Eine Bauuntersuchung der Kantonsarchäologie an einem Bürgerhaus in Klingnau ermöglicht im Frühling 2026 einen tiefen Einblick in die Stadtgeschichte.
Die Baugeschichte der Bürgerhäuser in der Altstadt von Klingnau ermöglichen einen tiefen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Städtchens. Die Erfassung der komplexen Abfolge von Bauphasen, die bis in die Gründungszeit der Stadt im Jahre 1239 zurückreichen, ist für die Bauforschenden eine besondere Aufgabe.
Bauuntersuchung der Kantonsarchäologie
Im Herbst 2025 untersuchte die Equipe für Mittelalterarchäologie und Bauforschung der Kantonsarchäologie das Bürgerhaus an der Schattengasse 41. Im Vorfeld hatte die Eigentümerschaft in minutiöser und bemerkenswert ausdauernder Handarbeit den Rückbau der modernen Einbauten und Verputze selber geleistet. Nur für die Entfernung der Bad- und Kücheninstallationen wurde der Baumeister und für die statische Beurteilung des Dachwerks der Zimmermann beauftragt.
Ein Bürgerhaus aus der Stadtgründungszeit
Das Haus ist südseitig an die rund 11 Meter hohe Stadtmauer aus der Stadtgründungszeit im 13. Jahrhundert angebaut. Die Stadtmauer ist im Unter- und Erdgeschoss noch erhalten, in den Obergeschossen wurde sie im 20. Jahrhundert durch eine dünne Backsteinwand ersetzt. Es ist somit unbekannt, ob die Stadtmauer in diesem Bereich über Zinnen und einen Wehrgang verfügte.
Gleichzeitig mit der Stadtmauer entstand ein erster eingeschossiger Steinbau, der womöglich über einen hölzernen Auf- und Vorbau verfügte. Im 14. Jahrhundert wurde das Steingebäude aus dem 13. Jahrhundert mehrfach verändert, zum ersten Mal um 1305. Das Gebäude wurde in Stein und Holz aufgehöht und offenbar auch in Richtung der Schattengasse verlängert. Ihren Abschluss fanden die Bauarbeiten an der Schattengasse 41 nach 1367, als die heutigen Deckenbalken eingebaut wurden. Die Mauern, die das Gebäude zu den Nachbarn begrenzen, müssen im 13. oder frühen 14. Jahrhundert entstanden sein, denn Brandrötungen an diesen Wänden deuten darauf hin, dass die hölzernen Vor- und Aufbauten vor 1367 abbrannten. Es muss sich um Haus- oder Stadtbrände handeln, die keinen Eingang in die Archivalien gefunden haben. Die Deckenbalken, über die sich die Umbauten im 14. Jahrhundert fassen lassen, befinden sich im Steinbau an der Stadtmauer und wurden durch ihre Lage vom Feuer verschont und sind so für die Nachwelt erhalten geblieben. Die vielen Umbauten im 13./14. Jahrhundert zeigen, dass die Stadt in jener Zeit im Aufbau war und sich mehrfach veränderte.
Drei Geschosse
Mit dem Bau des Gebäudes, das nach 1367 entstand, erreichte die Schattengasse 41 ihre heutigen Dimensionen. Das Gebäude ist seither dreigeschossig und verfügte damals über einen Balkendeckenkeller. Während das Erdgeschoss als Lagerraum, Stall und Werkstatt diente, befand sich im 1. Obergeschoss die gute Stube, im 2. Obergeschoss eine kleinere Stube. Die gassenseitige Wand bestand aus Stein mit einer hölzernen Reihenfensterung. Im mittleren Raum im 1. Obergeschoss befand sich die Küche, wobei sich an der steinernen Ostwand ein grosser Kaminzug befand, unter dem das Herdfeuer brannte und der Kachelofen in den Stuben im 1. Obergeschoss eingeheizt werden konnte. Die Kammern im rückseitigen Steinbau dürften der Bewachung der Stadtmauer und zum Schlafen gedient haben.
Der grosse Stadtbrand von 1586
Vom grossen Stadtbrand 1586 war die Schattengasse 41 nur geringfügig betroffen. Aus den Archivalien geht hervor, dass nur der Dachstuhl abbrannte, während beim ostseitigen Nachbarsgebäude auch das Obergeschoss Schaden nahm, beim westseitigen ebenfalls nur der Dachstuhl. Die Spuren des Brandes und der nachfolgenden Reparaturen lassen sich im Mauerwerk im 2. Obergeschoss gut nachvollziehen.
Um 1632 wurde der Dachstuhl erneuert, im frühen 18. Jahrhundert die Stube vergrössert und neue Fenster eingebaut. In der Folge musste die Küche verkleinert werden, indem der Kaminzug und der Herd verschoben wurden. Im 19. Jahrhundert erfolgten weitere geringfügige Anpassungen bei den Fenstern und wohl auch in der Ausstattung, von der wir über die ganzen Jahrhunderte keine Kenntnis haben. Eine grosse Veränderung in der Geschosseinteilung bedeutete der Ersatz des Balkenkellers durch einen Gewölbekeller.
Spätestens seit dem frühen 19. Jahrhundert bewohnten und wirkten zwei (Kupfer-)Schmiede in dem Gebäude. Ihr Handwerk übten sie wohl im Erdgeschoss aus, wo sie an den Wänden ebenfalls ihre Spuren hinterlassen haben.