Das Bohler-Haus in Klingnau
Im Vorfeld des Umbaus des Bohler-Hauses in Klingnau enthüllte die Bauuntersuchung der Kantonsarchäologie im März 2026 bisher unbekannte Details
Das "Bohler-Haus", benannt nach den letzten Besitzern, denen das Gebäude ab 1917 gehörte, befindet sich im Probstei-Bezirk des Klosters St. Blasien in der Unterstadt von Klingnau. Die Unterstadt liegt am südwestlichen Hangfuss des Städtchens, wo sich seit der Stadtgründungszeit im mittleren 13. Jahrhundert sowohl Ökonomiebauten als auch Bürgerhäuser befanden. Bekannt geworden ist das Bohler-Haus durch seine Funktion als Kornschütte im ausgehenden 15. Jahrhundert.
Bauuntersuchung der Kantonsarchäologie
Im März 2026 hatte die Kantonsarchäologie die Gelegenheit, das Gebäude bauarchäologisch zu untersuchen. Die bisherigen Erkenntnisse, die bereits durch die Nachforschungen der Inventarisation der Kantonalen Denkmalschutzobjekte publik geworden sind, konnten ergänzt und geschärft werden. Sobald der Umbau startet, wird die Equipe des Bereichs Mittelalter den Umbau begleiten und Freigelegtes nachdokumentieren. Zum Beispiel müssen Wände, die vom Verputz befreit werden, erneut beurteilt werden, weil nachträgliche Veränderungen sichtbar werden. Dieses Vorgehen hilft dabei, offengebliebenen Fragen nachzugehen.
Entstanden zur Stadtgründungszeit
Im Zuge der Bauuntersuchung zeigte sich, dass das Gebäude bereits zur Stadtgründungszeit im mittleren 13. Jahrhundert entstanden sein muss. Es wurde nicht nur an die Stützmauer der Oberstadt angebaut, sondern die Westwand, und möglichweise auch die Ostwand, wurden gleichzeitig mit der Stützmauer errichtet. Es gibt nur noch wenige Spuren der damaligen Benutzung, zum Beispiel die zugemauerten Spitzbogen- und Schlitzfenster in der Gassenfassade oder der Rest der einstigen Deckenkonstruktion im Erdgeschoss. Wozu das Gebäude genutzt wurde, ist unbekannt. Die Spitzbogenfenster deuten darauf hin, dass das Gebäude repräsentativen Charakter hatte, die Schlitzfenster wiederum passen zu einem Speicher oder einer Kornschütte. Vielleicht war es tatsächlich eine Kombination aus beidem?
Kornschütte
Frühestens 1493 wurde das Gebäude durch das Kloster St. Blasien zur Kornschütte umgebaut, die ein Volumen von 1911 Kubikmeter hatte. In der Südwand wurden das grosse Kielbogentor und der Eingang in der Südostecke aus gelbem Sandstein eingebaut. Die alte Konstruktion im Innern wurde entfernt und ein neues Ständerwerk aus Eichenholz eingebaut, das Grosso modo vor den Aussenwänden liegt. Die Eichen sind insofern bemerkenswert, als dass die Balken im Erdgeschoss rund 15 Meter lang und gerade gewachsen sind. Es handelt sich um schnell gewachsenes Kulturholz.
Stilistisch passen die Einbauten in die Spätgotik, nur der Dachstuhl aus Eichen- und Fichtenholz zeigt neben spätgotischen Elementen auch solche, die bereits barock anmuten. Die gesamte Konstruktionsweise spricht für die Kaufkraft der Bauherrschaft.
Umbau im 17. Jahrhundert
Verschiedene Spuren deuten auf einen Umbau im ausgehenden 17. Jahrhundert hin. Dazu zählen zahlreiche Segmentbogenfenster in den Wänden der Obergeschosse oder ein nachträglich eingebautes Mauergeviert im Erdgeschoss. Überall im Gebäude finden sich wiederverwendete Beschläge aus der Barockzeit, die zu diesem Umbau gehören könnten. Der Grund für die Veränderungen ist unbekannt.
Umbau zum Wohnhaus
Um 1812 wurde die Liegenschaft Unterstadtgasse 10 mit zwei anderen Gebäuden aus St. Blasianischem Besitz versteigert. Das Gebäude wurde vom damaligen Säckelmeister Fidel Heer ersteigert und zum Wohnhaus mit Stall umgebaut. Die Fälldaten des verwendeten Holzes deuten darauf hin, dass der Umbau im Jahr 1813 in Auftrag gegeben wurde, da das Holz in den Winterhalbjahren 1813/14 und 1814/15 gefällt wurde. Der Wohnungseinbau fand erst 1815 Eingang in die Fertigungsprotokolle.
Während das Erdgeschoss als Keller und Stall genutzt wurde, dienten die Obergeschosse fortan der Wohnnutzung: Fachwerkwände unterteilten die Stockwerke; die Wohnkammern im gassenseitigen Vorderhaus, Küche, Lager und Erschliessung im Hinterhaus. Es wurden neue, grosse Fenster in die Südwand eingelassen und die übrigen alten Fenster nach damaligem Geschmack überprägt. Die entstandenen Wohnräume wurden über Kachelofen geheizt, und die Wände verputzt. Schon bald nach der Erbauung wurden die Gipswände mit Tapeten verziert, deren mehrlagige Reste noch immer auf den Wänden kleben. In der Westwand deuten Spuren zudem auf einen Abort hin.
Auch der jetzige Umbau sieht eine Wohnnutzung vor, unter Beibehaltung der bestehenden historischen Bausubstanz der letzten 600 bis 800 Jahre.