Zusätzliche Sicherungsmassnahmen erforderlich
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Geologisches Phänomen beim Tagbautunnel in Oberwil-Lieli
Die Gründe für die Verformungen der Baugrube des Tagbautunnels in Oberwil-Lieli sind jetzt bekannt. Zusätzliche Sicherungsmassnahmen wurden angeordnet.
In der Region Mutschellen sind zurzeit umfangreiche Bauarbeiten im Rahmen des Projektes "Folgemassnahmen A20-A4 Mutschellen" im Gang. Ende Dezember 2005 ist an der Baugrube des Tagbautunnels in Lieli er ist Teil der Ortsumfahrung ein stark erhöhter Bergdruck festgestellt worden. Im Bereich des Tunnel-Ostportals waren dadurch Verformungen der Baugrube zu beobachten und zwar auf der Berg- wie auf der Talseite. Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) hatte vor Weihnachten darüber informiert.
Der erhöhte Bergdruck liess sich mit den vorhandenen Baugrundmodellen nicht erklären. Das BVU hat deshalb unverzüglich gemeinsam mit einem Expertenteam nach den Ursachen für die Gesteinsverschiebungen gesucht, um die nötigen Massnahmen zur Entschärfung der Situation in die Wege leiten zu können. Anhand zusätzlich angeordneter Messungen konnte nachvollzogen werden, dass sich ein Erdkörper bildete, der auf einer nur etwa Dezimeter starken Gesteinsschicht gleiten kann. Hinzu kommt ein Wasserdruck, der zusätzlich auf den Erdkörper wirkt und ihn unter einen Auftrieb setzt. Unerwartet kommt dieses Gleiten insbesondere, da die einzelnen Gesteinsschichten nahezu horizontal verlaufen.
Erfolgreiche Sofortmassnahmen
Die noch vor Weihnachten 2005 ergriffenen Sofortmassnahmen haben sich als richtig erwiesen. Die Baugrube ist damals zusätzlich mit Stahl- und Betonspriessen gestützt worden. Zudem wurden sämtliche Bohrpfähle mit einem zusätzlichen 70- Tonnen Anker stabilisiert sowie das elektronische Alarmsystem verfeinert. Seither sind die Verformungen der Baugrubenwand gestoppt und die Bauarbeiten können fortgeführt werden.
Die Bauingenieure rechnen nun aber damit, dass für den restlichen Teil der Baugrube die gleichen geologischen Phänomene zu erwarten sind. Die Projektverantwortlichen haben deshalb für die gesamte Baugrube zusätzliche Sicherungsmassnahmen angeordnet, um unzulässige Verformungen zu vermeiden. So wird die Betonkonstruktion des Tunnelgewölbes um 10 cm auf 50 cm verstärkt. Und zwischen den berg- und talseitigen Tunnelfundamenten werden rund alle sechs Meter zusätzliche Betonspriessen eingebaut.
Auswirkungen auf den Terminplan
Diese zusätzlichen Sicherungsmassnahmen werden sich auf den Terminplan auswirken. So verzögert sich die Wiederinbetriebnahme der Oberholzstrasse um rund drei Monate. Zurzeit laufen jedoch Abklärungen, wie diese Verzögerungen kleiner gehalten werden können. Die Mehrkosten für die zusätzlichen Massnahmen an der Baugrube und das stärkere Tunnelprofil belaufen sich auf rund CHF 7 Millionen. Da ein Grossteil des Projekts durch das Bundesamt für Strassen (ASTRA) finanziert wird, waren auch seine Experten in den letzten Wochen eng mit einbezogen.
Die Bevölkerung von Oberwil-Lieli ist am 14. Februar 2006 über die Gründe der Baugruben-Verformung sowie das weitere Vorgehen der Projektleitenden informiert worden.