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Weniger Schäden durch Graugänse :
Erfolgreicher Versuch am Reusstaler Flachsee

Die kantonale Jagd- und Fischereiverwaltung hat im Jahr 2003 am Reusstaler Flachsee ein dreijähriges Pilotprojekt lanciert, in dessen Rahmen die Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen durch Graugänse vermindert und eine weitere Zunahme des Graugansbestands verhindert werden sollten. Diese Ziele konnten dank der engen Zusammenarbeit von Landwirten und Jägern erreicht werden. Das Pilotprojekt wird deshalb in einen Dauerauftrag überführt.

Das Verbreitungsgebiet der Graugans erstreckt sich von Nordeuropa über das östliche Mitteleuropa und weiter über das Schwarze und Kaspische Meer bis nach Tibet. In Deutschland brüten heute etwa 5000 Paare. In der Schweiz wurde diese Vogelart bis vor 20 Jahren nur im Winter auf ihrem Flug nach Spanien und Nordafrika gelegentlich gesichtet. Selten überwinterten einzelne Tiere in der Schweiz. Seit 1983 brüten Graugänse im Naturschutzgebiet am Flachsee. Diese Tiere, darin sind sich die Experten einig, waren nicht natürlich zugeflogen. Es handelte sich um verwilderte Parkvögel.

Die Graugans-Population hat seither kontinuierlich zugenommen. Heute findet man rund um den Flachsee etwa 60 Tiere. Die Gänse breiteten sich in den letzten Jahren aus und brüten heute auch in den benachbarten Kantonen Luzern und Zug am Sempacher-, Mauen- und Zugersee sowie in den Kantonen Genf, Freiburg (am Lac de la Gruyère) und Bern (am Fanel). In der Westschweiz überwintern zudem regelmässig mehrere hundert Tiere. Die Graugans muss daher heute als einheimische Wildgansart betrachtet werden. Somit ist sie bundes- und kantonalrechtlich geschützt.

Graugänse richten lokal Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen insbesondere an Mais, Wintergetreide und Wiesland an. Dies führte am Reusstaler Flachsee seit Beginn der 90er-Jahre zu Spannungen zwischen der Landwirtschaft und dem Natur- und Vogelschutz. Die Sektion Jagd und Fischerei des Departements Bau, Verkehr und Umwelt hat deshalb im Jahr 2003 versuchsweise eine befristete Abschussbewilligung erteilt, um die Schäden zu reduzieren.

Dreijähriger Versuch erfolgreich abgeschlossen

Die im Rahmen des dreijährigen Versuchs gewählte Strategie hat sich bewährt. Der Abschuss einzelner Schaden stiftender Tiere führte dazu, dass die Graugänse die bevorzugten Kulturlandflächen mieden. Grössere Schäden blieben aus. Mit dem Anstechen von Eiern konnte zudem bewirkt werden, dass der Bestand nicht weiter anwuchs. Die Ziele des Pilotprojekts konnten also erreicht werden. Deshalb wird nun der Versuch in einen Dauerauftrag überführt. Die Jäger bekommen bis ins Jahr 2009 den Auftrag, auf gefährdeten Kulturlandflächen einzelne Schaden stiftende Graugänse zwischen dem 1. April und dem 30. September zu erlegen. "Die jagdlichen Massnahmen können nur in diesem Zeitfenster den gewünschten Effekt der Vergrämung erzielen", erklärt Jagdverwalter René Urs Altermatt. "Zudem werden auf diese Weise allenfalls wildziehende Wintergäste oder zum Verwechseln ähnliche Zugvogelarten wie die Saatgans nicht gefährdet." Die Landwirte sind angehalten, ihre Kulturen bestmöglich zu schützen. Der kantonale Unterhaltsdienst am Flachsee nimmt sich zudem den Graugansgelegen an. Der Graugansbestand soll bei ca. 50 bis 60 Tieren stabilisiert werden. René Urs Altermatt stellt fest: ?In unserer immer enger werdenden Kulturlandschaft ist es eine Aufgabe des modernen Wildtiermanagements, Strategien zur nachhaltigen Entschärfung von Konflikten zwischen Mensch und Wildtieren zu entwickeln. Am Flachsee ist uns dies gelungen."

  • Departement Bau, Verkehr und Umwelt