Weihgabe für Merkur in Kaiseraugst entdeckt
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Bei Notgrabungen südlich des Kastells stiessen die Archäologen auf spätrömische Spuren
Die Kantonsarchäologie Aargau führt an der Mühlegasse in Kaiseraugst eine Rettungsgrabung durch. Spuren einer Ofenanlage und einfacher Holzbauten aus der Kastellzeit sowie Reste eines römischen Steinbruchs sind freigelegt worden.
Das römische Castrum Rauracense (Kastell Kaiseraugst) ist am Übergang vom 3. zum 4. Jahrhundert errichtet worden, als nach dem Fall des obergermanisch-rätischen Limes die römische Reichsgrenze an den Hochrhein zurückgenommen wurde. Hinweise auf diese Zeit finden sich in den humosen Deckschichten über den Unterstadtquartieren von Augusta Raurica in Form von Münzen aus dem 4. Jahrhundert. Nun konnten einfache Strukturen aus dieser Zeit auch ausserhalb des Kastells freigelegt werden.
Aus den angrenzenden Parzellen war bekannt, dass an dieser Stelle Kalkstein abgebaut worden war. Es fanden sich schräg nach Südosten fallende Muschelkalkschichten, deren oberste Lagen in römischer Zeit ausgebrochen worden waren.
Über dem Steinbruch lagen Planierungen und eine schwarzgraue Schicht mit Holzkohlepartikeln. Sie enthielt mehrere hundert Münzen aus dem 4. Jahrhundert sowie andere Kleinfunde wie Haarnadeln, tordierte Armreiffragmente, Fingerringe, Ohrgehänge und auch zwei Waffenfunde.
Als die Grabungstechnikerin Shona Waddington eine Spolie (Architekturstück in Zweitverwendung) barg, zeigte sich auf der gegen den Boden liegenden Seite ein ganz erhaltenes Relief. Die Reliefdarstellung wird mit einer Inschrift ergänzt und weist als grosse Seltenheit noch Farbreste der Bemalung auf.
Der etwa 20 cm auf 20 cm kleine Kalkstein besteht aus einem Sockel, einer tempelförmigen Rahmung und in der Mitte aus der figürlichen Szene. Auf der rechten Seite des Reliefs steht der römische Gott des Handels Merkur mit seinen bezeichnenden Attributen: dem Heroldstab, dem Geldbeutel und dem Flügelhut.
Links von einem kleinen Altar ist eine zweite männliche Person zu sehen, die aber kleiner als Merkur dargestellt ist, was auf einen Sterblichen hindeutet. Da er mit beiden Händen einen Ziegenbock hält, kann man ihn entweder als Opfernden für Merkur oder als Opfergehilfen der Gottheit ansehen. Diese figürlichen Darstellungen werden durch die Elemente eines Tempels (Säulen und Giebel) umrahmt.
Die Überraschung im Labor von Augusta Raurica war gross, als die Restauratorin Maria Luisa Fernandez auf dem Sockel unterhalb des Merkurs eine eingeritzte Inschrift freilegte. Der durch diese Schreibweise nur schwer entzifferbare Text besagt, dass ein gewisser L R dieses Relief für viele Jahre dem Cissonius weiht. Cissonius ist ein Beiname des Merkurs von keltischem Ursprung. Es ist erst die vierte Erwähnung dieses einheimischen Gottes im Gebiet der heutigen Schweiz.
Dieses Weihrelief stand in römischer Zeit sicherlich in einem Heiligtum, bevor es in der Spätantike verschleppt wurde. Offenbar wollte sich ein Händler beim Merkur Cissonius für gute Geschäfte oder in Aussicht auf solche bedanken.Der Fund ist der Schlussstein dieser Ausgrabung, die vergangene Woche beendet worden ist.