„Was ist guter Leseunterricht?“
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Eine neue Studie und ein neues Lehrmittel geben Antwort
Buchvernissage am Mittwoch, 13. Juni 2007, 18.30 im Grossratsgebäude in Aarau.
Das Zentrum Lesen der Pädagogischen Hochschule FHNW hat am 13. Juni 2007 das Lehrmittel "Lesen. Das Training" vorgestellt. Das Buch ist soeben im Lehrmittelverlag des Kantons Aargau erschienen. Es gibt Einblick in ein neuartiges Lesetraining und beinhaltet stufenbezogene Trainingsmaterialien zum Aufbau von Lesefertigkeiten und Lesestrategien. Damit liegt erstmals ein Lehrmittel vor, das es erlaubt, Lesekompetenz systematisch und gezielt zu entwickeln.
Das neue Lehrmittel basiert auf der Forschungsstudie "Lese- und Schreibkompetenzen fördern", deren Ergebnisse ebenfalls an der Vernissage vorgestellt wurden. Die Studie untersuchte die Wirksamkeit zweier unterschiedlicher Unterrichtsmethoden. Verglichen wurde eine Unterrichtsanlage mit einem strikten und eng geführten Lesetraining auf der einen Seite mit einem offenen Leseunterricht, in dem die Schülerinnen und Schüler selbst ihre Lektüren bestimmen. Auf der Primarstufe und in Realklassen zeigen sich unterschiedliche Wirkungen dieser Unterrichtsmethoden. Das Projekt konnte dank der Unterstützung des Departements Bildung, Kultur und Sport des Kantons Aargau und von Bibliomedia Schweiz realisiert werden.
PISA-Studie als Auslöser
Seit einigen Jahren wird in der Schule und in der Fachdidaktik gefordert, dass die Qualität und des Unterrichts genauer überprüft und empirisch untersucht werden soll. Auf die dürftigen Resultate der Schweizer Jugendlichen in den Lesestudien PISA 2000 und 2003 hat das Zentrum Lesen an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz deshalb mit einem empirisch ausgerichteten Forschungs- und Entwicklungsprojekt reagiert. 58 Lehrerinnen und Lehrer haben mit ihren Schulklassen der Primar- und Realschule teilgenommen, insgesamt wurden 886 Kinder und Jugendliche in die Studie einbezogen.
Welche Unterrichtsmethoden sind besonders geeignet, Lesekompetenz bei allen Kindern und Jugendlichen zu sichern und die Lesemotivationen bei starken und schwachen Leserinnen und Lesern anzuregen und zu erhalten? Diesen Fragen ging die Studie nach und sie untersuchte über zwei Jahre hinweg die Wirkungen von zwei verschiedenen didaktischen Zugängen: einem offenen, motivationsorientierten Ansatz und einem eng geführten Lesetraining.
Welcher Unterricht zeigt welche Wirkung?
In der Primarschule zeigt sich, dass die beiden verschiedenen Methoden der Leseförderung kaum unterschiedliche Wirkungen auf Leseleistungen, Lesemotivationen und das Leseverhalten haben. Der offene Unterricht, in welchem Kinder Lektüren nach ihren Interessen frei wählen können, überzeugt zwar, weil er Lese- und Buchkultur in der Schule verbreitet. Für viele Jungen in der Primarschule (nicht für die Mädchen) bietet er allerdings Probleme: Sie entwickeln ihre Lesekompetenzen hier weniger gut. Viel grösser als der Einfluss der Methode ist jener der Lehrperson. Erklären lässt sich dieses Ergebnis so: Wenn Lehrerinnen und Lehrer jenen Unterricht durchführen, der ihnen am meisten liegt, wird Aufmerksamkeit frei, welche sie für die Beobachtung und Förderung der einzelnen Kinder einsetzen können. In der Realschule hingegen weisen die Ergebnisse auf deutlich unterschiedliche Effekte der Unterrichtsmethoden hin. Jene Klassen, welche mit einer Kombination von offener Leseförderung und Lesetraining unterrichtet werden, erzielen den grössten Lernzuwachs: Die Lesekompetenz, aber auch die Lesemotivationen und das Leseverhalten in der Freizeit verbessern sich bei Jungen wie bei Mädchen stärker, wenn sie einerseits Gelegenheit zum freien Lesen haben und andererseits einem systematischen Training folgen.
Weitere Ergebnisse finden sich auf der Website: www.zentrumlesen.ch/projekte (> Lese- und Schreibkompetenzen fördern).