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Warum Lehrkräfte kündigen :
Universität Bern hat 1600 Aargauer Lehrkräfte befragt

Aargauer Lehrkräfte unterrichten gern, leiden aber unter manchen Begleitumständen in ihrer Berufsausübung. Offenheit, Vertrauen und Anerkennung sind auch in der Schule wichtig für die Berufszufriedenheit. Dies geht aus der Befragung der kündigenden Lehrkräfte seit 1994 hervor.

Aus Anlass des Lehrermangels anfangs der 90er Jahre wurde im Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) zusammen mit einer Forschungsstelle der Universität Bern eine Befragung der kündigenden Lehrkräfte entwickelt. Seit 1994 wird allen, die ihre Stelle verlassen, ein entsprechender Fragebogen zugestellt. Der Rücklauf betrug im Durchschnitt repräsentative 70%. Parallel erhielt jeweils eine gleich grosse Gruppe Bleibender einen Fragebogen, um die Antworten vergleichen zu können. Die gleiche Befragung wird auch im Kanton Luzern durchgeführt. (Die Zusammenfassung der Studie "Lehrpersonen im Kanton Aargau: Ihre Berufszufriedenheit und ihre Kündigungsgründe" kann bezogen werden über Email: leb@ag.ch oder unter www.leb-ag.ch (Aktuelles).

Lehrkräfte sind zufrieden und kündigen doch

Der Anteil der Lehrkräfte, die durch einen Stellenwechsel einer unbefriedigenden Situation zu entkommen versuchen (sogenannte Druckmotivation), beträgt um die 20 % und ist damit im Vergleich zu anderen Berufsgruppen (Werte bis 70 %) gering. Die durch den Beruf hervorgerufenen Belastungen führen in den wenigsten Fällen zu Kündigungen. Am stärksten belastet fühlen sich Lehrkräfte der Realschule sowie die über Vierzigjährigen. Etliche im Verlauf der fünfjährigen Befragung gewonnene Ergebnisse stellen die Annahme, zufriedene Lehrkräfte blieben ihrem Beruf treu und andere für selbstverständlich gehaltene Voraussetzungen grundlegend in Frage. Fazit: Das Verhalten der Lehrkräfte ist nicht leicht zu prognostizieren. Obwohl Lehrkräfte gegenüber der Weiterentwicklung im Schulwesen kritisch eingestellt sind, fühlen sie sich durch Reformprojekte wenig belastet.

Das Unterrichten steht im Zentrum

Das Image, welches dem Lehrberuf zur Zeit anhaftet, wird teilweise relativiert. So bestehen zwar hohe Belastungen durch Schülerinnen und Schüler, aber die Erwartungen der Eltern und Erziehungsberechtigten an die Schule sind ungleich stärker belastend. Der angeschlagene Ruf der Schule in der Öffentlichkeit hat Auswirkungen auf die Atmosphäre in den Schulen. Natürlich steht die Arbeit mit den Kindern für die Mehrheit der Befragten im Zentrum und erlaubt einen hohen Grad an Selbstverwirklichung.Wie der Vergleich mit Daten einer aktuellen Studie des Instituts für Markt- und Kommunikationsforschung (d&s) zeigt, ist der Ruf der Firma für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wichtig: "1988 hat nur knapp jeder 5. Arbeitnehmer den guten Ruf der Firma als wichtig betont, 1998 jeder 4., 2001 bereits jeder 2." Entsprechend beklagen Lehrkräfte das tiefe Ansehen ihres Berufes in der Öffentlichkeit und mangelnde berufliche Aufstiegsmöglichkeiten.

Vergleich Privatwirtschaft - Schule

Der Vergleich der beiden Studien zeigt, dass in der Wirtschaft und in der Schule ähnliche Anliegen geäussert werden. Offenheit, Vertrauen und Anerkennung werden Salärfragen oder Ferienansprüchen deutlich übergeordnet. Diese Ansprüche sind im Schulbereich schwieriger einzulösen. In der Privatwirtschaft gibt es Optionen, sich Anerkennung aktiv zu holen. Lehrkräfte sind aber dem Negativ-Feedback ausgesetzt, das sich aus jedem "öffentlichen" Problemfall ergibt, und sind für positive Rückmeldungen auf wenige Eltern, Behörden oder Politiker angewiesen. Es ist entscheidend, dass diese Leute diese Verantwortung entsprechend wahrnehmen.

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