Vielfältiges Handwerk in Vindonissa
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Neues von den Ausgrabungen auf dem Areal Vision Mitte
Zur Zeit läuft in Brugg / Windisch, im Areal der künftigen Campusbauten der Vision Mitte, die letzte Ausgrabungskampagne. An der Ausfallstrasse nach Augusta Raurica wurden zwei Häuserzeilen der Zivilsiedlung von Vindonissa freigelegt. Vielfältige Spuren von Handwerk und Gewerbe geben Einblick in das Arbeitsleben der Bewohner.
Seit März wird die vor zwei Jahren begonnene archäologische Untersuchung des Bodens unter den zukünftigen Campusbauten weitergeführt. Die diesjährigen Grabungsflächen liegen am nordwestlichen Rand der Zivilsiedlung von Vindonissa, beidseits der Ausfallstrasse nach Augusta Raurica (Augst / Kaiseraugst).
Die schon 2006 angeschnittene Überbauung nördlich der römischen Strasse wird weiter freigelegt. Bisher liegen Reste von zehn Häusern vor. Südlich der Strasse kommen jene Häuser hinzu, deren Keller schon 1911 beim Bau des Bierdepots Feldschlössli ausgegraben wurden. Hier ist mit mindestens sieben weiteren Häusern zu rechnen. In diesen Häusern lebten einst einheimische Handwerker mit ihren Familien, die vom Verkauf ihrer Produkte im nahen Legionslager profitierten.
Hinweise auf Gerber- und Schmiedewerkstätten
Die in der Regel 200-300 m2 grossen Häuser standen auf Parzellen von rund 10 Meter Breite und über 40 Meter Länge. Zur Strasse hin waren sie von einem Laubengang gesäumt. In den kaum unterteilten Innenräumen kommen Feuerstellen und einige in den Boden eingelassene Fässer zum Vorschein. Einige Feuerstellen dienten als Herde zum Kochen der täglichen Mahlzeiten, andere wurden als Esse zum Schmieden von Eisen oder zum Erhitzen von Metall für Bronzeguss genutzt. In den Fässern könnte man einst Urin gesammelt haben, den man zum Gerben der Tierhäute brauchte. Dass dieses Handwerk hier betrieben wurde zeigt der dabei anfallende Abfall von Fuss- und Schädelknochen, welcher in grossen Mengen zum Vorschein kommt. Hinter den Häusern befanden sich umzäunte Hinterhöfe mit einigen Latrinen und vielen Kellergruben, in denen einst Lebensmittel kühl gelagert wurden.
In einer der Latrinen kamen überraschend 29 Münzen zum Vorschein. Einem Benutzer dieses Plumpsklos ist wohl der Geldbeutel ins übel riechende Senkloch gefallen. Offenbar stellten die stark abgegriffenen Münzen keinen besonders grossen Wert dar, so dass er sie nicht geborgen hatte.
Besonders interessant sind die durch Installationen und Abfälle nachweisbaren unterschiedlichen Handwerke. Öfen, Feuerstellen, eine Gussform und grosse Mengen von Schlacken belegen das Schmieden von Eisen und das Giessen von Bronze, ein kreisförmiger Ofen zeugt von der Arbeit eines Wagners. Im Boden eingelassene Fässer und Knochenabfälle bezeugen das Gerben von Tierhäuten, Webgewichte das Weben von Textilien, Brennöfen sowie grosse Mengen von Fehlbränden das Töpferhandwerk.
Einladung zur letzten öffentlichen Führung 2008
Die Kantonsarchäologie Aargau lädt die Bevölkerung zum Besuch der laufenden Grabungen ein. Es ist voraussichtlich die letzte öffentliche Führung dieses Jahres:
Donnerstag, 28. August, um 18:30 Uhr
Treffpunkt in Windisch: Info-Posten der Kantonsarchäologie beim Bahnhofausgang Windisch.