Umdenken öffnet Horizonte
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Kanton wirbt für Chancengleichheit in Bildung und Arbeit
Mann oder Frau: Von wem würden Sie lieber Ihr Auto reparieren lassen? Von wem im Spital lieber gepflegt werden? Solche Fragen stehen im Zentrum einer Sensibilisierungs-Kampagne zur Chancengleichheit, die vom 19. Oktober bis 8. November auch im Aargau durchgeführt wird.
Bis 8. November vermittelt die kantonale Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern mit Plakaten im aargauischen Regionalverkehr Denkanstösse zum Rollenverständnis zwischen Mann und Frau in der Arbeitswelt. Die Plakate in Bahn und Bus bezwecken ein Umdenken nach dem Motto "Warum eigentlich nicht?": Unter den Gesichtern einer Frau und eines Mannes wird beispielsweise gefragt: "Von wem würden Sie lieber Ihre Wohnung putzen lassen?"
Mit einem breiten Versand von Informationsmaterial werden weite Kreise eingeladen, sich mit dem Thema zu befassen. Lehrkräfte der 3. Oberstufenklasse erhalten eine Dokumentation, die ihnen eine Bearbeitung des Themas in Unterricht und Elternarbeit erleichtern soll. Ein Informationsblatt für Lehrbetriebe gibt konkrete Tipps, wie junge Frauen für "Männerberufe" angesprochen werden können. Postkarten und Kleinplakate zur Kampagne sind kostenlos erhältlich bei der kantonalen Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern (FGFM, Telefon 062 835 12 12).
Den Startschuss zur Umdenk-Offensive gab am Montag eine Medienkonferenz in Aarau mit Regierungsrat Peter Wertli und weiteren Referentinnen und Referenten aus Technik, Industrie und Verwaltung. Unter anderem wurde dort folgendes festgehalten:
- Nach wie vor wählen junge Frauen ihren Beruf aus einem engeren Spektrum als junge Männer.
- "Weibliche" Berufe haben häufig eine kürzere Ausbildungsdauer.
- Für einen Beruf im Bereich Technik, Elektronik und Mechanik entscheiden sich nur etwa 10 Prozent der jungen Frauen. Viele Betriebe in technischen Branchen bedauern das.
- Es ist das erklärte und gesetzlich verankerte Ziel, den Fachhochschulbereich Technik auch jungen Frauen zugänglich zu machen.
Schule hat Schlüsselfunktion
Regierungsrat Peter Wertli hielt fest, eine Ausweitung des Rollenverständnisses eröffne neue Chancen und Möglichkeiten. Die Schule präge Einstellungen und könne "ganz entscheidend dazu beitragen, dass Frauen auch in in traditionellen Männerberufen von der Gesellschaft als selbstverständlich wahrgenommen werden". Barbara Ruf, Co-Leiterin der kantonalen Fachstelle, führte aus, dass Motivation alleine nicht ausreiche. Es seien auch strukturelle Veränderungen im Bereich typischer Frauenausbildungen notwendig. Dr. Julia A. Kuark, Präsidentin der Schweizerischen Vereinigung der Ingenieurinnen (SVIN), bemängelte, dass sich Ausbildungspläne technischer Berufe und Studien nach einem männlichen Massstab ausrichteten. Sie plädierte für eine ganzheitliche Ausbildung und Unterstützung durch weibliche Vorbilder. Die SVIN biete deshalb Technikwochen für Kantonsschülerinnen an, in denen Technik erlebbar gemacht wird. Lehrlingsbetreuer Kurt Rüttimann von der ABB Schweiz betonte die positiven Erfahrungen, die der grösste private Arbeitgeber im Aargau mit der Ausbildung junger Frauen in technischen Berufen macht. Neu bietet ABB Schweiz "männliche" Lehrstellen deshalb auch auf der Internet-Lehrstellenbörse für Mädchen (www.LENA-Girl.ch) an .