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Psychologische Betreuung bei Grossereignissen :
Erkenntnisse der modernen Psychotraumatologie - Umsetzung im Aargau

Der Kanton Aargau hat aus Katastrophen wie Luxor, Halifax oder dem Zugsunglück in Eschede Lehren gezogen: Mit der Umsetzung des neuen Konzeptes "Psychiatrie in ausserordentlichen Lagen und Psychotraumatologie" will er bei Unfällen und Katastrophen auch die psychologische Betreuung für Opfer, Angehörige und Helfende sicherstellen.

Mit dem Koordinierten Sanitätsdienst KSD besteht seit Jahren eine Organisation, die bei Grossunfällen oder grösseren Naturereignissen zum Tragen kommt, die mit normalen Mitteln nicht beherrscht werden können. Das Schwergewicht in den letzten Jahren lag beim Bewältigen der körperlichen Verletzungen. Doch was geschieht, wenn Unglücksopfer und deren Angehörige, aber auch die Helfer mit den psychischen Folgen solcher Ereignisse nicht mehr fertig werden?

Aufbauend auf den weltweiten Erkenntnissen über psychische Reaktionen auf ausserordentliche Ereignisse hat der Kanton Aargau ein neues Konzept "Psychiatrie in ausserordentlichen Lagen und Psychotraumatologie" erarbeitet. Der Regierungsrat hat es auf den 1. Januar 2000 in Kraft gesetzt.

Laut Konzept sollen alle Fachleute, die bei Rettungen im Einsatz sind, wissen, wie Menschen auf ausserordentliche Ereignisse reagieren, wie sie zu betreuen sind und wie mit ihnen korrekt umgegangen werden soll. Die Fachleute sollen aber auch wissen, wie sie sich selbst vor Überforderungen schützen können. Die Pfarrerinnen und Pfarrer der Landeskirchen können bei Bedarf zur Betreuung vor Ort beigezogen werden. Als Notfallanlaufstelle kann das Telefon 143 (Die Dargebotene Hand) gewählt werden. Dort erhalten Betroffene erste Hilfe und Beratung, wo sie weitere Hilfe erhalten können. Die Fachleute, die professionelle psychologische Hilfe und Behandlung anbieten, werden so organisiert, dass ihnen Hilfebedürftige innert 48 Stunden zugewiesen werden können. So sollen Spätfolgen, sogenannte posttraumatische Störungen vermieden werden. Die Bevölkerung soll regelmässig informiert werden. Eine Begleitgruppe unter der Leitung des Gesundheitsdepartementes organisiert und begleitet die Umsetzung.

Schulung der Betreuungs- und Rettungsdienste

Über 300 Angehörige der Rettungsdienste und Interessierte liessen sich am vergangenen Donnerstag von Dr. Jürg Häfliger (Institut für Psychotraumatologie, Zürich) in die Erkenntnisse der Psychotraumatologie-Forschung einführen. Weit mehr, als früher soll laut Dr. Jürg Unger-Köppel, Chefarzt des Kinder und Jugendpsychiatrischen Dienstes, auch der psychologischen Betreuung von Kindern ein wichtiges Augenmerk geschenkt werden. Dr. Roderick Orner (Lincoln GB) stellte den Fortgeschrittenen KursteilnehmerInnen in die heute weltweit bekannten Erkenntnisse zusammen.

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