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Projektwettbewerb "zu Tisch" :
Drei Siegerprojekte im Wettbewerb des Aargauer Kuratoriums zum Immateriellen Kulturerbe

Das am 1. Januar 2010 in Kraft getretene revidierte Aargauer Kulturgesetz legt den neuen Förderbereich Immaterielles Kulturerbe in die Verantwortung des Aargauer Kuratoriums. Zur Sensibilisierung der Kunstschaffenden aller Sparten schrieb das Aargauer Kuratorium Anfang Januar einen Wettbewerb aus.

Neuland

Mit dem Wettbewerb "zu Tisch" hat das Aargauer Kuratorium Neuland betreten; entsprechend gespannt war die Jury auf die Einsendungen. War es der Ausschreibung gelungen zu verdeutlichen, dass das Immaterielle Kulturerbe zum Stoff für zeitgenössisches künstlerisches Schaffen werden kann?

40 Gesuche, schwerpunktmässig aus dem Bereich der Bildenden Kunst, durfte die Jury unter dem Vorsitz von Michel Mettler begutachten. Die Musik war mit nur einem Projekt untervertreten, im Mittelfeld lagen Theater und Literatur, ebenso die spartenübergreifenden Projekte.

Zunächst fiel auf, wie viel Mühe es bereitet, den abstrakten Begriff des Immateriellen Kulturerbes auf den Boden des konkreten künstlerischen Tuns herunterzuholen. Viele Projekte arbeiteten sich illustrativ am Tisch als Motiv oder Requisit ab. Gesucht aber waren künstlerische Arbeiten aus allen Sparten, die den Tisch als Kristallisationsobjekt betrachten, an dem sich Immaterielles Kulturerbe zeigt und dingfest machen lässt also Gebräuche, eingespielte Verhaltensweisen, Alltagskultur ebenso wie sorgsam gehütete und bewahrte Rituale.

Die drei siegreichen Projekte

Auf Antrag der Jury wählte das Plenum des Aargauer Kuratoriums am 22. Juni folgende Projekte zur Realisierung aus:

Christian Kuntner legt mit "Stöck, Wiis, Stich" eine bestechend schlichte, bei näherer Betrachtung äusserst vielschichtige audio-installative Arbeit vor: Er zeichnet die Tonspur einer Jassrunde auf und stellt sie akustisch in den Raum zu sehen sind nur die vier Stühle, nicht aber der Tisch, auf den die Karten zu liegen kommen. Frappant, wie hier der Tisch als Leerstelle greifbarer im Raum steht als bei vielen gegenständlichen Umsetzungen.

Der Schauspieler Werner Bodinek und der Schlagzeuger Marco Käppeli planen einen musik-theatralen Abend rund um die Geschehnisse an einer festlichen Abendtafel. Unter dem Titel "Ohr isst mit" und in einem raffinierten Umklapp-Bühnenbild zeichnen sie in mehreren Gängen Essgeschichten und Tafelgeräusche nach und verknüpfen sie zu einer szenischen Duo-Feinschmeckerei.

Eine breite Enquête zu den Tisch- und Essgebräuchen aus drei Generationen hat sich das Medienkunst-Trio "île flottante" Andrea Gsell, Nica Giuliani und Stephan Brunner vorgenommen. Die Ergebnisse wollen sie in einer Installation erfahrbar machen: Auf einem interaktiven Tisch erschliessen sich in diesem Storytelling-Projekt anhand von Gebrauchsspuren (Kratzer, Flecken usw.) die Assoziationen und Erinnerungen der Befragten über Kopfhörer.

  • Departement Bildung, Kultur und Sport