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Eine Sonnenuhr aus Vindonissa :
Ein sensationeller Fund aus römischer Zeit

In der Zivilsiedlung von Vindonissa kam bei den seit 2006 laufenden Ausgrabungen im Gebiet der geplanten Camusüberbauung Vision Mitte der Fachhochschule Nordwestschweiz eine überaus seltene Sonnenuhr römischer Zeit zum Vorschein.

Da staunte die Studentin nicht schlecht, als sie einen der verdächtigen weissen Steine eines kleinen Fundaments umdrehte. Sie wollte nur schauen, ob es sich um ein behauenes Architekturfragment handelt oder um einen gewöhnlichen Mauerstein und hielt das Fragment einer Sonnenuhr in der Hand.

Aus dem 1. Jahrhundert n. Chr.

Der Stein war als Baustein in einem Handwerkerhaus in einem kleinen Fundament verbaut, das einen Holzpfosten getragen haben könnte. Das Haus lag im zivilen Gewerbequartier nordwestlich des Legionslagers Vindonissa und war im späten 1. Jahrhundert n. Chr. bewohnt. Demnach gehört die Sonnenuhr ins frühere oder mittlere 1. Jahrhundert. Wo sie einst stand, ist unbekannt.

Die Sonnenuhr besteht aus einem schalenförmig zugehauenen Kalkstein, in dessen Innenseite strahlenförmig Rillen eingegraben sind. Diese begrenzen gleichschenkelige Dreiecke, welche die zwölf Stunden des Tages angeben. Im gleichen Fundament lag ein weiterer weisser Stein, der sich als Sockel der Sonnenuhr entpuppte.

Ursprünglich war die Sonnenuhr aus einem einzigen Stein gehauen. Sie brach am Übergang vom Sockel zur eigentlichen Uhr auseinander. Offensichtlich wurde sie geflickt. Dafür meisselte man beim Sockelfragment eine Vertiefung in die Bruchstelle und bohrte in beide Fragmente je zwei Löcher. Diese dienten dazu, Stifte aufzunehmen, so dass man die beiden Fragmente genau aufeinander setzen konnte. Anschliessend goss man die Vertiefung im Sockel mit Blei aus, so dass beide Fragmente satt aufeinander sassen.

Seltener Fund

Sonnenuhren römischer Zeit sind sehr selten, der Neufund von Vindonissa ist erst die vierte in der Schweiz gefundene Sonnenuhr. Eine ähnliche fand sich in Aventicum (Avenches) und ist heute im Musée Romain zu bewundern. Aus Vindonissa kennen wir seit langem eine Sonnenuhr aus einem flachen Kalkstein.

Der Neufund aus Vindonissa wird sicherlich die im Aufbau begriffene Dauerausstellung über das zivile Leben im oberen Stock des Vindonissa-Museums bereichern, deren Eröffnung für den Oktober 2009 vorgesehen ist.

In einer Zeit, als noch nicht jede Frau und jeder Mann eine Armbanduhr auf sich trug und die Zeit und deren Messung noch nicht demokratisiert waren wie heute, stellte eine eigene Sonnenuhr ein besonderes Privileg und ein bedeutendes Statussymbol dar.

  • Departement Bildung, Kultur und Sport