Das Gymnasium Aargau unter der Lupe
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Erste Ergebnisse der Evaluation der neuen Maturitätslehrgänge
Drei Viertel der Schülerinnen und Schüler schätzen die Belastung durch die Schule als eher hoch ein. Für 20 Prozent ist die Belastung eher tief. Nur wenige fühlen sich über-, fast niemand unterfordert. Dies ist ein wichtiges Ergebnis einer umfassenden Befragung an den aargauischen Kantonsschulen.
Seit 1999 erfolgt im Kanton Aargau der Weg zur Matur auf der Basis des eidgenössischen Maturitätsanerkennungs-Reglements (MAR). Die Qualität des neuen Systems der aargauischen Kantonsschulen wird vom Institut Interface in Luzern umfassend untersucht. Die Ergebnisse einer schriftlichen Umfrage unter 1'421 Schülerinnen und Schülern der 1. und 2. Klasse liegen nun vor.
Zu hohe Belastung durch die Schule?
Nur knapp 8% der Schülerinnen und Schüler schätzen die Belastung durch die Schule als zu hoch ein. Damit wird die Befürchtung widerlegt, dass eine grosse Zahl die Schule als zu belastend empfindet. Interessant ist der Geschlechterunterschied: Schülerinnen schätzen die Belastung höher ein als Schüler. Möglicherweise liegt dies daran, dass Mädchen in der Regel mit einem stärkeren Pflichtbewusstsein an die Schularbeit herangehen - verbunden mit höheren Leistungsansprüchen an sich selbst.
Die Hälfte aller Antwortenden nannte als belastendes Element die Wochenstundenzahl und die Menge und die Intervalle der Prüfungen. Der Umfang des Lernstoffes wird von mehr als einem Drittel angegeben und rangiert damit noch vor den Hausaufgaben. Es erstaunt nicht, dass die Hälfte der Jugendlichen sich mehr Zeit für ihre Freizeitaktivitäten wünschen.
Wahl der Schule und Wahl des Akzentfachs
Über 90% der Schülerinnen und Schüler können die Schule ihrer Wahl besuchen, wobei der wichtigste Faktor für die Wahl die Länge des Schulweges war (70%).
Das neue System verlangt von den Schülerinnen und Schülern mehr Entscheide im Hinblick auf ein individuelles Bildungsprofil. Das Akzentfach wird vor dem Übertritt in die Kantonsschule gewählt und ist in der 1. und 2. Klasse mit drei Lektionen dotiert. Ein Sechstel wählte das Akzentfach Latein, mehr als ein Fünftel Mathematik, ein Viertel Moderne Sprachen und mehr als ein Drittel Geistes- und Sozialwissenschaften.
Für 80% der Schülerinnen und Schüler war das Interesse am Fach für die Wahl des Akzentfachs wichtig, 40% geben die Einschätzung der persönlichen Begabung an und ein Drittel die geplante Studien- oder Berufsrichtung. Über drei Viertel würden wieder das gleiche Akzentfach wählen.
Wahl des Schwerpunktfachs
Das Schwerpunktfach wird in der 3. und 4. Klasse während sechs Lektionen pro Woche besucht. Am häufigsten wurde das Schwerpunktfach Wirtschaft und Recht (26%) gewählt. Es folgen Biologie und Chemie (16%), Philosophie, Pädagogik, Psychologie (16%) und Physik und Anwendungen der Mathematik (14%). Die Sprachen Spanisch, Latein, Italienisch und Französisch wurden von weniger als 5% gewählt. Bildnerisches Gestalten und Musik wurden von 10% beziehungsweise 2.5% gewählt. Diese Zahlen entsprechen gesamtschweizerischen Tendenzen.
Für über 85% der Schülerinnen und Schüler war das Interesse am Fach ein wichtiges Wahlkriterium. Für 55% bis 75% - je nach Fach - spielte die geplante Studien- und Berufsrichtung eine wichtige Rolle. Dies weist darauf hin, dass die gewünschte Auseinandersetzung mit der zukünftigen Laufbahn erfolgt.
Bei den modernen Fremdsprachen ist das Interesse am Fach sehr gross, die geplante Studien- oder Berufsrichtung hat jedoch nur eine geringe Bedeutung (je nach Fach für 28% bis 46% der Schülerinnen und Schüler). Beim Latein dagegen ist die geplante Studien- oder Berufsausrichtung wichtiger als das Interesse am Fach.
Anlaufschwierigkeiten und Anpassungen
Die Ergebnisse der Befragung bestätigen, dass die Umsetzung des neuen Systems eine gewisse Anlaufzeit braucht. Dies betrifft vor allem die neuen Fächer. So führte beispielsweise beim 2. Jahrgang die bessere Kenntnis der Inhalte und Anforderungen der Akzentfächer zu einem deutlichen Rückgang der Zahl jener, die sich nachträglich für ein anderes Akzentfach entscheiden würden. Die Gestaltung des Informatik-Grundkurses muss auf Grund der sehr unterschiedlichen Voraussetzungen der Bezirksschülerinnen und -schüler überprüft werden. Selbstverständlich ergeben sich auch bei der Umsetzung des neuen Systems Umstellungsprobleme. Diese sind aber nicht Gegenstand der Evaluation. Eventuelle Anpassungen des Systems sind erst nach Ende der gesamten Evaluation vorgesehen. Die Befragung der Schülerinnen und Schüler wird in den nächsten zwei Jahren fortgesetzt. Zudem werden Lehrpersonen, Schulleitungen und die Verwaltung in die Untersuchung einbezogen. Der Schlussbericht mit Empfehlungen zu Handen der politischen Organe ist für Ende 2003 geplant.