Revitalisierungen

Um Land zu gewinnen, wurden in der Vergangenheit mit hohem Aufwand etliche Fliessgewässer kanalisiert und eingedolt. Im Rahmen von Revitalisierungsprojekten werden heute viele dieser Bäche wieder offen gelegt und ein natürlicherer Lauf gegeben. Warum wird heute vieles rückgängig gemacht, was vor 50 Jahren gang und gäbe war?

Ausgangslage

Viele der Kanäle und Eindolungen, die seinerzeit vorwiegend zur Gewinnung von Landwirtschaft- und Bauland gebaut wurden, sind mit Sicht auf die heutigen Rahmenbedingungen zu klein und haben ihre Nutzungsdauer erreicht. Durch die Begradigungen, Eindolungen und Eindämmungen wurden zudem natürliche Überschwemmungsflächen zerstört. Die Gewässerläufe sind verkürzt worden. Dies hat zu einer Zunahme der Fliessgeschwindigkeit der Oberflächengewässer geführt. Der Abfluss vieler Zuflüsse konzentriert sich heute schneller und es fliesst in kürzerer Zeit mehr Wasser ab. Dies kann zu einer Verschärfung der Hochwassersituation führen.

Durch die Begradigungen, den Verbau von Sohle und Ufer ist die Vielfalt von Lebewesen im und am Gewässer massiv zurückgegangen. Die Gewässerqualität hat stark eingebüsst. Die natürliche Wassereinspeisung ins Grundwasser hat ebenfalls abgenommen.

Somit besteht Handlungsbedarf. Mit Revitalisierungen - auch Renaturierungen genannt - sollen die vielfältigen Funktionen unserer Fliessgewässer wiederhergestellt werden.

Ziele

Mit Revitalisierungsprojekten bzw. -massnahmen werden folgende Ziele angestrebt:

  • Wiederherstellen des natürlichen Geschiebetransports und Förderung einer morphologischen Vielfalt;
  • Bilden und vernetzen von Biotopen;
  • Wiederherstellen der Längsvernetzung;
  • Verbessern des Hochwasserschutzes: Durch die Renaturierung von Bächen und die Reaktivierung von Auengebieten kann die Fliesszeit der Gewässer verlängert und damit die Hochwassergefahr abgemindert werden.
  • Reduzieren des Nährstoffeintrags;
  • Reaktivieren der Selbstreinigungskraft;
  • Schaffen von naturnahen Erholungsräumen für die Bevölkerung.

Revitalisierungsmassnahmen

Eine Reihe von Revitalisierungsmassnahmen können getroffen werden:

  • Verbreiterungen des Uferbereichs (Uferstreifen, Gewässerraum)
  • Bach- und Flussaufweitungen zur Förderung der eigendynamischen Entwicklung
  • Offenlegung von eingedolten Bächen und Umgestaltung ihrer Mündungsbereiche
  • Wiederherstellen der Längsvernetzung bei Abstürzen und Schwellen

Erfahren Sie, wie Sie Ihrem Bach mehr Leben einhauchen können
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Revitalisierungsprojekte

Erfahren Sie mehr über Revitalisierungsprojekte im Kanton Aargau:

Revitalisierungen im Bünztal

Zuständigkeiten

Die Kantone sind gemäss Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer (Gewässerschutzgesetz GSchG Art. 38a (SR 814.20)) für die Revitalisierung der Gewässer zuständig.

Sie sind verpflichtet, den Raumbedarf der Gewässer so festzulegen, dass die natürlichen Funktionen der Gewässer, des Hochwasserschutzes und der Gewässernutzung gewährleistet sind. Nach der Gewässerschutzverordnung GSchV Art. 41a (SR 814.201) orientiert sich der Gewässerraum an der sogenannten Schlüsselkurve, welche die notwendige Gewässerbreite zur Gewährleistung des Hochwasserschutzes und der ökologischen Funktionen definiert.