INV-WET902 Baumwollspinnerei, 1857-1858 (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context


Ansichtsbild:
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Identifikation

Signatur:INV-WET902
Signatur Archivplan:WET902
Titel:Baumwollspinnerei
Bezirk:Baden
Gemeinde:Wettingen
Ortsteil / Weiler / Flurname:Klosterhalbinsel
Adresse:Klosterstrasse 40
Versicherungs-Nr.:355
Parzellen-Nr.:325
Koordinate E:2665935
Koordinate N:1256446
Situationsplan (AGIS):http://www.ag.ch/app/agisviewer4/v1/html/agisviewer.htm?config=agis_geoportal_fs.json&thema=185&scale=5000&basemap=base_landeskarten_sw&x=2665935&y=1256446

Chronologie

Entstehungszeitraum:1857 - 1858
Grundlage Datierung:Schriftliche Quelle

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Teil einer Baugruppe
Weitere Teile der Baugruppe:WET901-WET907, WET952
Nutzung (Stufe 1):Gewerbe-, Industrie- und Dienstleistungsbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Fabrikgebäude, Manufakturgebäude

Dokumentation

Autorschaft:Johann Caspar Wolff, Architekt
Würdigung:Die ehemalige Baumwollspinnerei gehört zu den Gründerbauten der 1857 auf der Klosterhalbinsel entstandenen Textilfabrik Wild Cie., welche im Verlauf des 19. Jahrhunderts eine zunehmende wirtschaftliche Bedeutung erlangte und massgeblichen Einfluss auf das Wachstum der Gemeinde Wettingen hatte. Der imposante Kolossalbau mit dem 1901 angefügten Treppenturm ist das markanteste Gebäude des Fabrikareals auf der Klosterhalbinsel. Mit der Weberei, der Schlichterei, dem Zauslerhaus, dem Verwaltungsgebäude und dem Nachtwächterhaus (Bauinventarobjekte WET903-907) ergibt sich ein markanter Industriekomplex, welcher den grossen Stellenwert des ehemaligen Textilunternehmens Wild in der Gemeinde Wettingen vor Augen führt. Aufgrund der exponierten Stellung am Limmatknie kommt der Fabrikanlage eine hohe landschaftsprägende Bedeutung zu.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Die Textilfabrik auf der Wettinger Klosterhalbinsel wurde 1857 durch Johann Wild gegründet, den Sohn des gleichnamigen Zürcher Industriellen, welcher eine Generation zuvor in Baden die Baumwollproduktion eingeführt hatte [1]. Die Fabrikgebäude liegen zuvorderst auf der Klosterhalbinsel in einem Bereich, der durch die Zisterziensermönche wohl nie intensiv genutzt worden und vor der Fabrikgründung bewaldet gewesen war.
Vor Baubeginn erwarb Johann Wild die Wasserrechte, welche es ihm ermöglichten, den heute zugeschütteten Oberwasserkanal der ehemaligen Klostermühle im Scheitel der Limmathalbinsel auszubauen und mit Turbinenhäusern zu versehen. 1857/58 liess der Unternehmer entlang des Kanals die erste Spinnerei und unmittelbar gegenüber eine Weberei – beide betrieben von Jonval-Turbinen – errichten (Bauinventarobjekte WET902, WET903). Kurz danach entstand am Hang gegen das Kloster das Verwaltungsgebäude mit dem englischen Garten (Bauinventarobjekt WET905). Die Pläne für die Industrieanlage lieferte vermutlich der Zürcher Architekt Johann Caspar Wolff [2].
Der rasch eintretende Erfolg des Industriebetriebes hatte diverse bauliche Erweiterungen zur Folge: 1869 entstand die Schlichterei (Bauinventarobjekt WET904), später wurden mehrere Fabrikationsgebäude auf der Neuenhofer Seite errichtet. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870/1871) erlebte die Fabrik mit gegen achthundert Arbeiterinnen und Arbeitern einen wirtschaftlichen Höhepunkt. 1876 verursachte ein Grossbrand, dem die Spinnerei am Neuenhofer Ufer zum Opfer fiel, einen empfindlichen Rückschlag.
Nach dem Tod des Firmengründers Johann Wild (1890) und seiner Ehefrau Emilie Wild (1894) wurde der Betrieb durch deren Schwiegersöhne weitergeführt. Die Firmenleitung übernahm Henry Zweifel-Wild, der 1898 das Zauslerhaus (Bauinventarobjekt WET906) erstellen und 1901 einen achtstöckigen Treppenhausturm mit Lift und Wasserreservoir an das Spinnereigebäude anbauen liess. Unter Harry Zweifel-Stehli, dem Enkel des Gründers, musste das Unternehmen 1911 Konkurs anmelden. In der Folge fand ein Wechsel von der Personen- zur Kapitalgesellschaft statt, welche in der Gründung der Firma "Baumwollspinnerei und Weberei Wettingen" resultierte. Diese hatte bis in die 1970er Jahre Bestand, als zuerst das Neuenhofer Werk (1970) und kurz darauf das Wettinger Werk (1972) stillgelegt werden musste. Das Spinnereigebäude wird heute vielfältig als Gewerbezentrum und Ateliergemeinschaft genutzt.
Beschreibung:Das Spinnereigebäude ist ein nüchterner sechsgeschossiger Kolossalbau mit einem schwach geneigten Rafendach. Seine 14 trauf- und (ursprünglich) 5 stirnseitigen Achsen zeigen grosse, starr disponierte Rechteckfenster, die an den Stirnfassaden bis in die Giebelzone reichen, wo sie seitlich und darüber von Ochsenaugen begleitet sind. Den einzigen Schmuck des Gebäudes bildet eine roh gearbeitete, bis unter das dritte Geschoss reichende Eckquaderung aus Würenloser Muschelkalk. Angelehnt an die südliche Schmalseite steht seit 1901 der unter Henry Zweifel-Wild errichtete, 36m hohe Treppenturm mit Lift, welcher durch kräftige Gurtgesimse gegliedert und von Zinnen bekrönt ist. Zuoberst enthielt dieser ein Wasserreservoir für den Brandschutz und die Klosettspülung. Der hohe Schornstein im Rücksprung der südöstlichen Turmecke ist ein Relikt der 1860 eingebauten und 1901 erneuerten Dampfheizung.
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
Anmerkungen:[1] Für eine ausführliche Nutzungsgeschichte der Baumwollspinnerei und -weberei Wild vgl. Die Wettinger Klosterhalbinsel 1981, S. 79-96; Brüschweiler/Kottmann/Senft/Oettli 1978, S. 420-424.
[2] Der Zürcher Architekt und Staatsbauinspektor Johann Caspar Wolff (1818-1891) dürfte die Pläne für die Spinnerei, die Weberei und das Verwaltungsgebäude geliefert haben. Erwiesenermassen entstand nach seinen Entwürfen 1865 die später abgebrannte Weberei am Neuenhofer Limmatufer in der Damsau. Zu Johann Caspar Wolff vgl. Rucki/Huber 1998, S. 572.
Literatur:- Peter Hoegger, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 7: Der Bezirk Baden II, Basel 1995, S. 214-216.
- Die Wettinger Klosterhalbinsel, Wettingen 1982.
- Roman Brüschweiler/Anton Kottmann/Fritz Senft/Max Oettli, Geschichte der Gemeinde Wettingen, Wettingen 1978, S. 420-424.
- Eugen Meier/Walter Scherer, Wettingen früher, Baden 1981.
- Bruno Meier, Der Industriekulturpfad im Raum Wettingen, in: Badener Neujahrsblätter 1995, S. 56-61.
- Isabelle Rucki/Dorothee Huber (Hrsg.), Architektenlexikon der Schweiz 19./20. Jahrhundert, Basel 1998, S. 572.
Quellen:- Industriekulturpfad Limmat-Wasserschloss im Raum Wettingen-Neuenhof, Baden 1996.
 

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Permission required:Keine
Physical Usability:Uneingeschränkt
Accessibility:Öffentlich
 

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URL: http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=47436
 

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