INV-WET901 Drahtseilbrücke "Gwaggelibrugg", 1863 (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context


Ansichtsbild:
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Identifikation

Signatur:INV-WET901
Signatur Archivplan:WET901
Titel:Drahtseilbrücke "Gwaggelibrugg"
Bezirk:Baden
Gemeinde:Wettingen
Ortsteil / Weiler / Flurname:Klosterhalbinsel
Adresse:Klosterstrasse
Parzellen-Nr.:6009, 324
Koordinate E:2665850
Koordinate N:1256382
Situationsplan (AGIS):http://www.ag.ch/app/agisviewer4/v1/html/agisviewer.htm?config=agis_geoportal_fs.json&thema=185&scale=5000&basemap=base_landeskarten_sw&x=2665850&y=1256382

Chronologie

Entstehungszeitraum:1863
Grundlage Datierung:Schriftliche Quelle

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Teil einer Baugruppe
Weitere Teile der Baugruppe:WET902-WET907, WET952
Nutzung (Stufe 1):Verkehrs- und Infrastrukturbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Brücke

Dokumentation

Würdigung:Bei der "Gwaggelibrugg" handelt es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um die älteste noch bestehende Drahtseilbrücke der Schweiz. Die erdverankerte, unversteifte Hängebrücke ist in ihrer Konstruktionsweise ein spätes Beispiel der ersten Drahtbrückengeneration und deshalb als historisch sehr wertvoll einzustufen. Als einer der letzten Zeugen eines ehemals verbreiteten Bautyps gilt die Brücke als technikgeschichtliches Denkmal von nationaler Bedeutung. Zudem steht sie für das rasche Wachstum und den Erfolg des Textilunternehmens Wild auf der Klosterhalbinsel Wettingen und der Damsau.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Die "Gwaggelibrugg" wurde 1863 erbaut und ersetzte den erst 1858 aufgenommenen Fährbetrieb zwischen der Damsau und der Wettinger Klosterhalbinsel. Initiiert wurde der Brückenbau durch Johann Wild, um den Arbeitern seines Textilunternehmens Wild Cie., die im Kosthaus in der Klosterrüti oder in den angrenzenden Gemeinden wohnten, den Umweg über die weiter flussaufwärts gelegene Holzbrücke zu ersparen. Noch wichtiger wurde die zusätzliche Verbindung ab 1865 mit den neu erbauten Spinnerei- und Webereigebäuden in der Damsau.
Der Konstruktionstyp der Drahtseilbrücke war in den 1820er Jahren in Savoyen und Genf entwickelt worden, wobei die schweizerische Ingenieurbaukunst mit den Arbeiten Guillaume-Henri Dufours (Pont St-Antoine in Genf) wesentliches zu deren Entwicklung beitrug. Heute sind alle grösseren schweizerischen Hängebrücken verschwunden, nur der Neuenhof-Wettinger Steg und die 1878 erstellte Passerelle des Neigles in Fribourg weisen noch die ursprüngliche Tragkonstruktion auf [1].
Unterhalten wurde die Hängebrücke bis zur Schliessung der Fabrik 1972 von der Firma Wild Cie. Als sie sich anfangs der 1980er Jahre in schlechtem Zustand befand, wurde sie von den Gemeinden Neuenhof und Wettingen übernommen und saniert. Wegen der Schwingungsempfindlichkeit, die sich aus den fehlenden versteifenden Stahlgeländern ergab, konnte der Steg von Passanten leicht ins Schaukeln gebracht werden, weshalb sie im Volksmund die Bezeichnung "Gwaggelibrugg" erhielt.
Beschreibung:Der Hängesteg ist 45m lang und 2m breit. Zwei Drahtkabelpaare tragen über einem Doppeljoch aus Guss- oder Schweisseisen die vertikalen Hänger, die ebenfalls als Paralleldrahtkabel ausgebildet sind. Auf Wettinger Seite werden die Drahtkabel über einen Holzrahmen geführt und ohne schützende Sockel direkt im Boden verankert. Am Neuenhofer Ufer werden sie hingegen über zwei konische Steinpylonen geführt und auf Gusszylindern gelagert. Die bei der Sanierung 1981 ersetzten Querträger aus Profilstahl, Längsschwellen und Geländer stammten vermutlich aus dem frühen 20. Jh.
Bemerkenswert ist die schon für die Entstehungszeit als veraltet geltende Ausbildung der Hauptkabel und Hänger, welche aus nicht vorgespannten, von Hand parallel zurechtgezogenen und in festen Abständen zusammengebundenen Einzeldrähten bestehen [2].
Bei der Sanierung von 1981 wurde die Tragkonstruktion durch zwei zusätzliche Drahtseile über separaten Stahljochen verstärkt. Mit Hilfe dieser neuen Tragkonstruktion und eines neuen Steges konnten wertvolle Teile der alten Drahtseilbrücke wie Drahtkabel, Hänger, Pylone und Verankerungen erhalten werden. Die neuen Teile wie Geländer als Versteifungsträger, Tragkabel und Hänger aus Spiralseilen, Versteifungs-, Längs- und Querträger und Pylonen aus feuerverzinkten Walzprofilen heben sich durch ihre Farbgestaltung (hellgrau) von den alten Teilen (rotbraun) ab.
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
Anmerkungen:[1] Gemäss Tremp 1983.
[2] Gutachten des Technikhistorikers Tom F. Peters, in: Fischer/Peters/Herzog 1982.
Literatur:- Paul Fischer/Tom F. Peters/Max Herzog, "Zur Sanierung der 'Gwaggelibrugg' über die Limmat zwischen Wettingen und Neuenhof" in: Schweizer Ingenieur und Architekt, Zürich 1982, Heft 36, S. 730 -735.
- UrsTremp, Zur Geschichte und Renovation der "Gwaggelibrugg" zwischen Wettingen und Neuenhof", in: Badener Neujahrsblätter 1983, S. 112-116.
- Bruno Meier, Der Industriekulturpfad im Raum Wettingen, in: Badener Neujahrsblätter 1995, S. 56-61.
- Die Wettinger Klosterhalbinsel, Wettingen 1982.
- Peter Hoegger, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 7: Der Bezirk Baden II, Basel 1995, S. 72.
 

Usage

Permission required:Keine
Physical Usability:Uneingeschränkt
Accessibility:Öffentlich
 

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URL: http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=47430
 

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