INV-BRI901 Altes Schulhaus, 1825 (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context


Ansichtsbild:
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Identifikation

Signatur:INV-BRI901
Signatur Archivplan:BRI901
Titel:Altes Schulhaus
Bezirk:Zofingen
Gemeinde:Brittnau
Ortsteil / Weiler / Flurname:Dorf
Adresse:Dorfstrasse 11
Versicherungs-Nr.:83
Parzellen-Nr.:1674
Koordinate E:2638448
Koordinate N:1234432

Chronologie

Entstehungszeitraum:1825
Grundlage Datierung:Literatur

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Teil einer Baugruppe
Weitere Teile der Baugruppe:BRI902
Nutzung (Stufe 1):Öffentliche Bauten und Anlagen
Nutzungstyp (Stufe 2):Schulhaus

Dokumentation

Autorschaft:Sigmund Leibundgut (Maurermeister), Niklaus Leibundgut (Zimmermann)
Würdigung:Das Alte Schulhaus von Brittnau wurde 1825 als zweigeschossiger spätklassizistischer Mauerbau erstellt und 1865 auf seine bestehenden drei Geschosse aufgestockt. Der kubische Baukörper zeigt eine zeittypisch strenge, axialsymmetrische Fassadengestaltung, zu der die neugotischen Staffelfenster in den beiden Giebelfeldern einen auffälligen Kontrast bilden. Die nach Osten zur Dorfstrasse gewandte Schaufassade mit zentralem Eingang setzt einen auffälligen Akzent im Ortsbild. Zusammen mit dem südlich gelegenen Bezirksschulhaus von 1907/08 (Bauinventarobjekt BRI902) und jüngeren Erweiterungsbauten ergibt sich eine grosszügige, hofartig angeordnete Baugruppe von erheblicher situativer Ausstrahlung.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Als Ersatz für ein an gleicher Stelle stehendes Schulgebäude von 1676 entstand 1825 im Dorfzentrum von Brittnau das heutige Alte Schulhaus [1]. Das von Maurermeister Sigmund Leibundgut und Zimmermann Niklaus Leibundgut erstellte Gebäude umfasste ursprünglich nur zwei Stockwerke. Im Erdgeschoss waren zwei Schulräume, ein Sitzungszimmer für den Gemeinderat und eine Einzimmerwohnung mit Küche für den Abwart eingerichtet, das Obergeschoss umfasste ein weiteres Schulzimmer und einen Versammlungsraum, während das Dachgeschoss einen Vorratsraum für das Brennholz sowie zwei Arrestzellen enthielt. Das Gesteinsmaterial wurde im Kohlholz gebrochen und in Fronarbeit zur Baustelle transportiert, weshalb die Baukosten auf rund 10'000 Franken begrenzt werden konnten. Die Aufrichtefeier konnte bereits im Sommer 1825 abgehalten werden. Wie aus der Jahreszahl 1829 am Türblatt des Haupteingangs zu schliessen ist, zog sich der Ausbau des Schulhauses aber noch über längere Zeit dahin.
Dem zunehmenden Platzbedarf von Schule und Gemeindeverwaltung wurde um 1865 mit einer Aufstockung des Gebäudes um ein drittes Vollgeschoss Rechnung getragen. 1896 fügte man westseitig einen Anbau mit Treppenhaus und Toiletten hinzu, welcher 1953 wiederum abgebrochen und durch den heute bestehenden zweigeschossigen Anbau ersetzt wurde. Diesen zog man aus Kostengründen einem ursprünglich geplanten Abbruch und Neubau des Schulhauses vor. Eine neuerliche Erweiterung der Gebäulichkeiten erfolgte 1971/72.
Heute beherbergt das Erdgeschoss die Gemeindebibliothek, während in den oberen Stockwerken Unterrichtsräume eingerichtet sind. Letztmals wurden 2014 Renovationsarbeiten vorgenommen.
Beschreibung:Das in seiner heutigen Gestalt auf eine Aufstockung von 1865 zurückgehende Schulhaus ist ein dreigeschossiger spätklassizistisch-biedermeierlicher Mauerbau unter mittelsteilem, ungeknicktem Giebeldach. Der kantig wirkende Baukörper zählt 7 x 4 symmetrisch angeordnete Fensterachsen, die Hauptfront ist nach Osten auf die Dorfstrasse ausgerichtet. Leider wurde die früher bestehende Putzgliederung bei der letzten Aussenrenovation stark reduziert. Das dreiseitig mittels eines Gurtgesimses von den oberen Stockwerken geschiedene Parterre war früher gebändert, und eine Eckquaderung akzentuierte die Gebäudekanten (vgl. historische Aufnahme in der Fotodokumentation). Die durch eine breite Giebellukarne akzentuierte, strassenseitige Mittelachse nimmt das über eine Freitreppe erreichbare Hauptportal auf. Die Fenstereinfassungen wie auch das Türgewände bestehen aus gelblichem Sandstein; letzteres weist eine profilierte Verdachung auf. Das mit ornamentalen Fenstergittern ausgestattete Türblatt dürfte aus der Zeit um 1900 stammen. In Erinnerung an den Schulhausbau hat es am Sturz die Jahreszahl 1829 eingeschnitzt.
Den rückwärtigen Anbau ziert ein mit "Guignard" signiertes Glasfenster mit Darstellungen des bäuerlichen Handwerks. Es handelt sich um ein Geschenk der aargauischen Kulturstiftung Pro Argovia aus dem Jahr 1954.
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), regionale Bedeutung.
- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), Einzelelement, Erhaltungsziel A.
Anmerkungen:[1] Zur Geschichte des Dorfschulhauses vgl. Buchmüller 1983, S. 6-8; Brüschweiler/Buchmüller 1994, S.71-74; Hasler 2008, S. 44-45.
Literatur:- Kurt Buchmüller, Von der Ziegelhütte zur Bildungsstätte, in: 75 Jahre Bezirksschule Brittnau, Brittnau 1983, S. 4-15.
- Roman W. Brüschweiler/Kurt Buchmüller, 1100 Jahre Brittnau, Jubiläumsschrift, Brittnau 1994.
- Ruedi Hasler, Schulhausbau auf dem Lande. Ein Text- und Bilderbuch mit Beispielen aus dem Bezirk Zofingen (Zeitraum 1803-2008), MAS Denkmalpflege und Umnutzung, Fachhochschule Burgdorf 2008 (Bibliothek Kantonale Denkmalpflege).
 

URL for this unit of description

URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=31536
 

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