INV-BOS901 Altes Schulhaus, 1852 (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context


Ansichtsbild:
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Identifikation

Signatur:INV-BOS901
Signatur Archivplan:BOS901
Titel:Altes Schulhaus
Bezirk:Muri
Gemeinde:Boswil
Adresse:Zentralstrasse
Versicherungs-Nr.:121
Parzellen-Nr.:180
Koordinate E:2666059
Koordinate N:1239464
Situationsplan (AGIS):http://www.ag.ch/app/agisviewer4/v1/html/agisviewer.htm?config=agis_geoportal_fs.json&thema=185&scale=5000&basemap=base_landeskarten_sw&x=2666059&y=1239464

Chronologie

Entstehungszeitraum:1852
Grundlage Datierung:Schriftliche Quelle

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Einzelobjekt
Nutzung (Stufe 1):Öffentliche Bauten und Anlagen
Nutzungstyp (Stufe 2):Schulhaus

Dokumentation

Autorschaft:Johann Pankraz Keusch
Würdigung:Das 1852 erstellte Alte Schulhaus ist ein hoher dreigeschossiger Biedermeierbau mit Satteldach und zur Hauptstrasse gerichtetem Zwerchhaus. Der architektonische Ausdruck der siebenachsigen Trauffront leidet unter der Aufhebung des Haupteingangs und der Entfernung der Sockelgeschossrustizierung. Der einstige Bezug zum Strassenraum durch den baumbestandene Vorhof mit Einfriedung ist einer Fahrbahnerweiterung zum Opfer gefallen. 2022 konnte dank der Anlage eines neuen Baumbestands entlang der Hauptachse und des nördlichen Fusswegs sowie der Wiederherstellung des Rustizierung des Sockelgeschosses und des Zahnschnittfrieses im Rahmen einer umfassenden fachgerechten Renovation viel von der bauzeitlichen Qualität zurückgewonnen werden. Aufgrund seiner Grösse und exponierten Stellung setzt das Gebäude einen wichtigen ortsbaulichen Akzent an der Einmündung der Bahnhofstrasse in die Zentralstrasse.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Das Alte Schulhaus von 1852 entstand ausserhalb der alten Dorfanlage an der talparallelen alten Heerstrasse von Villmergen nach Muri. Im Bautyp gleicht es dem schlichten klassizistischen Bau des Wirtshauses "Sonne" in Büelisacker von 1836. Die Pläne für den grossen öffentlichen Bau stammen wohl vom bekannten einheimischen Baumeister Johann Pankraz Keusch [1]. Finanziert wurde das Bauvorhaben teilweise aus dem Schul- und Armenfonds der Gemeinde, der nach der Aufhebung des Klosters Muri mit fast 8000 Franken ausgestattet wurde. Dies geschah "nur widerwillig und nicht ohne 'bei den competenten kirchlichen Oberbehörden' " anzufragen [2].
Ein Jahr nach Fertigstellung wurde ein Teil der Nutzfläche zu Wohnraum umgebaut [3]. Der rückwärtige Quergiebelanbau mit Sanitäreinrichtungen sowie die gedeckte Vorhalle sind jüngeren Datums. Das Treppenhaus befand sich allerdings schon immer an dieser Stelle, wurde aber vom heute aufgehobenen zentralen Haupteingang an der Strassenseite erschlossen. Das Schulhaus wird als Teil der neuen Schulanlage weiterhin zu Schulzwecken genutzt. 2022 wurde das Äussere sachgerecht renoviert und dabei unter anderem das Sockelgeschoss wieder rustiziert und das Zahnschnittfries wiederhergestellt. Ebenso wurde die Nahumgebung mit einem neuen Baumbestand entlang der Hauptachse und des nördlichen Fusswegs wieder der ursprünglichen Situation enstsprechend angepasst.
Beschreibung:Der dreigeschossige traufständige Baukörper mit 7 x 3 Fensterachsen ist aus verputztem Bruchsteinmauerwerk erstellt und trägt ein schwach geneigtes gerades Satteldach. Den Hauptakzent der Strassenfront stellt die Mittelachse mit Zwillingsfenstern dar. Das bekrönende dreiachsige Zwerchhaus ist erhalten, hingegen wurde das breite stichbogige Mittelportal bei einem Umbau zu einem Fenster reduziert. Das mit Stichbogenfenstern versehene Erdgeschoss war mit einem in den Putz geritzten Fugenbild verziert, welches dem Sockelgeschoss optisch Gewicht verlieh. Noch vorhanden ist das umlaufende Gurtgesims. Profilierte Bekrönungen zeichnen die Rechteckfenster am ersten Obergeschoss aus. Das Zahnschnitt-Kranzgesims unter dem knappen, verschalten Vordach ging verloren. Dank der Renovation von 2022 hat das Schulhaus seine Sockelgeschoss-Rustzierung und den Zahnschnittfreis wieder zurückerhalten.
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), Einzelelement, Erhaltungsziel A.
Anmerkungen:[1]. Das Schulhaus ist ohne Jahrzahl aufgeführt unter "Kostenberechungen und ausgeführte Arbeiten", Depositum Keusch, Staatsarchiv. – Von Keusch stammt auch das Schulhaus Sarmenstorf von 1845-46 (Bauinventarobjekt SAR907); hier Hinweise auf weitere Keusch-Bauten in Waltenschwil und Jonen). In Boswil sind von Keusch bekannt: Das Armenhaus (1831; abgebrochen), das Wohnhaus des Dorfarztes Johann Huber (Kantonales Denkmalschutzobjekt BOS008) sowie Wohnhäuser für Joseph Ammann (1819) und Schlosser Ammann (1833-34) sowie Viktor Huber (1835), dazu der Stubenanbau für Hans Joseph Hilfiker (1822). Quelle: Depositum Keusch und Kretz 1991, S. 177.
[2] Kretz 1991, S. 169.
[3] siehe Staatsarchiv Aargau, Brandkataster, CA.0001/0488, 1850 – 1874.
Literatur:- Franz Kretz, Boswil, Freiamt im Spiegel der Vergangenheit, Villmergen 1991, S. 166, 169.
- Kunstführer durch die Schweiz, Bd. 1, Bern 2005, S. 94.
 

URL for this unit of description

URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=30936
 

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