INV-BET901 Hinterdorfstrasse 4, 1745 (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context


Ansichtsbild:
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Identifikation

Signatur:INV-BET901
Signatur Archivplan:BET901
Titel:Hinterdorfstrasse 4
Bezirk:Muri
Gemeinde:Bettwil
Adresse:Hinterdorfstrasse 4
Versicherungs-Nr.:45
Parzellen-Nr.:23
Koordinate E:2662442
Koordinate N:1238136
Situationsplan (AGIS):http://www.ag.ch/app/agisviewer4/v1/html/agisviewer.htm?config=agis_geoportal_fs.json&thema=185&scale=5000&basemap=base_landeskarten_sw&x=2662442&y=1238136

Chronologie

Entstehungszeitraum:1745
Grundlage Datierung:Inschrift (Hauseingang)

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Einzelobjekt
Nutzung (Stufe 1):Profane Wohnbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Wohnhaus

Dokumentation

Inschriften:1745 (Haustürsturz); 1818 (Sitzkunst)
Würdigung:Für den damaligen Untervogt Heinrich Meyer errichtetes Wohnhaus von 1745, das als stattlicher steilgiebliger Mauerbau mit spätklassizistischer Einzelbefensterung sowie Putzdekor aus der Zeit um 1900 in Erscheinung tritt. An wertvoller historischer Ausstattung haben sich das originale Haustürgewände mit Bauherreninschrift sowie eine farbig bemalte Sitzkunst von 1818 aus der Werkstatt des Müswanger Hafners Michael Strebel erhalten.

Empfehlung: kommunaler Substanzschutz des Wohnhauses, ohne den nördlichen Pultdachanbau.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Laut einer Inschrift am Sturz des Eingangsportals wurde das Haus 1745 für den damaligen Untervogt und Friedensrichter Heinrich Meyer erbaut, dem auch die nördlich benachbarte, von der Dorfsiedlung abgesetzte Mühle gehörte (Bauinventarobjekt BET907). Heinrich Meyer amtete während 24 Jahren als Untervogt und Friedensrichter und soll neben drei Höfen noch "eine Tonne Geld" besessen haben [1]. Gemäss Überlieferung war er eine ebenso bekannte wie umstrittene Persönlichkeit. Er bemühte sich um die Gründung einer Kaplanei in Bettwil, die in der Folge sein Sohn Johann Jakob Meyer bis zum Tod 1794 besetzte. Vater Heinrich Meyer tat sich hierbei als grosszügiger Stifter hervor und liess um 1760 die Kaplanei, das spätere Pfarrhaus (Kantonales Denkmalschutzobjekt BET002) sowie die zugehörige Pfrundscheune (Kantonales Denkmalschutzobjekt BET011) auf eigene Kosten errichten. Später konnte er die Gebäulichkeiten für 2500 Gulden an die Gemeinde verkaufen.
Im Brandkatastereintrag von 1850 erscheint das Untervogtshaus als "2-stöckiges Wohnhaus mit Tremkeller, von Stein und Riegel, unter Ziegeldach"[2]. Zur Liegenschaft gehörte eine später abgebrochene freistehende Scheune, die nördlich des Hauses im rechten Winkel angeordnet war (vgl. Michaeliskarte von 1840).
1852 ging das Haus an den Schmied Jakob Gauch über, welcher zu jener Zeit auch die Liegenschaft Hauptstrasse 6 (Bauinventarobjekt BET906) besass; 1863 folgten die Gebrüder Brunner. Wohl im frühen 20. Jh. erhielt das Gebäude sein bestehendes Putzdekor mit Ecklisenen und Fugenmustern am Sockelgeschoss sowie neue Zementgesimse an den holzgerahmten Fenstern.
Beschreibung:Am Nordwestrand des Dorfes gelegen, bildet das freistehende Wohnhaus zusammen mit den benachbarten bäuerlichen Liegenschaften Hinterdorfstrasse 3 (Bauinventarobjekt BET903) und Hinterdorfstrasse 7 (Bauinventarobjekt BET904) einen parallel zur Durchgangsstrasse geführten Bebauungsast, der seinen ländlich-bäuerlichen Charakter weitgehend bewahrt hat. Entgegen der ortsüblichen West-Ost-Ausrichtung der historischen Bauten in Bettwil, ist das vorliegende Haus mit Firstrichtung Süd-Nord in die Verzweigung von Hinterdorfstrasse und Mühlestrasse gestellt. Der als Mischkonstruktion aus Bruchsteinmauerwerk und Fachwerk erstellte, durchgehend verputzte Baukörper erhebt sich unter einem steilen, geknickten Satteldach. Die südgerichtete Schaugiebelfront ist mit vier Achsen holzgerahmter Einzelfenster symmetrisch gegliedert, die drei anderen Fassaden weisen jeweils drei Fensterachsen auf. Der vermutlich aus dem frühen 20. Jh. stammende Fassadenputz mit Ecklisenen, Fugenputz im Sockelbereich und Gurtgesimsen zwischen den beiden Wohngeschossen gibt dem Gebäude einen städtisch-bürgerlichen Anstrich, womit es sich sichtlich von der traditionellen Holzbauweise im Dorf unterscheidet.
Der an der westlichen Traufseite gelegene Hauseingang bewahrt das originale gefaste Rechteckgewände aus Muschelkalk, mit der Bauherreninschrift "HEINRICH MEIER DER ZIT UNDERVOGT A [nno] 1745" am Sturz [3]. Über der jüngeren Türverdachung ist eine Medaillonbüste aus dem 19.Jh. angebracht. Stube und Nebenstube besetzen das südseitige Vorderhaus, während ein Vorraum, die Küche und ein Zimmer in der nördlichen, unterkellerten Haushälfte untergebracht sind. Im ansonsten weitgehend modernisierten Innern ist als bemerkenswertes historisches Ausstattungselement eine Sitzkunst von 1818, aus der Werkstatt des Müswangener Hafners Michael Strebel, erhalten geblieben. Die hellen Zierkacheln weisen farbige Ritzzeichnungen mit originell reliefierten Pflanzenmotiven auf. Hafnerinschrift: "von mir Michaell Strebell Hafner zu Müswangen sonst gebürtig von Beinwill" (Hausinneres gemäss Kurzinventar von 1997).
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), regionale Bedeutung.
- ICOMOS Liste historischer Gärten und Anlagen der Schweiz, Kanton Aargau, Bettwil 4227-1.
Anmerkungen:[1] Zu Heinrich Meyer vgl. Moos 1875, S. 13; 1100 Jahre Bettwil 1993, S. 38-39.
[2] Staatsarchiv Aargau, CA.0001/0484-0487: Brandkataster Bettwil 1850-1938.
[3] Eine ähnlich gestaltete Inschrift findet sich am Haupteingang des Mühlengebäudes (Bauinventarobjekt BET907).
Literatur:- 1100 Jahre Bettwil, Bettwil 1993.
- Leonz Moos, Heimatkunde der aargauischen Pfarrgemeinde Bettwil, Bettwil 1875 (Typoskript 1908).
Quellen:- Staatsarchiv Aargau, CA.0001/0484-0487: Brandkataster Bettwil 1850-1938.
 

URL for this unit of description

URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=29874
 

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