DSI-JON005 Obschlagenstrasse 2, Löwentrotte, 1790 (Dossier (Denkmalschutzinventar))

Archive plan context

 

General information

Information on identification

Ref. code:DSI-JON005
Ref. code AP:JON005
Title:Obschlagenstrasse 2, Löwentrotte
Preview:
1/1
Bezirk:Bremgarten
Gemeinde:Jonen
Adresse:Obschlagenstrasse 2.1
Versicherungs-Nr.:107
Parzellen-Nr.:457
Koordinate E:2672418
Koordinate N:1238870
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2672418,1238870&z=9&search=2672418%2F1238870,coordinate

Information on content and structure

Kantonale Unterschutzstellung (DSI):6/2/2026
Kantonaler Schutzumfang:integral

Accessions characteristics

Creation date(s):1790

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Teil einer Baugruppe
Nutzung (Stufe 1):Landwirtschaftliche Bauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Obsttrotte

Information on related materials

Würdigung:Die Trotte in Jonen aus dem 18. Jahrhundert mit seinem ursprünglich grau gefassten Fachwerk und den verputzten Bruchsteinfüllungen ist ein authentischer baulicher Zeuge der historischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und handwerklichen Situation in der als Haufendorf entstandenen Siedlung Jonen. Der Trottbau bildet mit dem unmittelbar benachbarten, firstparallel dazu stehenden ehemaligen „Löwen“, dem Speicher sowie der Obermühle (INV-JON908, INV-JON910 und INV-JON906) eine wertvolle historische Baugruppe im Ortsteil Winkel, die im Unterschied zum Grossteil des Dorfes 1811 vom Feuer verschont blieb.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Die Entstehung der ehemaligen Trotte ist mit dem Wohnhaus verknüpft, welches heute als "Gasthaus zum Löwen" bekannt ist (Bauinventarobjekt INV-JON908). 1750 kauften Josef Füglistaller (1715-94) und sein Bruder Ulrich, die Eigentümer der Oberen Mühle, das Nachbarhaus der Mühle (1NV-JON906) und liessen es kurz darauf durch einen ziegelgedeckten Neubau, den südlichen Hausteil des späteren „Löwen“, ersetzen. Der eine Sohn von Josef Füglistaller, Bernhard (1766-1847), übernahm den zur Mühle gehörenden Landwirtschaftsbetrieb und amtete wie zuvor schon sein Vater als Pfleger der Kapelle Jonental und als Gemeindeseckelmeister. 1807-24 wirkte er als Gemeindeammann.
In seinem Haus betrieb er spätestens seit 1799 eine Eigengewächswirtschaft. 1860 erhielt sein gleichnamiger Nachfolger Bernhard die Erlaubnis, die Eigengewächswirtschaft in eine Pinte umzuwandeln. Unter Josef Füglistaller wurde sie ab 1882 als Speisewirtschaftweitergeführt. Günstig für die Eröffnung der Gastwirtschaft dürfte sich der Betrieb einer Trotte ausgewirkt haben. Gemäss einer aufgemalten Inschrift an einer Deckenstütze im Innern wurde diese 1790 errichtet. Das erste Brandkataster von 1812 verzeichnet sie als "Ein Weintroten von Stein und Holtz mit Ziegel gedekt“. Wie das benachbarte Wohnhaus, der Speicher und die Obermühle, die allesamt schon eine Bedachung aus Ziegeln aufwiesen, wurde sie 1811 vom grossen Dorfbrand verschont. 1876 sind als Eigentümer Josef und Leonz Füglistaller eingetragen, ab 1883 nur noch Josef. Das "Gebäude von Rieg u. Holz“ umfasste gemäss Brandkatastereintrag von 1876 neben einer "Baumtrotte u. Obstmühle“ auch einen "Holzschopf, bei dem es sich um die nordöstliche Verlängerung des Gebäudes handeln dürfte. Dessen Erdgeschossmauer wurde später wohl im Zusammenhang mit der Einrichtung eines Stalls in Kalksandstein aufgeführt. Ende 19. Jahrhundert erfolgte der Anbau einer Vorhalle sowie einer Kegel-bahn unter Schleppdach entlang der östlichen Längsfassade. Nach Josefs Tod ging die Trotte an die Erben und schliesslich an Emil Füglistaller über. Bis 1942 befand sich der Bauernhofsamt Wirtschaft im Besitz der Familie. Vom nachfolgenden Eigentümer Konstantin Schönbächler wurde die Trotte als Festraum zum nun als „Restaurant zum Löwen“ bezeichneten Gasthof genutzt (gemäss Kurzinventar 1998)." Die heutige Eigentümerschaft (ab 2002) nutzt die Trotte bisher als Lager. Im Zuge der Instandsetzungsarbeiten der Gebäudehülle im Jahr 2025 wurden die jüngeren Anbauten zurückgebaut. Das Gasthaus "Löwen" (INVJON908) und die östlich davon liegende ehemalige Trotte (INV-JON909) bilden ein Ensemble mit dem ehemals zur Mühle gehörenden Speichergebäude (INV-JON910). Jonen ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als Ortsbild von nationaler Bedeutung eingestuft. Das Ensemble liegt im Gebiet 1, "Oberer Dorfteil mit dichter Bebauung", wurde mit der Aufnahmekategorie AB eingestuft und ist mit dem höchsten Erhaltungsziel "A" gekennzeichnet. Die Bauten des "Löwen-Ensembles" sind im ISOS nicht als Einzelobjekte aufgeführt.
Beschreibung:"Über einem aus Bruch- und Bollensteinen gemörtelten Sockel erhebt sich die Trotte als schmucker zweigeschossiger Fachwerkbau. Das Ständerwerk ist in einen eichenen Schwellenkranz eingezäpft und in den Fassaden über beide Geschosse durchlaufend. Die grösseren Gefache sind mit diagonal eingespannten, ehemals unter dem Verputz verborgenen Brettern unterteilt und mit Bruchsteinmaterial und Flusswacken gefüllt. In unregelmässigen Abständen sind in den Füllungen mithilfe von Brettchen und Ziegeln dreieckige Zwickel ausgespart, welche eine ständige Luftzirkulation gewährleisten und der Fassade eine malerische Note verleihen. Das Holz zeigte ehemals eine graue Farbfassung, die sich an der durch den Anbau gut geschützten östlichen Trauffassade noch teilweise erhalten hat. Das geknickte Satteldach mit südseitigem Gehrschild ist als Sparrenkonstruktion über einem liegenden Stuhl aufgerichtet." Auf der dem Wohnhaus zugewandten Seite war bis zur Instandsetzung des Daches im Jahr 2025 die alte Eindeckung aus einfach verlegten Biberschwanzziegeln noch vorhanden. Die Neueindeckung erfolgte 2025 vollständig mit neuen Biberschwanzziegeln. Zierbeschnitzte Büge stützen die Vorstösse der Wandrähme und Mittelpfetten. Die spärlichen, meist in der Grösse eines Gefachs eingelassenen Fenster waren bauzeitlich mit Brett-läden verschlossen. Ein breites Rechtecklicht und ein kleine Raute im südlichen Giebelfeld stehen offen. In der südlichen Giebelfassade, unmittelbar an den Eckständer anschliessend, befindet sich ein breites, zweiflügliges Rechtecktor mit originalen Beschlägen. Dazu existiert ein schmaler Zugang auf der dem Wohnhaus zugewandten Westseite (Türblatt entfernt). Im Innern hat sich die bauzeitliche Ständerkonstruktion fast vollständig erhalten und ist im Jahr 2025 fachgerecht repariert worden. Die westliche Hälfte des grossen Raums ist mittels Zwischenboden in zwei Stockwerke unterteilt. Diese obere Arbeitsebene diente wahrscheinlich der leichteren Befüllung der Kelteranlage. Die östliche Hälfte ist als offener, bis unter den Dachboden reichender Raum ausgebildet, der ehemals die Baumtrotte aufgenommen hat. Die Balkenlage des Zwischengeschosses ruht auf einem langen kräftigen Unterzug, der in der Mitte des Raums von einer beschnitzten hölzernen Säule mit Sattelholz getragen wird. Das vierkantig geschnittene Holz der Stütze ist mit Basis und kapitellartigem Abschluss gearbeitet und zeigt auf der Vorderseite der zangenartigen Umfassung von Sattelholz und Unterzug die aufgemalte Jahreszahl "1790". Das sich zu den Enden hin leicht verjüngende Sattelholz wird nach Norden von einer geschnitzten Schnecke abgeschlossen (südliches Ende abgebrochen). Das Zwischengeschoss kann als nachträglich eingebaut angesprochen werden. Das Ständergerüst des Zwischenbodens ist auf der Innenseite der Fachwerkkonstruktion auf den Schwellbalken abgestellt, konstruktiv jedoch nicht in das Fachwerk der Aussenhülle eingebunden. Möglicherweise erfolgte der Einbau im späten 19. Jahrhundert als Teil des Gastronomiebetriebs. Unklar ist, aus welchem Gebäudeteil oder welchem anderen Gebäude die datierte Stütze stammt, die hier wohl Zweitverwendung fand. Im Zuge der Instandsetzung des Daches im Jahr 2025 wurden die Anbauten rückgebaut und damit die bauzeitliche Konstruktion und das Volumen wieder klarer lesbar. Das im Osten angeschleppte Dach, ehemals über der Kegelbahn, wurde als Volumen behalten, die Stützkonstruktion musste ersetzt werden.
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

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URL for this unit of description

URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=143357
 

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