INV-HEN914 Bandfabrik Hauptstrasse 2, 1872 (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context


Ansichtsbild:
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Identifikation

Signatur:INV-HEN914
Signatur Archivplan:HEN914
Titel:Bandfabrik Hauptstrasse 2
Bezirk:Laufenburg
Gemeinde:Herznach
Ortsteil / Weiler / Flurname:Unterherznach
Adresse:Hauptstrasse 2
Versicherungs-Nr.:166
Parzellen-Nr.:9
Koordinate E:2646242
Koordinate N:1259004
Situationsplan (AGIS):http://www.ag.ch/app/agisviewer4/v1/html/agisviewer.htm?config=agis_geoportal_fs.json&thema=185&scale=5000&basemap=base_landeskarten_sw&x=2646242&y=1259004

Chronologie

Entstehungszeitraum:1872
Grundlage Datierung:Brandkataster; Literatur

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Einzelobjekt
Nutzung (Stufe 1):Gewerbe-, Industrie- und Dienstleistungsbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Fabrikgebäude, Manufakturgebäude

Dokumentation

Würdigung:1872 am Standort einer alten Hanfreibe und Säge errichtete Seidenzwirnerei, die seit 1923 von der Familie Van Spyk als Bandweberei betrieben wird. Die aus einem ländlichen Gewerbebetrieb hervorgegangene und kürzlich durch einen modernen Holzbau erweiterte Fabrikanlage ist ein wichtiger gewerbe- und industriegeschichtlicher Zeuge für die Gemeinde und die Region. Die äussere Form des Hauptbaukörpers wie auch die Fabrikationshallen im Innern machen die früheren Produktionsbedingungen heute noch erlebbar.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Schon im 17. Jh. bestand am Staffeleggbach zwischen Herznach und Ueken eine Hanfreibe mit angegliederter Sägerei. Auf dem Leimgruber-Plan von 1783 wie auch auf der Michaeliskarte um 1840 ist der alte Gewerbestandort eingezeichnet. Letzter Besitzer der Sägerei war der vom Schwarzwald eingewanderte Blasius Schäuble, dem 1820 vom Kanton die Konzession für den Betrieb einer Wasserkraftanlage erteilt wurde [1]. 1872 errichteten die aus dem Kanton Zürich stammenden Jakob Egli, Alfred Zangger und Julius Sennhauser an gleicher Stelle eine Seidenzwirnerei. Diese bestand aus einem "Fabrikgebäude mit Wohn-, Stiegen- und Turbinenhaus, vier Arbeitssälen und Wohnzimmer" [2]. 1884 ging der Betrieb an die Firma Nüssli-Nef & Cie., 1918 an Ammans & Cie. über. 1923 erwarb der in Basel wohnhafte Holländer Josef van Spyk die Fabrik und verlegte seine Bandweberei nach Herznach. Während der Vorgänger noch ausschliesslich Seidenbänder fabrizierte, stellte die Familie van Spyk ihre Produktion auf technische Bänder um, welche mit dem Aufschwung der Industrie grosse Bedeutung erlangten. Heute werden zusätzlich auch Teppicheinfassungen, Geschenk- und Dekorbänder produziert.
Beschreibung:Das Fabrikgebäude ist ein dreigeschossiger, langgestreckter Baukörper unter mittelsteilem, nur wenig vorspringendem Satteldach. Die mit Einzelfenstern regelmässig gegliederte Hauptfassade wird durch einen vorspringenden Risalit mit Quergiebel unterbrochen, welcher das Treppenhaus birgt. Auf dem Quergiebel sitzt ein kleiner Dachreiter mit Glocke. Der Hauptzugang ins Gebäude befindet sich auf der Südseite des Treppenhausrisalits. Bis 1941 wurde der gesamte südliche Gebäudeteil noch zu Wohnzwecken genutzt, ehe hier Empfangs- und Büroräumlichkeiten eingerichtet wurden. Der nördliche Gebäudetrakt umfasste auf allen drei Geschossen Fabrikationshallen. In den grossen Produktionsräumen sind von der historischen Ausstattung einzelne Gusseisensäulen und Konsolen erhalten geblieben. Im ersten Obergeschoss steht noch eine alte Maschine zur Herstellung von Bändern. Das abfallende Geländeniveau ausnutzend, wurden rückwärtig im Untergeschoss ein Lagerraum und ein quer zum First verlaufender Gewölbekeller eingerichtet.
Nördlich schliessen an den Hauptbaukörper Annexbauten unter gestaffelter Firstlinie an. Eine historische Aufnahme aus der Zeit um 1923 zeigt die Fabrikanlage noch mit der alten Sägerei (vgl. Bilddokumentation). Auf der Südseite des Fabrikareals stand ein ehemaliges Kleinbauernhaus, in dem Büros und ein Aufenthaltsraum für die Angestellten eingerichtet waren. 2009 wurde das Gebäude abgebrochen und durch einen grossmassstäblichen Neubau aus Holz ersetzt [3].
Anmerkungen:[1] Vgl. Hüsser 2000, S. 74-76.
[2] Staatsarchiv Aargau, CA.0001/0310-0312: Brandkataster 1850-1900.
[3] Projektierung durch das Architekturbüro Felber, Widmer, Kim in Aarau. Das Gebäude wurde mit dem Holzpreis Prix Lignum 2009 ausgezeichnet.
Literatur:- Linus Hüsser, Von der Hanfreibe zur Bandfabrik - Ein Beitrag zur Geschichte der Herznacher Wasserkraftanlagen, in: Vom Jura zum Schwarzwald 2000, S. 73-76.
Quellen:- Staatsarchiv Aargau, CA.0001/0310-0312: Brandkataster Gemeinde Herznach 1850-1900.
 

URL for this unit of description

URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=14253
 

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