Identifikation |
| Signatur: | INV-NIW915 |
| Signatur Archivplan: | NIW915 |
| Titel: | Klosterscheune |
| Ansichtsbild: |
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| Bildlegende: | Ansicht von Südwesten (2023) |
| Bezirk: | Bremgarten |
| Gemeinde: | Niederwil (AG) |
| Ortsteil / Weiler / Flurname: | Gnadenthal |
| Adresse: | Reusspark 1.1 |
| Versicherungs-Nr.: | 183 |
| Parzellen-Nr.: | 35 |
| Koordinate E: | 2665265 |
| Koordinate N: | 1249385 |
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Chronologie |
| Entstehungszeitraum: | 1907 - 1908 |
| Grundlage Datierung: | Brandkataster |
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Typologie |
| Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.): | Teil einer Baugruppe |
| Weitere Teile der Baugruppe: | NIW001 Zisterzienserinnenkloster Gnadenthal |
| Nutzung (Stufe 1): | Sakrale Bauten und Anlagen |
| Nutzungstyp (Stufe 2): | Klösterliches Ökonomiegebäude |
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Schutz / Status |
| Status Bauinventar: | Neuaufnahme 2024 |
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Dokumentation |
| Würdigung: | Zum ehem. Zisterzienserinnenkloster Gnadenthal gehörendes Ökonomiegebäude mit Pferdestall und Scheune von 1907/08, das 1932/33 erweitert wurde. Die Scheune wurde im Zusammenhang mit der Selbstversorgung der 1894 gegründeten Pflegeanstalt errichtet. Sie bewahrt die für einen Ökonomiebau differenzierte Fassadengestaltung aus Fachwerk, Ziegelrahmung und dekorativ diagonaler Bretterverschalung sowie geschwungene Giebelverschalungen. Die Scheune ist aus ortsbaulicher sowie aus historischer Sicht ein wichtiges Element des baulichen Ensembles der ehem. Klosteranlage und seiner Nutzungsgeschichte. |
| Bau- und Nutzungsgeschichte: | Das Zisterzienserinnenkloster Gnadenthal entstand im 13. Jh. Nach dem Aargauer Klosterstreit von 1841 und der damit zusammenhängenden Klosteraufhebung durften die Nonnen 1843 zurückkehren. 1876 hob der Kanton Aargau das Kloster jedoch endgültig auf und verkaufte die Gebäude, die anschliessend als Tabak- und Zigarrenfabrik genutzt wurden. 1894 wurde in den ehemaligen Klostergebäuden eine Pflegeanstalt eingerichtet, die sich seit 1998 "Zentrum für Pflege und Betreuung Reusspark" nennt [1]. Für die 1894 gegründete Pflegeanstalt war die Selbstversorgung durch Landwirtschaft ein wichtiges Anliegen. Die seit 1726 bestehende Klosterscheune wurde deshalb im 20. Jh. mehrfach umgebaut und erweitert, bis sie schliesslich 1974 abgebrochen wurde. Die neue, heutige Klosterscheune wurde 1907/08 errichtet und 1932/33 erweitert [2]. Bei der Erweiterung handelt es sich wahrscheinlich um den nach Süden ausgerichteten Quergiebeltrakt. An nachträglichen baulichen Veränderungen fanden nur kleine Eingriffe statt. So erfolgte 1987 ein Garage- und Werkstatteinbau [3]. 1997 wurden eine Hourdisdecke und eine Zwischenwand entfernt sowie ein Zwischenboden ersetzt [4]. Heute wird die Scheune vor allem als Pferdestall genutzt. |
| Beschreibung: | Das Ökonomiegebäude gehört zum baulichen Ensemble des ehem. Klosters Gnadenthal, das sich in einer Biegung der Reuss im Nordosten des Gemeindegebiets von Niederwil-Nesselnbach befindet. Der grossvolumige Baukörper prägt mit seiner prominenten Stellung den Strassenraum und bildet den Auftakt zum Klosterareal und dem heutigen Geriatriezentrum Reusspark. Die Scheune erhebt sich über einem L-förmigen Grundriss und ist in Mischbauweise ausgeführt. Der untere Bereich ist gemauert; der obere Bereich besteht aus einer Ständerkonstruktion, wobei es sich beim Gebäudetrakt in Ost-West-Richtung um Fachwerk handelt und beim südlichen Trakt um Ständer mit dekorativ diagonaler Holzverschalung. An der östlichen Giebelseite des Ost-West-Traktes führt eine Hocheinfahrt direkt in den voluminösen Dachraum. Die beiden Trakte sowie die Hocheinfahrt tragen jeweils ein Satteldach. Dabei sind die westliche und die östliche Giebelseite jeweils mit einem weit auskragenden Fusswalm versehen. Unter dem First zeigen sie eine schmuckvoll geschwungene Giebelverschalung. Darunter ist beim südlichen Trakt ein Stichbogenfenster, das mit einem Kreuz bekrönt ist. Das Kreuz als religiöses Zeichen soll die Scheune schützen und verweist auf den baulichen und funktionalen Bezug zur Klosterkirche. Im Erdgeschoss befinden sich der Stall mit den Pferdeboxen sowie Remisen. Türen und Tore sind hier an den Aussenfassaden dekorativ mit einem Bogen aus roten Ziegelsteinen versehen. Die Wände der Pferdeboxen sind aus stehenden Bohlen konstruiert, die oben mit einem Eisengitter abgeschlossen werden und zudem mit Pferdebüsten geschmückt sind [5]. Im oberen Bereich befindet sich der durch die Hocheinfahrt zugängliche Heuraum. Konstruktiv handelt es sich bei der Dachkonstruktion um ein Rafen-Pfettendach mit Kniestock. Die Mittelpfetten werden von einer Kombination aus stehendem und liegendem Stuhl gestützt, wobei der Kehlbalken durch Zangen gebildet wird. Dieser wird zudem von oben durch eine Hängesäule hochgezogen, die von Druckstreben gestützt wird. Die Fusspfette ruht auf einem ebenfalls als Zange ausgebildeten Querholz, das mit der Stuhlstrebe und dem Stuhlständer verbunden ist und den Druck gegen aussen nach innen zieht. |
| Anmerkungen: | [1] Zur Geschichte des Klosters siehe Laetitia Zenklusen, Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Gnadenthal. Schweizerischer Kunstführer GSK, Bern 2002, S. 6–16; Peter Felder, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Bd. 4: Der Bezirk Bremgarten, Basel 1976, S. 304–329. [2] Pflegeanstalt Gnadenthal (Hg.). 50 Jahre Pflegeanstalt Gnadenthal 1894–1944, o.O., o.J., S. 20; Staatsarchiv Aargau (StAAG): CA.0001/0095–CA.0001/0096 (1899–1938), Vers. Nr. 183, Brandkataster Gemeinde Niederwil. [3] Gemeinde Niederwil Baugesuchsarchiv, Baugesuch Nr. 57/87 (1987); 85/97 (1997). [4] Gemeinde Niederwil Baugesuchsarchiv, Baugesuch Nr. 85/97 (1997). Ein Grund für den Austausch könnten Schäden gewesen sein, vgl. Benno Furrer, Landwirtschaftliche Bauten der Viehwirtschaft. Merkblätter des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz, Kulturgüterschutz, 2007: "In der Zeit zwischen etwa 1880 und 1920 wurden Stalldecken auch in Hourdis-Technik ausgeführt. Die Ausdünstungen der Tiere setzten aber den eingebauten Stahlträgern dermassen stark zu, dass sich diese Bauweise nicht bewährte." [5] Derartige Pferdestalleinrichtungen erstellten im frühen 20. Jh. beispielsweise die Unternehmen Gebrüder Lincke, Zürich oder Haupt & Ammann, Zürich. |
| Erwähnung in anderen Inventaren: | - Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), Gnadenthal, regionale Bedeutung., Gebiet "Klosteranlage", Erhaltungsziel A. |
| Literatur: | - Pflegeanstalt Gnadenthal (Hg.). 50 Jahre Pflegeanstalt Gnadenthal 1894–1944, o.O., o.J., S. 20. |
| Quellen: | - Staatsarchiv Aargau (StAAG): CA.0001/0095–CA.0001/0096 (1899–1938), Vers. Nr. 183, Brandkataster Gemeinde Niederwil. - Gemeinde Niederwil Baugesuchsarchiv, Baugesuch Nrn. 57/87 (1987); 85/97 (1997). |
| Reproduktionsbestimmungen: | © Kantonale Denkmalpflege Aargau |
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URL for this unit of description |
| URL: | https://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=141530 |
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