INV-VEL915 Pfalzstrasse 20, 1670 (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context


Identifikation

Signatur:INV-VEL915
Signatur Archivplan:VEL915
Titel:Pfalzstrasse 20
Ansichtsbild:
1/2
Bildlegende:Ansicht von Südwesten (2016)
Bezirk:Brugg
Gemeinde:Veltheim (AG)
Ortsteil / Weiler / Flurname:Unterdorf
Adresse:Pfalzstrasse 20
Versicherungs-Nr.:8
Parzellen-Nr.:286
Koordinate E:2653552
Koordinate N:1254404
Situationsplan (AGIS):http://www.ag.ch/app/agisviewer4/v1/html/agisviewer.htm?config=agis_geoportal_fs.json&thema=185&scale=5000&basemap=base_landeskarten_sw&x=2653552&y=1254404

Chronologie

Entstehungszeitraum:1670
Grundlage Datierung:Inschrift (Kellerportal)

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Einzelobjekt
Nutzung (Stufe 1):Profane Wohnbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Wohnhaus
Epoche / Baustil (Stufe 3):Spätgotik

Dokumentation

Inschriften:"H 16 70 W" (Kellerportal im Hausinneren)
Würdigung:Kleinformatiges spätgotisches Bauernhaus, das sich aus einem schmalen, steilgieblig aufragenden gemauerten Wohnteil und einem in der Höhe abgestuften Scheunentrakt aus Holz und Stein zusammensetzt. Mit seiner intakten äusseren Erscheinung, den bauzeitlichen gekehlten Fenstern an der Südfassade, dem rundbogigen Kellerportal mit Bauinschrift von 1670, dem originalen rauchgeschwärzten Dachgerüst wie auch dem gut erhaltenen Scheunentrakt weist das Gebäude ein hohes Mass an wertvoller originaler Substanz auf. Es handelt sich um einen wichtigen Zeugen des spätgotischen Bauens auf dem Land, wie es in ähnlicher Konstellation mit charakteristisch abgestuftem Wohn- und Scheunenteil noch bei verschiedenen Häusern in Veltheim zu beobachten ist.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Die Abmessungen des alten Balkenkellers und die Lage des rundbogigen Eingangsportals etwa 3 m innerhalb der heutigen nördlichen Gebäudeflucht könnten auf die Existenz eines kleineren Kernbaus verweisen. Auf einer alten Renovationsaufnahme von 1949 ist an der westlichen Giebelmauer denn auch eine Schichtfuge im Mauerwerk zu erkennen, welche mindestens bis auf Deckenhöhe des Erdgeschosses reicht. Ob sich die Inschrift "H 16 70 W" am Scheitel des genannten Rundbogenportals auf den vermuteten Kernbau oder aber auf das Wohnhaus in den heutigen Ausmassen bezieht, muss offenbleiben [1]. Der auffallend steile Dachgiebel, die kräftige, durchgehend noch rauchgeschwärzte Dachkonstruktion sowie die spätgotisch gekehlten Fenstergewände an der südlichen Trauffassade lassen indessen eine Entstehung des Baukörpers in seinen heutigen Ausmassen schon im 17. Jh. vermuten.
Im Giebelfeld der östlichen Stirnmauer zur Scheune hin ist eine grosse, nachträglich vermauerte Öffnung zu erkennen, welche nahelegt, dass der gemauerte Wohnteil ursprünglich freistand oder aber mit einem niedrigeren Ökonomieteil als dem heutigen verbunden war. Die bestehende Scheune mit Ständerwänden, holzgenageltem Tenntor und einer ähnlich gestalteten Dachkonstruktion wie am Wohnteil dürfte vermutlich aus dem 18. Jh. stammen.
Der erste Brandkatastereintrag von 1809 nennt „Haus und Scheune aus Stein, mit Ziegeldach und Tremkeller“, im Besitz von Andreas Leuenberg [2]. Wie auf einer historischen Fotoaufnahme zu ersehen ist, hat 1949 eine Aussenrenovation stattgefunden (vgl. Fotodokumentation). 1973 erfolgte ein grösserer Umbau, bei dem die Wohnräume des Erdgeschosses und der Treppenaufgang mitsamt dem darunterliegenden Kellervorraum modernisiert wurden [3].
Beschreibung:Der markante Baukörper steht in exponierter Stellung hart an der Pfalzstrasse im Veltheimer Unterdorf. Das Wohnhaus erhebt sich als steilgiebliger spätgotischer Mauerbau zweigeschossig über einem grösstenteils freiliegenden Kellersockel, während der aus Holz und Stein gefügte Scheunenteil ostseitig unter deutlich niedrigerem First anschliesst [4]. Der Wohnteil war nach Ausweis der heute im Gebäudeinneren gelegenen alten Aussenwand mit Kellereingang ursprünglich rund 3 Meter schmaler (vgl. Baugeschichte).
Als Schauseite tritt die südliche Trauffassade in Erscheinung, welche auf einer Aufnahme aus dem frühen 20. Jh. mit auffallend schönem, glattem Verputz versehen war (vgl. Bilddokumentation). Im Erdgeschoss haben sich hier ein Einzel- und ein Zwillingsfenster mit für die Bauzeit typischen spätgotischen Kehlgewänden erhalten, welche trotz der kleinräumigen Verhältnisse einen gewissen repräsentativen Anspruch dokumentieren. Die bestehenden Einzelfenster im Obergeschoss stammen wohl aus dem 19. Jh. Die zur Pfalzstrasse gewandte, westliche Giebelseite ist mit zwei älteren Einzelfenstern in unregelmässiger Anordnung sowie einem etwas grösseren, nachträglich ausgebrochenem Fenster versehen. Eine schmale, schartenartige Lüftungsöffnung und dreieckförmige Giebellichter, welche zum originalen Baubestand gehören, sind heute vermauert. Das wohl von Beginn weg mit Ziegeln eingedeckte Dach war früher in spätgotischer Manier ohne Überstand nahtlos an die Stirnmauer gesetzt (heute mit leichtem Überstand).
Der von einem rechteckigen Muschelkalkgewände gerahmte Hauseingang liegt deutlich erhöht an der nördlichen Traufseite. Unter der langen, jüngst erneuerten Freitreppe befindet sich der Zugang in den Kellerraum. Das alte rundbogige Kellerportal mit der heute verdeckten Scheitelinschrift "H 16 70 W" ist dabei rund 3 Meter ins Hausinnere gerückt, wo es die ehemalige nördliche Begrenzung eines nicht klar definierten Kernbaus markiert (vgl. Baugeschichte). Der alte Kellerraum mit auffallend kräftiger eichener Deckenbalkenlage nimmt ungefähr zwei Drittel des heutigen Hausgrundrisses ein.
Das auffallend hoch gelegene Erdgeschoss umfasst im südgerichteten Vorderhaus die zwei sehr klein dimensionierten Räume von Stube und Nebenstube. Rückwärtig liegt in der Nordwestecke der kleine Hausflur, ostseitig schliesst die Küche an. Entlang der nördlichen Traufwand führt hier eine schlichte Holzstiege hinauf ins Obergeschoss, welches eine Diele und zwei kleine Schlafkammern enthält. In der Stube und Nebenstube sind noch die kräftigen, abgefasten Deckenbalken sichtbar, ansonsten weisen die Wohnräume jüngere Oberflächen auf. Umso mehr tritt das hohe Alter des Hauses im Dachraum zutage, wo das kräftige bauzeitliche Dachgerüst mit liegenden Stuhl und Dreieckstreben eine durchgehende Rauchschwärze aufweist.
Der östlich an das Wohnhaus anschliessende Scheunentrakt mit Tenn und Stall ist als Ständerkonstruktion mit massiver Giebelmauer erstellt. Auf der Nordseite haben sich unter der weit vorgezogenen Dachtraufe noch grosse Teile der originalen Ständerwand mit Bohlenfüllungen und holzgenageltem Tenntor erhalten. Das Dachgerüst ist ähnlich wie über dem Wohnteil als Sparrenkonstruktion mit liegendem Stuhl und verzapften Kopfhölzern ausgebildet, weist jedoch keine Rauchschwärze auf. Nordöstlich ist das Dach über einen Anbau aus der Zeit um 1900 herabgeschleppt. An die verbretterte östliche Giebelwand lehnt sich ein gemauerter Pultdachanbau an.
Anmerkungen:[1] Inschrift am Kellerportal gemäss Stettler / Maurer Kdm AG II 1953, S. 439 u. Notizen Kunstdenkmäler-Inventarisation 1949.
[2] Staatsarchiv Aargau, CA.0001/0202-0204; Brandkataster Gemeinde Veltheim, 1850-1938; ZwA 1942.0001, Bezirksamt Brugg, Brandkataster Gemeinde Veltheim, 1809-1850.
[3] Freundliche Auskunft der Eigentümer (2015).
[4] Eine ähnliche Disposition mit hoch aufragendem Wohnteil und niedrigerem Scheunentrakt findet sich in Veltheim noch bei verschiedenen spätgotischen Bauten, so bei den beiden „Pfaffenhäusern“ Oberdorfstrasse 9 und Stalden 1 (Kantonale Denkmalschutzobjekte VEL003/VEL004), ebenso bei der Liegenschaft Pfalzstrasse 8 (Bauinventarobjekt VEL916).
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
Literatur:- Michael Stettler / Emil Maurer, Die Bezirke Lenzburg und Brugg (Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 2), Basel 1953, S. 439.
- Thomas Schärli, Veltheim. Ein Dorf am Rande des Aargauer Juras, von den Anfängen bis zur Gegenwart, Veltheim 1992., S. 179 (histor. Aufnahme).
Quellen:- Staatsarchiv Aargau, CA.0001/0202-0204; Brandkataster Gemeinde Veltheim, 1850-1938; ZwA 1942.0001, Bezirksamt Brugg, Brandkataster Gemeinde Veltheim, 1809-1850.
- Kantonale Denkmalpflege Aargau, Fotoarchiv.
- Kantonale Denkmalpflege Aargau, Kunstdenkmäler-Archiv: Notizen Kunstdenkmäler-Inventarisation, um 1949.
Reproduktionsbestimmungen:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

URL for this unit of description

URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=130799
 

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