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Unternehmen mit guter Praxis

Viele Unternehmen setzen auf eine ausgewogene Mischung von älteren und jüngeren Mitarbeitenden und stellen Mitarbeitende über 50 ein; zum Beispiel die Naef GROUP, die Regionalbus Lenzburg AG oder die Richnerstutz AG. Auch der Kanton Aargau nutzt das Potenzial von älteren Mitarbeitenden.

"Wir schauen auf den Menschen und nicht auf sein Alter"

Sarah Naef, CFO Naef GROUP
Sarah Naef © Naef GROUP

Die Naef GROUP saniert mit 70 Mitarbeitenden Trinkwasser- und Fussbodenheizungsleitungen. Sie ist Pionierin bei der Rohrsanierung von innen. Der Schweizer Familienbetrieb hat Niederlassungen in Freienbach, Oberentfelden und Thun. Sarah Naef, CFO, erklärt, was sie an Mitarbeitenden über 50 schätzt.

Sarah Naef, haben Sie in den letzten Jahren über 50-Jährige eingestellt?

Selbstverständlich haben wir über 50-Jährige eingestellt, zum Beispiel einen 56-Jährigen, der zuerst als Techniker bei uns angefangen hat. Bei der Arbeit haben wir bemerkt, dass er sich auch als Berater eignen würde. Jetzt ist er einer unserer erfolgreichsten Berater. Einen weiteren über 50-Jährigen haben wir als Techniker eingestellt, einen über 60-Jährigen als Allrounder.

Was schätzen Sie an den Mitarbeitenden über 50?

Einerseits ihre langjährige Erfahrung im Fachbereich, die sehr wichtig für uns ist. Andererseits sind die über 50-jährigen Mitarbeitenden oft ehrgeizig und haben eine gute Arbeitseinstellung. Sie setzen sich ein und denken mit. Zudem bleibt jemand, der bei uns mit 55 Jahren anfängt sicher noch zehn Jahre im Betrieb. Bei Jüngeren ist die Fluktuation höher.

Und die höheren Pensionskassenbeiträge für 50plus – spielen sie eine Rolle bei der Rekrutierung?

Nein, überhaupt nicht. Dass Ältere etwas mehr kosten, spielt für uns keine Rolle. Sie bringen der Firma so viel. Wir schauen immer auf den Menschen und nicht auf sein Alter. Der einzelne Mitarbeiter ist unser grösstes Gut. Wir achten auch weniger auf Diplome, sondern vielmehr darauf, ob jemand zu uns passt. Viele Mitarbeiter arbeiten schon sehr lange bei uns.

Weshalb ist eine gute Altersdurchmischung für die Naef GROUP wichtig?

Eine gute Mischung sowohl von Männern und Frauen sowie aller Altersgruppen ist sehr wertvoll für unser Unternehmen. Die Jungen können von den Älteren lernen und die Älteren von den Jüngeren.

"Ältere bringen eine andere Sichtweise ein"

André Richner (Portrait-Foto)
André Richner © Richnerstutz AG

Die Richnerstutz AG in Villmergen produziert Werbung und ist auf digitalen Grossformatdruck für Messen, Läden und Veranstaltungen spezialisiert. Der Betrieb mit 80 Mitarbeitenden hat in den letzten Jahren einige ältere Mitarbeitende eingestellt. André Richner, Geschäftsführer, erklärt, warum er auf eine gute Mischung zwischen Alt und Jung setzt.

Herr Richner, weshalb ist eine gute Altersdurchmischung im Unternehmen wertvoll?

André Richner: Höheres Alter heisst für uns auch mehr Erfahrung. Und auf diese Erfahrung zählen wir gerne. In unserer Branche sind sonst üblicherweise eher jüngere Personen beschäftigt. Genau dieser "Gegenstrom" hebt uns dann jedoch etwas von den Mitbewerbern ab – es gibt auf verschiedene Themen eine andere Sicht.

Sind die höheren Pensionskassenbeiträge für Ältere ein Thema für Sie bei der Einstellung?

Sicher stehen auch wir unter starkem Preisdruck. Bei der Mitarbeiter-Rekrutierung schauen wir aber grundsätzlich erst in zweiter Linie auf den Lohn.

Haben Sie bei Bewerbungen eine interne Altersgrenze?

Nein, das kommt ganz auf das Wesen des Bewerbers an. An ein Alter wird es nicht gekoppelt. Trotzdem ist uns sehr wichtig, dass wir mit unseren Mitarbeitern auf eine längere Zusammenarbeit bauen können.

"Die Mehrheit ist bei uns über 50"

René Bossard (Portrait-Foto)
René Bossard © Regionalbus Lenzburg AG

Die zur EUROBUS-Gruppe gehörende Regionalbus Lenzburg AG hat in den letzten Jahren viele Mitarbeitende über 50 eingestellt. René Bossard, Geschäftsführer, sagt weshalb.

Herr Bossard, weshalb haben Sie schon häufig Ältere eingestellt?

René Bossard: Wir sind für ältere Mitarbeitende generell attraktiver als für jüngere. Jüngere wollen die Welt sehen, Ältere sind meist in einer stabileren Lebenssituation und wollen eine geregelte Arbeitszeit und einen sicheren Arbeitsplatz. Bei uns ist die Mehrheit der 110 Mitarbeitenden über 50 Jahre alt.

Sind sie Ihnen nicht zu teuer?

Die paar hundert Franken Unterschied wiegen die älteren Mitarbeitenden mit ihrer Lebenserfahrung und Treue auf.

Wo sehen Sie Vorteile bei der Anstellung von Älteren?

Sie sind meist gelassener im Umgang mit Problemen, sehr zuverlässig, loyal, treu und verfügen über einen grossen Wissensschatz.

"Wir legen Wert auf Vielfalt – auch beim Alter"

Flurina Stöckli
Flurina Stöckli

Der Kanton Aargau setzt gern auf ältere Mitarbeitende, wenn sie von den Qualifikationen her passen. Flurina Stöckli, Leiterin der Abteilung Personal und Organisation des Kantons, klärt über 50plus beim Kanton auf.

Wie gross wäre meine Chance als über 50-Jährige eine Stelle beim Kanton Aargau zu erhalten?

Im Jahr 2014 waren rund 16 Prozent der neu eingestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zwischen 50 und 65 Jahren alt. Die Mehrheit unserer Mitarbeitenden ist zwischen 50 und 65 Jahre alt. Zeitgemässe Anstellungsbedingungen für Arbeitnehmende 50plus sind bei uns somit gegeben. Bei der Personalauswahl und Teamzusammensetzung legen wir, wie auch im personalpolitischen Leitbild verankert, besonders Wert auf Vielfalt, auch beim Alter: So ergeben sich kreative und zielführende Dialoge, vor allem wenn frisches, in der Ausbildung erlangtes, theoretisches Wissen, auf langjährige Erfahrung trifft. Davon profitieren unsere Mitarbeitenden und so auch der Arbeitgeber und schliesslich die Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons Aargau. Eine Anstellungspolitik, die eine bestimmte Alterskategorie bevorzugt, gibt es bei uns daher nicht.

Wo sind 50plus beim Kanton Aargau besonders gefragt?

Bei uns gibt es viele Berufe, welche eine lange Ausbildungsdauer, Weiterbildungen sowie mehrjährige Berufserfahrung und ausserberufliche Erfahrungen erfordern. Aufgrund dieser Voraussetzungen sind in solchen Berufen ältere Arbeitnehmende besonders gefragt.

Gibt es kantonale Weiterbildungsangebote für Ältere, die sich nicht nur mit der Pensionierung befassen?

Dem Kanton Aargau ist es wichtig, die Arbeitsmarktfähigkeit seiner Mitarbeitenden auch im Alter weiter zu erhalten. In unserem Weiterbildungsangebot bieten wir Seminare an, welche bei lebensphasenspezifischen Fragestellungen unterstützen sowie beispielsweise. "Stressmanagement 50plus" oder "Richtig Sparen ab 40 – gut Leben im Alter". Im Bereich Selbstkompetenz bietet der Kanton Aargau zudem Seminare zum mutigen Umgang mit neuen Situationen sowie zum Thema Gesundheit, der Vereinbarung verschiedener Lebensbereiche und Energiemanagement an. Diese kommen auch besonders älteren Arbeitnehmenden zugute, da sie lernen, ihre Zeit und Energie weiterhin richtig einzusetzen.