Wie entstehen amtliche Zahlen? Das Beispiel der Spitex-Statistik
Anlässlich des Weltstatistiktags am 20. Oktober werfen wir einen Blick in die "Maschinenräume" der amtlichen Statistik. Hinter jeder veröffentlichten Kennzahl steckt ein komplexer Prozess aus Datenerhebung, Prüfung, Validierung und Analyse sowie ein bisschen Detektivarbeit und jede Menge E-Mails. Am Beispiel der Spitex-Statistik des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen wir auf, wie aus Einzeldaten eine verlässliche Entscheidungsgrundlage entsteht.
Bei der jährlichen Vollerhebung der Spitex-Dienste dreht sich alles darum, die ambulante Pflege in der Schweiz zu verstehen: Wie viele Klienten werden betreut? Wo fehlen Fachkräfte? Und wie entwickeln sich die Kosten? Diese Daten sind essenziell für politische Entscheidungen und die Versorgungsplanung. Die Statistik bildet die Grundlage, um die Gegenwart abzubilden und die Zukunft zu planen.
Der Weg vom Datenpunkt zur Statistik
Diese Zahlen entstehen in einem mehrstufigen Prozess. Die Spitex-Dienste sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Daten dem Bund zu liefern. Im Kanton Aargau werden diese Daten von Statistik Aargau erhoben und geprüft.
Der Prozess beginnt Ende Dezember mit der Aufforderung zur Datenlieferung. Bis Ende März reichen die Spitex-Dienste ihre Angaben zu Personal, Finanzen und Klientel über eine gesicherte Online-Plattform des Bundes ein. Doch die reine Übermittlung ist erst der Anfang: Automatische Prüfungen auf der Plattform werden durch eine erweiterte Plausibilitätsprüfung von Statistik Aargau ergänzt.
Qualitätssicherung als Kernaufgabe
Ein wesentlicher Teil der Arbeit liegt in der Fehlerbehebung. Wir spielen dies am Beispiel der fiktiven "Organisation A" durch: In den eingereichten Daten haben sich die Anzahl der Klienten und die Finanzkennzahlen gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt, während die Zahl der Mitarbeitenden konstant geblieben ist. Ein solches Muster ist statistisch auffällig und unplausibel. In einem solchen Fall kontaktiert Statistik Aargau die Organisation. Im direkten Dialog stellt sich oft heraus, dass es spezifische Gründe gibt – in unserem Beispiel eine Fusion mit einer anderen Organisation. Die stagnierende Zahl der Mitarbeitenden geht auf einen Fehler bei der Software-Migration der Mitarbeiterstammdaten zurück. "Organisation A" kann den Fehler beheben, die Daten erneut hochladen und Statistik Aargau validiert den Eintrag.
Dieser Prozess ist sehr aufwendig: Bei Statistik Aargau wurden In der Erhebungsperiode zu Beginn des Jahres von zwei Mitarbeitenden über 900 E-Mails versandt und unzählige Telefonate geführt, um die Datenqualität der 230 Datenlieferanten im Kanton sicherzustellen. Erst nach dieser Qualitätssicherung fliessen die Daten in die gesamtschweizerische Auswertung des BFS ein.
Die Spitex-Statistik zeigt exemplarisch, dass amtliche Daten nicht einfach "gesammelt", sondern "erarbeitet" werden. Damit Zahlen vergleichbar, nachvollziehbar und verlässlich sind, bedarf es einer engen Zusammenarbeit zwischen den Datenlieferanten, den kantonalen Stellen und dem Bund. Diese verlässlichen Zahlen sind die Voraussetzung für eine nachvollziehbare und weitsichtige Steuerung unseres Gesundheitssystems.
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