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Geschichte 1712: Der Zweite Villmergerkrieg

Der Zweite Villmergerkrieg war ein militärischer Konflikt zwischen reformierten und katholischen Orten der Alten Eidgenossenschaft. Er brachte eine politische Neuordnung und beendete die Vormachtstellung der katholischen Orte.

Gemälde von Heeren, die sich in Schlacht gegenüber stehen. Bild vergrössern
Darstellung der Zweiten Schlacht von Villmergen am 25. Juli 1712. Johann Heinrich Meyer, Quelle: Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, Graphische Sammlung.

Als Villmergerkriege werden zwei militärische Konflikte der Alten Eidgenossenschaft bezeichnet. Beim Dorf Villmergen in der gemeinsam verwalteten Zone zwischen den Machtblöcken fanden 1656 und 1712 blutige Entscheidungsschlachten statt. Politischer Streitpunkt war die Machtverteilung im eidgenössischen Staatenbund. Insbesondere die aufstrebenden Wirtschaftszentren Bern und Zürich beanspruchten mehr Einfluss in den gemeinsam regierten Gebieten. Im Ersten Villmergerkrieg 1656 hatten sich die katholischen Truppen durchgesetzt und die seit dem Zweiten Kappeler Landfrieden von 1531 geltende Vormachtstellung der katholischen Orte gefestigt.

Toggenburger Wirren

Auslöser für den Zweiten Villmergerkrieg waren seit Jahrzehnten schwelende Spannungen zwischen dem Kloster St. Gallen und seinen mehrheitlich reformierten Untertanen im Toggenburg. Im April 1712 eskalierte der Konflikt. Die reformierten Stadtstaaten Zürich und Bern erklärten dem Fürstabt von St. Gallen den Krieg. Erste Besetzungen und Plünderungen fanden auf dem Terrain der heutigen Ostschweiz statt.

Berns Mobilmachung

Katholischer Korridor

Die katholischen Fünf Orte Luzern, Schwyz, Uri, Zug und Unterwalden entschieden sich zur Gegenwehr. Wie bereits im Ersten Villmergerkrieg besetzten sie strategisch wichtige Städte und Flussübergänge im Freiamt und in der Landvogtei Baden. In diesen gemeinsam regierten Gebieten hatten die katholischen Orte die Oberhand. Sie stellten rund drei Viertel der Landvögte und es gelang ihnen, die Region weitgehend katholisch zu halten. Ziel war die Sicherung eines aus den Freien Ämtern und der Grafschaft Baden bestehenden "katholischen Korridors" zwischen dem Berner und dem Zürcher Herrschaftsgebiet.

Schutz erkauft: Das Kloster Muri

Kriegsschauplatz Baden

Gleichzeitig mobilisierte Bern seine Truppen. Bei Stilli überquerten sie die Aare und vereinten sich mit den Zürcher Truppen. Die Städte Mellingen und Bremgarten wurden von den Reformierten eingenommen. Unter Artilleriebeschuss kapitulierte am 1. Juni 1712 auch die katholisch besetzte Stadt Baden.

Baden unter Beschuss

Friedensbemühungen

Der militärische Druck führte zur Intensivierung der seit Beginn der Auseinandersetzungen betriebenen Friedensgespräche. Am 18. Juli 1712 unterzeichneten die Gesandten Zürichs, Berns, Luzerns und Uris einen Friedensvertrag, der aber nie in Kraft trat. Die Innerschweizer Landsgemeinden lehnten die verlustreichen Friedensbedingungen ab. Die Kriegshandlungen wurden fortgesetzt.

Krieg der Pamphlete

Politische Neuordnung

Soldaten flüchten auf Pferden und zu Fuss aus der Schlacht. Bild vergrössern
Flucht der Innerschweizer bei Villmergen AG am 25. Juli 1712. Unter einem bedeckten Himmel greifen rechts aus der Tiefe die Berner Truppen an, überrennen ein feindliches Geschütz und treiben die Innerschweizer in die Flucht. Maler Johann Franz Strickler. © Schweizerisches Landesmuseum

Nach Gefechten bei Sins und am Zürichsee kam es am 25. Juli 1712 zur Entscheidungsschlacht bei Villmergen. Die besser ausgerüsteten Berner Truppen errangen den Sieg und zwangen die katholischen Orte erneut an den Verhandlungstisch. Im Vierten Landfrieden von Aarau wurden die Machtverhältnisse zugunsten der reformierten Orte neu geregelt. Der Preis für die politische Neuordnung war hoch: Mit rund 4000 Toten und Verletzten war der Zweite Villmergerkrieg die mit Abstand blutigste Auseinandersetzung innerhalb der Eidgenossenschaft.

Landfrieden von Aarau

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Literatur

Quellen

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