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SDG 12: Verantwortungsvoller Konsum und Produktion

SDG 12 Ziel: Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen

SDG 12: Entwicklungsstand im Kanton Aargau

Die gegenwärtigen Konsum- und Produktionsmuster schweizweit übersteigen die Regenerationsfähigkeit und die Belastungsgrenzen der Erde um rund das dreifache. Eine effiziente Ressourcennutzung, das Schliessen von Kreisläufen im Produktedesign und der Produktherstellung aber auch Suffizienz-orientierte Verhaltensweisen konnten sich noch nicht grossflächig durchsetzen. Während der Endenergieverbrauch im Inland rückläufig ist, hat der inländische Rohstoffverbrauch stetig zugenommen. Fast die Hälfte der verwendeten Rohstoffe sind Mineralien wie Sand und Kies, welche für den Bau eingesetzt werden. Rund ein Viertel der Rohstoffe basiert auf fossilen Quellen, gefolgt von Metallen und Biomasse. Der hohe Bedarf an mineralischen Rohstoffen führt im Aargau zu einem Anstieg des Kiesabbaus aber auch zu einer zunehmenden Verwendung von Recyclingbaustoffen. Während gesamtschweizerisch zunehmend eine Mangelsituation beim Kies- und Sandangebot festgestellt wird, sind im Aargau noch Kies- und Sandressourcen vorhanden. Schweizweit wird jedoch ein Grossteil des Rohstoffinputs importiert. Damit fällt die Umweltbelastung aus der Bereitstellung der Rohstoffe vornehmlich im Ausland an.

Die Menge an Kehricht, die im Aargau pro Kopf einer Verbrennungsanlage zugeführt wird, ist leicht sinkend und betrug 2019 rund 156 Kilogramm. Etwa ein Drittel der Abfälle in den Kehrichtsäcken ist schweizweit biogener Art, oft sind es verpackte Lebensmittel mit überschrittenem Ablaufdatum. Daneben wird mindestens dieselbe Menge Recyclingstoffe gesammelt. Damit ist die gesamte Siedlungsabfallmenge in der Schweiz pro Kopf im internationalen Vergleich sehr hoch. Bei korrekter Entsorgung verursacht die hohe Abfallmenge in der Schweiz jedoch keine grosse Umweltbelastung mehr. Sie widerspiegelt hingegen den hohen Ressourcenverbrauch und Konsum. Unkorrekt entsorgte Abfälle (Littering) verursachen im Aargau Kosten von mehr als 1 Million Franken und schweizweit gelangen rund 2'700 Tonnen Plastik in Böden und Oberflächengewässer mit teilweise unbekannten Auswirkungen auf Mensch, Tier und Ökosysteme.

Der Entwicklungsstand des SDGs 12 basiert auf den Fakten folgender Themenbereiche:

SDG 12: Schweizer Unterziele mit Relevanz für den Kanton Aargau

Die ausgewählten Schweizer Unterziele des SDG 12 (Stand Oktober 2020) sind für die Kantone relevant und unterstützen bei der Einordnung des beschriebenen Entwicklungsstands.

12.2 Damit die Belastbarkeitsgrenzen des Planeten nicht überschritten werden, wird die Übernutzung natürlicher Ressourcen vermieden, und die Auswirkungen des Konsums und der Produktion auf die Umwelt werden deutlich gesenkt

12.3 Bis 2030 die weltweite Nahrungsmittelverschwendung pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene halbieren und die entlang der Produktions- und Lieferkette entstehenden Nahrungsmittelverluste einschliesslich Nachernteverlusten verringern

12.4 Chemikalien haben während ihres gesamten Lebenszyklus keine schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit des Menschen. Wenn eine Wirkung in der Umwelt beabsichtigt ist, werden die Chemikalien so verwendet, dass keine schädlichen Nebenwirkungen auftreten. Das entsprechende Chemikalien-Management ist mit den Verpflichtungen, Massnahmen und Empfehlungen relevanter internationaler Konventionen und Prozesse abgestimmt

12.5 Die Auswirkungen der Abfälle auf die Umwelt werden begrenzt. Das wirtschaftliche und technische Potenzial der Wiederverwertung von Rohstoffen wird ausgeschöpft

12.6 Unternehmen nehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung in der Schweiz und im Ausland – überall dort wo sie tätig sind – wahr

12.7 Bei der öffentlichen Beschaffung berücksichtigt der Bund Güter, die während ihres gesamten Lebenszyklus hohe ökonomische, ökologische und soziale Anforderungen erfüllen, und nimmt damit eine Vorbildfunktion für andere öffentliche Beschaffer und private Konsumenten ein

12.8 Die Konsumentinnen und Konsumenten sind sich der Auswirkungen ihrer Kaufentscheide auf die Umwelt bewusst

SDG 12: Beziehungen mit anderen SDGs (generisch formuliert)

Die allgemeingültige (generische) Beschreibung der Beziehungen des SDG 12 mit anderen SDGs zeigt wichtige Zusammenhänge und kann Hinweise auf mögliche Handlungsansätze geben

Die hohe wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ist einerseits ein zentraler Treiber für das hohe Konsum- und Produktionsniveau. Andererseits kann sie Investitionen in nachhaltigkeitsorientierte Prozesse ermöglichen. Der erhebliche Anteil mineralischer Rohstoffe am Gesamtrohstoffverbrauch ist insbesondere der hohen Bautätigkeit bei Immobilien und Infrastrukturen geschuldet. Technische und soziale Innovationen sowie Bildung für Nachhaltige Entwicklung und Forschung spielen eine wichtige Rolle hinsichtlich verantwortungsvollen Konsums und nachhaltiger Produktion.

Das hohe Konsum- und Produktionsniveau hat vielfältige Auswirkungen auf Wirtschaft, Mensch und Natur. Zunächst trägt es wesentlich zum Wirtschaftswachstum bei. Gleichzeitig verursacht es einen hohen Energieverbrauch, insbesondere in Form von importierter grauer Energie. Ausserdem haben sowohl die Rohstoffgewinnung als auch die Entsorgung von Gütern auch globale Auswirkungen auf maritime und terrestrische Ökosysteme und beeinflussen über Treibhausgasemissionen das Klimasystem. Die Überbeanspruchung der natürlichen Ressourcen sowie der Regenerationsfähigkeit der Natur weltweit hat längerfristig aber auch Konsequenzen für den Menschen, zum Beispiel für seine Gesundheit und sein Wohlbefinden, für die Ernährungssicherheit oder für die internationale Stabilität.

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