Navigation

Sprunglinks

Bericht Nachhaltige Entwicklung: Aufbau und Konzept

Das Thema Nachhaltige Entwicklung ist komplex, so dass auch eine umfassende Berichterstattung vielschichtig ausfällt. In der Folge sind Konzept, Aufbau und Methodik des fünften Berichts Nachhaltige Entwicklung beschrieben.

Das Nachhaltigkeitsverständnis des Kantons Aargau stützt sich auf das Drei-Dimensionen-Konzept. Neu bildet zudem die globale Agenda 2030 einen Referenzrahmen für den Aargau:

Drei-Dimensionen-Konzept

die Drei Dimensionen Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft sind als sich überschneidende Kreise dargestellt. Bild vergrössern
Grafik: Kanton Aargau

Der Kanton Aargau orientiert sich bei seinem Nachhaltigkeitsverständnis – gleich wie der Bund – am sogenannten Brundtland-Bericht. Dieser war Grundlage für die UNO-Konferenz für Umwelt und Entwicklung von 1992 in Rio de Janeiro. Darin wird nachhaltige Entwicklung als eine Entwicklung definiert, welche die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. Daraus ergab sich das Drei-Dimensionen-Konzept mit den drei Zieldimensionen "gesellschaftliche Solidarität", "ökologische Verantwortung" und "wirtschaftliche Leistungsfähigkeit". Diese Zieldimensionen sind gleichrangig und dürfen langfristig nicht auf Kosten der jeweils anderen erreicht werden.

Agenda 2030

Die Symbole der 17 SDG in der Übersicht.

Die internationale Agenda 2030 wurde am UNO-Sondergipfel im September 2015 verabschiedet. Die Agenda 2030 ist der neue internationale Referenzrahmen für eine nachhaltige Entwicklung. Zentraler Bestandteil sind die 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) mit ihren 169 Unterzielen. Die SDGs tragen der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Dimension der nachhaltigen Entwicklung in ausgewogener Weise Rechnung. Sie sollen bis 2030 von allen UNO-Mitgliedstaaten erreicht werden. Für den Bundesrat stellt die Agenda 2030 einen wichtigen Orientierungsrahmen dar und die internationalen Unterziele wurden für die Schweiz spezifiziert. Um diese zu erreichen, braucht es den Beitrag aller Akteure – auch von Kantonen und Gemeinden. Die Integration der Agenda 2030 in die Nachhaltigkeitsberichterstattung des Kantons Aargau stellt dabei einen ersten wichtigen und pionierhaften Schritt dar.

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheit EDA (öffnet in einem neuen Fenster)

Aufbau und Methodik

Die 3 Nachhaltigkeitsdimensionen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt werden mit 32 Themenbereichen konkretisiert und deren Entwicklung mit Indikatoren gemessen. Dieses Vorgehen entspricht demjenigen der 4 vorangegangenen Berichte zur nachhaltigen Entwicklung im Kanton Aargau. Erstmalig wird im vorliegenden Bericht zusätzlich die global gültige Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) als Referenzrahmen beigezogen. Mit den Erkenntnissen aus den 32 Themenbereichen als faktenbasierte Grundlage wird der Stand der 17 Ziele (SDGs) im Kanton Aargau beschrieben. Die Informationen aus den Themenbereichen werden dadurch in einen bereichsübergreifenden, systemischen Zusammenhang gebracht. Über die Beschreibung der Beziehungen der SDGs zueinander wird die enge Abhängigkeit der verschiedenen SDGs aufgezeigt.

Zuordnung der SDGs zu den Themenbereichen anhand des Beispiels SDG 3 Gesundheit und Wohlergehen, welches den Themen G6, G8 und U4 zugeordnet ist.
Grafik: Kanton Aargau

Methodik der Beschreibung der 32 Themenbereiche

Der Bericht "Nachhaltige Entwicklung im Kanton Aargau 2020" lehnt sich mit seiner Struktur an die vorangehenden Nachhaltigkeitsberichte an. Wichtigste Grundlage bildet weiterhin die faktenbasierte Beschreibung der aktuell 32 Themenbereiche – je 10 in den Dimensionen Wirtschaft und Gesellschaft und 12 in der Dimension Umwelt. Neu dazugekommen ist der eigenständige Themenbereich "Klima". Die Themenbereiche werden durch 1 bis 2 Indikatoren repräsentiert und deren Entwicklung entsprechend gemessen. Die gewählten Indikatoren sollen einfach zu erheben, verständlich, für den Aargau relevant und aussagekräftig sowie mit anderen Kantonen oder mit dem schweizerischen Durchschnitt vergleichbar sein. Ein gleichbleibendes Indikatorenset über die Jahre wird angestrebt. Im Vergleich mit dem vierten Nachhaltigkeitsbericht wurden nur wenige Indikatoren ersetzt oder angepasst. Einzelne Indikatoren basieren auf dem "Cercle Indicateurs", einem System zur Beurteilung der Nachhaltigen Entwicklung, das von 19 Kantonen und 27 Städten gepflegt wird.

In jedem Themenbereich wird die aus Nachhaltigkeitssicht anzustrebende Zielrichtung sowohl für die Indikatoren als auch allgemein für den Themenbereich beschrieben. Der Stand der Themenbereiche wird anhand der erhobenen Indikatoren grafisch dargestellt und unter Einbezug weiterer Fakten beschrieben. Um die Indikatoren zu beurteilen, wird deren Entwicklung über die Zeit betrachtet. Einerseits langfristig (in der Regel ab 2000), andererseits kurzfrisitg (in der Regel ab 2016). Wenn die beobachtete Veränderung im entsprechenden Zeitraum zwischen plus 3 Prozent und minus 3 Prozent liegt, gilt sie als unverändert. Ansonsten gilt sie als positiv oder negativ, abhängig von der Zielrichtung. "Aussage nicht möglich" deutet darauf hin, dass zu wenige Datenpunkte vorhanden sind. Bei der Beurteilung der langfristigen Entwicklung wird der Einfluss besonderer Werte (Ausreisser) verringert, indem die Entwicklung zwischen dem Durchschnittswert der ersten 3 verfügbaren Jahre und jenem der 3 letzten verfügbaren Jahre betrachtet wird. Bei der Beurteilung der kurzfristigen Entwicklung kommt es häufig vor, dass die Periodizität des Indikators höher ist als 1 Jahr oder die Zeitreihe weniger als 6 Messungen enthält. In diesem Fall betrachtet man die Veränderung zwischen dem ersten und letzten verfügbaren Indikatorwert.

Basierend auf Bundesamt für Statistik BFS (2019): Monet – Zusammenfassung der Indikatoren (Methodik), Neuenburg: BFS (öffnet in einem neuen Fenster)

Im Zusammenhang mit der Agenda 2030 als neuer Referenzrahmen wurden für jeden Themenbereich jene SDGs identifiziert, die – basierend auf den Schweizer Unterzielen – einen Zusammenhang zum Themenbereich aufweisen. Die Herausforderungen weisen auf anstehende, zentrale Frage- und Problemstellungen in den Themenbereichen hin. In den "Spotlights Klima" werden zusätzlich klimaspezifische Herausforderungen oder laufende Projekte aus der kantonalen Verwaltung beschrieben.

Methodik der Beschreibung der 17 SDGs

Der Bericht "Nachhaltige Entwicklung im Kanton Aargau 2020" integriert erstmals die Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) in die Berichterstattung. Dabei wird auf die vom Bundesrat für die Schweiz spezifizierten Unterziele zurückgegriffen. Konkret wurde für jedes SDG dessen Stand im Kanton Aargau beschrieben. Für die Beschreibung dienten Fakten aus den Themenbereichen der 3 Nachhaltigkeitsdemensionen im Nachhaltigkeitsbericht, die für das entsprechende SDG bedeutend sind. Die Fakten sind im Text direkt mit den entsprechenden Themenbereichen verlinkt. Für die Zuteilung der Themenbereiche zu den SDGs bildeten jene Schweizer Unterziele den Rahmen, die auch für die Kantone relevant sind. Je nach SDG sind es bis zu 8 Themenbereiche, die für die Beschreibung des Entwicklungsstands beigezogen wurden. Mit ihrem integrativen Charakter ergibt die Darstellung der 17 SDGs ein Gesamtbild der Nachhaltigen Entwicklung des Kantons Aargau.

Anhand der Datenlage aus den Themenbereichen können nicht zu allen relevanten Schweizer Unterzielen Aussagen gemacht werden. Somit bleibt die Beschreibung der einzelnen SDGs zurzeit noch lückenhaft.

Methodik der Beschreibung Beziehungsnetz der SDGs

Die 17 SDGs stehen in enger Beziehung zueinander: Der Entwicklungsstand eines SDGs hängt vom Stand anderer SDGs (Treiber) ab und hat gleichzeitig Konsequenzen auf den Entwicklungsstand weiterer SDGs. Entsprechend können einzelne Ziele (SDGs) nur erreicht werden, wenn auch bei anderen Zielen (SDGs) Fortschritte erlangt werden. Die wichtigsten Beziehungen zwischen den SDGs werden grafisch dargestellt und generisch beschrieben. Diese allgemeingültige Beschreibung der Beziehungen bezieht sich nicht auf die Situation im Aargau, zeigt aber wichtige Zusammenhänge und kann Hinweise auf mögliche Handlungsansätze geben. Die Auswahl der Beziehungen erfolgte gestützt auf das SDG-System nach Le Blanc 2015 (öffnet in einem neuen Fenster) und dessen Operationalisierung (Kumu-System (öffnet in einem neuen Fenster) ). Die Beschreibung der Beziehungen ist aufgrund der lückenhaften Datengrundlage und der Komplexität allgemein formuliert.

Der Einbezug der Agenda 2030 als neuer Referenzrahmen ist herausfordernd − der fünfte Nachhaltigkeitsbericht stellt dabei eine erste Annäherung dar. Der systemische Charakter des global gültigen Ansatzes ermöglicht es, Zusammenhänge sichtbar zu machen und basierend darauf die Nachhaltigkeit im Kanton Aargau weiter zu verbessern.

Megatrends und übergeordnete Entwicklungen

Bei der Diskussion um die nachhaltige Entwicklung im Kanton Aargau spielen auch Megatrends sowie übergeordnete Entwicklungen auf nationaler und internationaler Ebene eine Rolle.

Megatrends

Megatrends umfassen signifikante, über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten konstante, gleichgerichtete Entwicklungen mit einem globalen Charakter. Sie beeinflussen alle 3 Nachhaltigkeitsdimensionen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Dies führt dazu, dass der Kanton nicht alle, im Nachhaltigkeitsbericht aufgeführten Themen gleichermassen beeinflussen und steuern kann. Folgende Megatrends sind für den Kanton Aargau zentral:

  • Bevölkerungswachstum: Der Kanton Aargau weist weiterhin ein, im schweizweiten Vergleich, überdurchschnittliches Bevölkerungswachstum auf. Dieses beruht grösstenteils auf der Zuwanderung aus dem In- und Ausland. Ende 2019 lebten 685'424 Personen im Kanton Aargau. Gemäss Prognose wächst die Bevölkerung bis ins Jahr 2050 auf rund 905'000 Personen und steigt damit zwischen 2019 und 2050 um circa 32 Prozent (DFR 2020).
  • Klimawandel: Zunehmende Trockenheit, Hitzebelastung, steigendes Hochwasserrisiko oder die Veränderung der Biodiversität zeigen, dass der Klimawandel auch den Kanton Aargau betrifft. Der Kanton begegnet dem Klimawandel mit der Doppelstrategie Klimaschutz und Klimaanpassung. Der Bericht Nachhaltige Entwicklung 2020 beinhaltet erstmals ein eigenes Kapitel "Klima". In den "Spotlights Klima", zugeordnet zu einzelnen Themenkapiteln, äussert sich die kantonale Verwaltung zudem zu Herausforderungen oder zu laufenden Projekten aus dem Bereich Klimawandel.
  • Ressourcenknappheit: Boden und Raum werden immer knapper, der Energie- und Rohstoffverbrauch wächst auf globaler Ebene weiter. Natürliche Ressourcen geraten zunehmend an ihre Verfügbarkeitsgrenzen.
  • Technischer Wandel und Digitalisierung: Technischer Fortschritt umfasst einerseits technologische Innovationen, welche es ermöglichen, die Produktivität zu steigern und andererseits neue Produkte oder Produkte höherer Qualität. Besonders die Errungenschaften der letzten 20 Jahre im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie haben dem technischen Wandel einen enormen Schub verliehen.
  • Wissensgesellschaft und Wissensökonomie: Wissen war immer schon Teil der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen. Angetrieben durch den technologischen Fortschritt und die zunehmende Vernetzung, wächst Wissen exponentiell an, ist frei verfügbar (Open Knowledge) und wird immer mehr zur zentralen Ressource der heutigen Gesellschafts- und Wirtschaftsformen.
  • Globalisierung: Die Globalisierung im ökonomischen Sinne bezeichnet die Verflechtung der Volkswirtschaften und die Entstehung weltweiter Märkte für Güter, Dienstleistungen und Kapital durch den Abbau von Handelshemmnissen. Gleichzeitig birgt die Globalisierung die Gefahr, dass sich Krisen über den ganzen Globus ausbreiten, seien dies Wirtschaftskrisen oder Pandemien.
  • Wertewandel und gesellschaftliche Entwicklungen: Infolge des beispiellosen Wohlstandswachstums der Nachkriegszeit breitete sich im späten 20. Jahrhundert die Liberalisierung der Werte und damit der zunehmende Wunsch nach Selbstverwirklichung aus. Die Möglichkeit, frei zu bestimmen, wie, mit wem und wo man lebt, welche berufliche Karriere man anstrebt und welchem Glauben oder Wertesystem man folgt, hat seither stetig zugenommen.
  • Urbanisierung: Heute leben weltweit mehr als die Hälfte aller Menschen in Städten, Tendenz steigend. Die Herausforderung urbaner Gebiete in Industriestaaten besteht aktuell in erster Linie in der ständigen Optimierung ihrer Siedlungsstruktur.


Übergeordnete Entwicklungen (Coronavirus-Pandemie)

Die Coronavirus-Pandemie und die damit einhergehenden staatlichen Massnahmen haben das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben auch im Kanton Aargau innert kürzester Zeit stark verändert. Ein solch einschneidendes Ereignis dürfte deutliche Spuren in der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft des Kantons Aargau hinterlassen. Es muss damit gerechnet werden, dass sich Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie bei der Datenaktualisierung (Daten ab 2020) bei diversen Themenbereichen zeigen werden. Auch einzelne Megatrends werden durch die Coronavirus-Pandemie beeinflusst. So hat beispielsweise die Digitalisierung eine unverkennbare Beschleunigung erfahren.

Organisation und Zusammenarbeit

Der Nachhaltigkeitsbericht ist in Zusammenarbeit mit diversen Fachstellen aller Departemente und der Staatskanzlei des Kantons Aargau erarbeitet worden. Die einzelnen Themenbereiche wurden mit den zuständigen Fachstellen diskutiert und formuliert. Wesentliche Aussagen des Berichts wurden in einer interdepartementalen Begleitgruppe diskutiert und geprüft. Über die enge Zusammenarbeit mit der Staatskanzlei wurde die Abstimmung der Ergebnisse mit der politischen Planung sichergestellt.

Impressum

Herausgeber: Regierungsrat des Kantons Aargau

Leitung und Realisation:
Departement Bau, Verkehr und Umwelt
Corinne Schmidlin und Barbara Wegmann, Fachstelle Nachhaltigkeit

Externe Begleitung:
Marius Christen , SusCon, Bern

Datenbasis, Erarbeitung:
Datenbasis: vorwiegend 2019
Erarbeitung des Berichts: Januar bis Dezember 2020
Letzte Aktualisierung der Online-Plattform: 22. März 2021

Interdepartementale Begleitgruppe

Norbert Kräuchi, BVU, ALG (Leitung)
Susanna Bohnenblust, SK STRAT
Toyah Föll, DFR, GES
Philip Gehri, DVI, GES
Christian Kohler, DGS, GES
Peter Kuhn, BVU, AFU
Frédéric Voisard, BKS, GES