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Etappe 2: Massnahmen

In der Etappe 2 müssen Kanton, Regionalplanungsverband und Gemeinden die Massnahmen zur besseren und effizienteren Nutzung des Verkehrsangebots konkret ausarbeiten, verbindlich festlegen und umsetzen. Zudem gilt es kontinuierlich deren Wirksamkeit zu prüfen.

Die Massnahmen gliedern sich in vier Bereiche: Mobilitätsnachfrage steuern, Veloverkehr attraktiver gestalten, öV-Potenzial ausschöpfen, Strassenraum umgestalten.

Vier Massnahmenbereiche

Massnahmen zur Lenkung und Steuerung der Mobilitätsnachfrage

Mit Massnahmen zur Lenkung und Steuerung der Mobilitätsnachfrage sollen die Siedlungsqualität erhöht, der Fuss-, Velo- und öffentliche Verkehr attraktiver sowie der MIV-Anteil gesenkt werden.

Folgende Massnahmen sollen in der Etappe 2 umgesetzt werden, da von ihnen die grösste Wirkung erwartet wird:

  • Regionales Parkraumkonzept für die öffentlichen Parkplätze inklusive Bewirtschaftung erarbeiten: Mit der Festlegung der Anzahl und der Standorte der öffentlichen Parkplätze sowie deren Bewirtschaftung wird das Ziel verfolgt, den Velo- und öffentlichen Verkehr als Ergänzung oder Ersatz zum MIV zu stärken und durch den erzielten Umsteigeeffekt die Verkehrsbelastung durch den MIV in den Quartieren zu reduzieren.
  • Öffentlich zugängliche Parkplätze im Privateigentum bewirtschaften: Mit der Bewirtschaftung von öffentlich zugänglichen Parkplätzen soll die Preissensibilität erhöht werden. Vor allem im Binnenverkehr soll das die Bevölkerung motivieren, Wege vermehrt mit dem Velo oder zu Fuss zurückzulegen.
  • Verkehrsmanagement weiterentwickeln: Mit dem Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien können die Nutzung bestehender Infrastrukturanlagen effizienter gestaltet, der Verkehr verflüssigt, der öffentliche Verkehr priorisiert und die Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden verbessert werden.
  • Mobilitätskonzepte für Entwicklungsgebiete verbindlich machen: Mit einem Mobilitätskonzept müssen sich die Immobilienentwickler bereits bei der Arealentwicklung Gedanken zur zukünftigen Mobilitätsabwicklung machen. Daraus können wertvolle Hinweise für die Planung des Areals gewonnen werden (Anzahl und Lage Veloabstellplätze, Platzierung der Eingänge möglichst bei der öV-Haltestelle, Anzahl Parkplätze etc.) und der Neuverkehr kann gezielt auf den Fuss-, Velo- und öffentlichen Verkehr gelenkt werden.
  • Pflichtparkplätze bei Neu- und Umnutzungen in Abstimmung mit der öV-Erschliessung reduzieren: Dies kann den Neuverkehr gezielt auf den Fuss-, Velo- und öffentlichen Verkehr lenken.
  • Siedlungsqualität verbessern/erhalten: Mit attraktiv gestalteten Siedlungsgebieten erhöht sich auch die Lust, Wege mit dem Velo oder zu Fuss zurückzulegen.

Veloverkehr fördern

Die Region Aarau eignet sich hervorragend für den Veloverkehr. Viele Fahrten sind unter fünf Kilometer lang und auch topografisch bestehen gute Voraussetzungen. Damit die erwartete Zunahme der Mobilitätsnachfrage vermehrt über den Veloverkehr abgewickelt wird, sind attraktive und sichere Velowege eine zentrale Voraussetzung. Dafür hat das Projektteam den regionalen Velonetzplan entwickelt. Darin wurden zu verbessernde kantonale Radrouten und Velovorzugsrouten bestimmt, wichtige Orte mit Veloabstellplätzen definiert und Hauptkonfliktpunkte mit anderen Verkehrsmitteln identifiziert. In der Etappe 2 sollen folgende Massnahmen umgesetzt werden:

  • Kantonale Radrouten ergänzen und stärken: Jede Gemeinde soll über mindestens eine kantonale Radroute mit den Nachbargemeinden verbunden sein. Die kantonalen Radrouten sollen sicher und angenehm zu benutzen und auf die kommunalen Velorouten abgestimmt sein.
  • Velovorzugsrouten planen und realisieren: Auf kantonalen Radrouten mit hohem Nachfragepotenzial, das heisst mit hohem Ziel-/Quellverkehr, soll der Standard erhöht werden.
  • Zusätzliche Veloparkierung: Bei publikumsintensiven Einrichtungen, beispielsweise Einkaufszentren und Badeanstalten sowie öV-Haltestellen, sollen genügend und qualitativ hochstehende Veloparkierungsanlagen zur Verfügung stehen. Ein ausreichendes Angebot an attraktiven Veloabstellplätzen kann motivieren, diese Standorte mit dem Velo anzufahren.
  • Konfliktpunkte zwischen anderen Verkehrsträgern und den Velofahrenden beheben oder vorbeugen: Sichere Velowege erhöhen die Attraktivität des Veloverkehrs.
  • Regionales Bikesharing-Angebot umsetzen: Unkompliziert und möglichst flächendeckend verfügbare Velos erleichtern und fördern die multimodale Mobilität.

Potenzial des öffentlichen Verkehrs ausschöpfen

Damit die steigende Mobilitätsnachfrage vermehrt über den öffentlichen Verkehr (öV) abgewickelt werden kann, muss dieser (noch) attraktiver werden. In einem öV-Erschliessungsplan haben die Beteiligten die öV-Hauptachsen und die Lage der Mobilitätshubs definiert, die Gebiete nach verschiedenen Taktdichten eingeteilt und Gebiete definiert, in denen eine gute Zugänglichkeit der Haltestellen für den Fuss- und Veloverkehr besonders wichtig oder noch nicht ausreichend gegeben ist:

  • Die drei Mobilitätshubs Aarau, Suhr und Oberentfelden sollen kurze Umsteigezeiten ermöglichen und gut zu Fuss sowie mit dem Velo erreichbar sein. Zudem sollen sie eine hohe Aufenthaltsqualität, Dienstleistungen wie Infopoint oder Geldautomat, eine gute Kundenführung sowie Mobilitätsangebote wie Bike- oder Car-Sharing bieten.
  • Es sollen Direktverbindungen von jeder Gemeinde nach Aarau sowie auf einzelnen Hauptstrecken realisiert werden. Beispielsweise ist eine neue Verbindung Bahnhof Aarau–Rohr–Buchs Altersheim–Wynenfeld–Suhr eventuell Oberentfelden zu prüfen.
  • Die städtischen Gebiete sollen über einen 7.5-Minuten-Takt verfügen, die restlichen Gebiete über einen 15-Minuten-Takt. Für die Nationalbahn ist ein 30-Minuten-Takt vorgesehen. Entsprechend müssen Taktverbesserungen und die Beseitigung von Erschliessungslücken sowie die Buslinienführung innerhalb der Quartiere der Stadt Aarau geprüft werden.
  • Eine busfreie Altstadt Aarau soll bei gleichwertiger Erschliessungsqualität der Altstadt und Anschlusssicherheit beim Bahnhof erneut geprüft werden.
  • öV-Haltestellen sollen gut für den Fuss- und Veloverkehr zugänglich sein.

Strassenraum umgestalten (Siedlungsqualität verbessern)

Mit einer Anpassung der Gestaltung von Strassenräumen unter Berücksichtigung der angrenzenden Nutzungen kann der Anteil des Fuss- und Veloverkehrs erhöht werden. Einige Umgestaltungen sind bereits unabhängig vom Konzept in Planung, beispielsweise die Tellistrasse, die Hintere Bahnhofstrasse oder die Entfelderstrasse. Bei diesen Projekten soll auch die Flächenaufteilung zwischen Fuss- und Veloverkehr, öV und MIV vor dem Hintergrund des Zielbilds neu verhandelt werden. Zusätzlich ausgelöst werden sollen:

  • Strassenraumaufwertung Kölliken
  • Strassenraumaufwertung Oberentfelden (im Zusammenhang mit der Entflechtung der AVA und der SBB)

Auch gezielte Sperrungen einzelner Achsen für den Durchgangsverkehr leisten einen positiven Beitrag zur Förderung des Fuss-, Velo- und öffentlichen Verkehrs. Die Möglichkeit einer Sperrung der Strassenabschnitte Ziegelrain, Graben und Bahnhofstrasse Ost in Aarau für den MIV-Durchgangsverkehr sind in der Etappe 2 vertieft zu untersuchen.

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Grafik: EBP Schweiz AG

Stilisierte Karte der Region Aarau mit den angestrebten Zielen des Kantons: Veränderung des Verkehrsverhaltens bei der Bevölkerung, ohne Investition in die Infrastruktur (Bereich Lenkung und Steuerung der Nachfrage); Schaffung von attraktiven und sicheren Velowegen (Bereich Veloverkehr); Optimierung und Stärkung des öffentlichen Verkehrs sowie Taktverdichtung in urbanen Gebieten (Bereich öffentlicher Verkehr); Siedlungsverträgliche Umgestaltung von Hauptverkehrsachsen (Bereich Strassenraum).

Regelmässige Wirkungskontrolle

Zentral für die Beurteilung der Wirkung der Massnahmen und damit der Zielerreichung des Konzepts ist eine regelmässige Beobachtung der Entwicklung. Es gilt zu Beginn der Etappe 2 festzulegen, wie, in welchen Zeitabständen und durch wen diese Wirkungskontrolle durchgeführt wird. Die Erkenntnisse daraus dienen als Entscheidungsgrundlage, ob die Etappe 3 ausgelöst wird.

Jetzt aktiv werden

In der Etappe 2 müssen die beschriebenen Massnahmen vertieft untersucht beziehungsweise konkretisiert werden. Dies voranzutreiben und umzusetzen liegt in der Verantwortung des Kantons, der Region, der Stadt Aarau wie auch den Gemeinden. Alle involvierten Akteure müssen in die gleiche Richtung ziehen, damit die Ziele erreicht werden können. Deshalb wird zu Beginn der Etappe 2 verbindlich geklärt, wer für welche Massnahmen federführend zuständig und wer begleitend einzubeziehen ist.